„Homezone“ in der Schwankhalle Bremen

Was Menschen trennt

Nicht unbedingt zwingend: „Homezone“ am Originalschauplatz.
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Nicht unbedingt zwingend: „Homezone“ am Originalschauplatz.

Bremen - Von Andreas Schnell. Zum dritten Mal präsentierten „Tanzbar Bremen“ und das „Steptext Dance Project“ in Bremen internationale Produktionen mit beeinträchtigten und nichtbeeinträchtigten Tänzern.

Am Sonntagabend gab es zum Abschluss eine Deutschlandpremiere: „Homezone – Umbruch III“ ist eine deutsch-israelische Gemeinschaftsproduktion, die bereits in Israel uraufgeführt wurde. Die rund einstündige Choreographie ist, wie der Titel schon andeutet, der letzte von drei Teilen eines Projekts, das sich mit prekären Situationen befasst.

Nach Sri Lanka und Venezuela ging es diesmal um Israel, wo der Alltag vor allem in Grenzgebieten dauerhaft riskant ist und eine Mauer Ostjerusalem vom Rest der Stadt trennt. An dieser Mauer spielt ein Teil von „Homezone“, zu sehen auf großer Leinwand an der Rückseite der Bühne.

Zuerst allerdings sehen wir eine andere Mauer. Und zwar eine aus Menschen, zwei davon im Rollstuhl. Durch diese Mauer schiebt sich eine Hand, wirft ein Steinchen, noch eins. Dann versucht ein Mensch, eine junge Frau, die Mauer zu durchbrechen, was nach mehreren Anläufen auch gelingt. Woraufhin sie noch eine Kiste durch die Mauer zieht, in der sich noch mehr jener Steine befinden, die die junge Frau auf dem Boden verteilt. Auf der Leinwand sehen wir das Ensemble noch einmal.

Was folgt, ist eine atmosphärisch zwar ansprechende Arbeit, die aber in weiten Teilen undeutlich bleibt. Offenbar geht es in „Homezone“ nicht so sehr um eine ganz bestimmte Geographie. Zumindest lässt sich vieles eher als allgemeine Meditation über das lesen, was Menschen voneinander trennt, und die Versuche, die Trennung zu überwinden. Die Menschenmauer löst sich auf, formiert sich zu neuen Mauern, die sich aufeinander zu und voneinander weg bewegen, mal weicht eine Reihe zurück, mal die andere. Konfrontationen, zu denen markante Beats erklingen, Stimmen ertönen, die in Englisch sprechen, allerdings kaum verständlich, mit starkem Akzent. Nur Sprachfetzen schälen sich heraus, da geht es um Befreiung, darum, an die Spitze zu kommen, erweitert durch Aufnahmen von Menschen, die Treppen hinaufsteigen, auf einem Hügelrücken rennen – und an Gummibärchen an einem Gitterzaun lecken.

Eine nicht unbedingt zwingende Arbeit und damit ein etwas unbefriedigender Abschluss für ein bemerkenswertes Festival.

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