Bremer Philharmoniker mit blechlastigem Auftritt in der Glocke

Merkur hopst nicht mehr

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„Bremen Brass“ mit Tine Thing Helseth: Die norwegische Trompeterin interpretierte Bernd Alois Zimmermanns Konzert „nobody knows de trouble i see“. ·

Bremen - Von Johannes Bruggaier. „Weltmusik“ lautete das Motto dieses Abends, „Bremen Brass“ wäre treffender gewesen. Gustav Holsts „Planeten“ halten schließlich so manch attraktive Stelle für die Blechbläsersektion bereit. Und dann natürlich der erste Teil dieses zehnten philharmonischen Konzerts: Aaron Coplands „Fanfare fort he common man“ als Vorspiel zu Bernd Alois Zimmermanns Trompetenkonzert „nobody knows de trouble i see“. Blechbläserherz, was willst du mehr?

Zu Copland gibt es nicht viel zu erwarten und noch weniger zu sagen. Die an sich recht schlicht komponierte Fanfare ist nach ihrer Jahrzehnte langen medialen Verkitschung in Pop, Film und Fernsehen derart von ihrer eigenen Rezeptionsgeschichte belastet, dass man sie kaum noch unbefangen zu hören, geschweige denn auf interpretatorische Feinheiten hin zu analysieren vermag. Immerhin bewahrt das vor einem allzu akademischen Erwartungshorizont. So erfreut man sich in der Glocke am schlichten Erleben eines satten Blechbläser-Klangs, wunderbar strahlend in perfekter Intonation – was bei diesem ob seiner freien Einsätze heiklen Stück keineswegs selbstverständlich ist.

Mehr Spielraum zu Differenzierungen bietet Zimmermanns Trompetenkonzert, für welches Tine Thing Helseth als Solistin gewonnen wurde. Die 26 Jahre alte Norwegerin zählt zu den herausragenden Vertretern der jungen Trompeter-Generation, wurde im vergangenen Jahr mit einem Nachwuchs-„Echo“ bedacht. Zimmermanns Konzertstück geht sie mit klarer Tongebung und schlankem Vibrato in zurückhaltender Dynamik an. Technisch von eindrucksvoller Brillanz überzeugt sie mit diesem Zugriff insbesondere im introvertierteren ersten Teil des Konzerts, mit seinen düster elegischen, mitunter an Strawinskys „Feuervogel“ erinnernden Passagen. Je deutlicher jedoch das Thema – ein Spiritual über das Schicksal der schwarzen Sklaven in Amerika – im Spiegel des Jazz beleuchtet wird, desto mehr könnte man sich auch eine mutigere, weniger glatte Ästhetik vorstellen. Helseths Spiel droht dann in seiner Schönheit klassischer Prägung zu erstarren.

Was bei Zimmermann stellenweise zu brav erscheint, erweist sich bei der Zugabe, einem Tango von Astor Piazzolla, als Segen: Mit ihrer dezenten Phrasierung verhindert Helseth, dass dieses melancholische Werk in Schwülstigkeit abgleitet, verleiht ihm eine Gravität fernab üblicher Tango-Klischees.

Schwülstigkeit ist auch bei Holsts Planeten nicht von vornherein auszuschließen. Das Werk zählt in seiner Plakativität zu den durchaus fragwürdigen Vertretern spätromantischer Programmmusik: Da schreitet Kriegsgott Mars mit grimmigem Schrubben in den Streichern und bedrohlichem Getöse im Blech zur Tat, ehe die liebliche Venus sanft in die Saiten der Harfen greift. Und wie flink der freche Götterbote Merkur plötzlich mit schnellen Sprüngen der Holzbläser über die Bühne hopst!

Dirigent Ari Rasilainen nimmt der Venus ein wenig vom Zuckerguss, belässt das arg süßliche Sternengefunkel bei einer dezenten Andeutung. Und Merkur muss mit nur mäßigen Akzentuierungen auskommen: eine Zurückhaltung, die diesem Werk auf keinen Fall schadet.

Von Kitsch und Pomp ist das Publikum somit weitgehend verschont geblieben. Und das trotz verdächtig gefälliger Werkauswahl.

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