Bremer Weserburg und GAK zeigen gemeinsame Ausstellung

Meisterschüler im Fokus

Verfremdete Stoffhunde stehen in der Bremer Weserburg
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Paul Ole Janns Arbeiten „Hunde“, „In freudiger Erwartung“ und „Fire in the Hole“ sind in der Schau zu sehen.

Nachdem die Arbeiten der Meisterschüler der Hochschule für Künste Bremen im vergangenen Jahr nicht einen einzigen Tag der Öffentlichkeit zugänglich gewesen waren, wagt der aktuelle Jahrgang nun einen neuen Versuch. Insgesamt 20 Künstler zeigen in der Weserburg und der Gesellschaft für Aktuelle Kunst ihre Arbeiten.

Bremen – Kugeln sind in die Fensterfront geschlagen, scheinen das Glas durchbrochen zu haben. Doch die Barriere ist heil geblieben, trennt uns weiterhin vor dem, was hinter ihr liegt: Zwei Eimer, voll mit weißer und roter Flüssigkeit, sowie eine weiße Pfütze direkt vor einer Apparatur aus Metall, die man aus der Schafzucht kennt. Sie alle sind Teile einer Installation von Shirin Mohammad, die nun mit dem Karin-Hollweg-Preis ausgezeichnet worden ist.

„In der Mitte einer Furt“ ist dabei nur eine von insgesamt 20 Positionen in der von Alejandro Perdomo Daniels kuratierten Meisterschüler-Ausstellung. Eine sehenswerte Schau, die erstmals seit zehn Jahren nicht nur in der Weserburg angesiedelt ist, sondern auch in der Gesellschaft für Aktuelle Kunst direkt nebenan. Der örtliche Wechsel ist nur ein Vorgeschmack auf das, was da noch kommen wird, denn in Zukunft wird die Ausstellung rund um den Karin-Hollweg-Preis jedes Jahr in einem anderen Bremer Museum zu sehen sein. Das gibt nicht nur neue Impulse für den Wettbewerb, sondern dem Team der Weserburg zudem die Möglichkeit, sich auch für die Einzelausstellung des Preisträgers zu bewerben. Als Gastgeber der Meisterschüler-Schau war dies nämlich nicht möglich.

Protest der iranischen Bauern

Doch zurück zum aktuellen Jahrgang, der Arbeiten von Ryosuke Aratani, Armando Ducellari, Annalouise Falk, Nicolas Fehr, Alice Gericke, Paul Ole Janns, Ugur Karatas, Tomma Köhler, Shirin Mohammad, Sebastian Moske, Ludger N.o.kel, Patrick Peljhan, Sabine Peter, Laura Pientka, Arash Qilich, Ul Seo, Elisa Storelli, Stephan Thierbach, I-Chie Tasi und Armin Wischkony zeigt. 20 Meisterschüler, die äußerst unterschiedliche Fragen und Problemstellungen behandeln.

So wie eben auch Shirin Mohammad, die in ihrer preiswürdigen Arbeit den Protest der iranischen Bauern thematisiert. Diese gehen angesichts von Armut und Wasserknappheit bereits seit Wochen auf die Straßen. Allerdings blieben die Protestierenden nicht nur in ihren Dörfern: Sie zogen auch vor diverse Ministerien und kippten dort Milch aus. Ein weißer Strom, der sich mit rotem Blut vermischte – denn auch eine Kuh musste für den Protest ihr Leben lassen.

Unheil liegt in der Luft

Im Untergeschoss der GAK sind Milch und Blut zwar aus Silikon und bleiben zum Großteil in ihren Eimern. Dennoch schwingt in dieser Szene in rotem Licht etwas Bedrohliches mit; auch, ohne dass etwas passiert, liegt Gewalt in der Luft. Die gibt es natürlich auch im Iran, dort werden die Aufstände brutal niedergeschlagen. Davon erfährt die Welt allerdings nur wenig, das Leid der Bauern nimmt kaum Platz in der Berichterstattung ein. Eine Unwissenheit, die uns nicht nur seltsam distanziert zurücklässt, sondern gefährlich ist. Denn der Kampf der Bauern braucht jede Form der Öffentlichkeit – weil nur die weltweite Aufmerksamkeit Sicherheit und Erfolg verspricht.

Shirin Mohammad erhält für „In der Mitte einer Furt“ den Karin-Hollweg-Preis

Eine Vermischung von Installation und Malerei gibt es derweil bei Paul Ole Janns. So warten zwei großformatige Gemälde mit durchaus alltäglichen Situationen auf: Hier eine Schwangere, die im Garten werkelt, dort ein nackter Mann in seinem Badezimmer. Doch schnell ist klar, dass der Künstler mit ironischem Blick auf die alltägliche Idylle blickt. Denn der Mann trocknet sich nicht mit einem Handtuch ab, nein, er föhnt sich den Hintern. Und die Frau ist nicht etwa mit dem Laubbesen auf dem Rasen unterwegs, im Kampf gegen die Natur greift sie kurzerhand zum Staubsauger. Ein ziemlich suspekter Blick auf die Dinge, zumindest wenn man außer Acht lässt, dass Gartenfreunde in anderen Breitengraden durchaus Kunstrasen verlegen – den man natürlich saugen kann.

In beiden Bildern drückt sich zudem ein Hund herum. Ein merkwürdig lang gezogener brauner Dackel, der auch auf der Fläche vor den Gemälden steht. Dort sind eine ganze Reihe von Hundeplastiken platziert worden, die ebenfalls von Janns entworfen worden sind. Das zweitliebste Haustier der Deutschen ist dabei allerdings nicht detailgetreu, es geht dem Künstler auch in diesem Fall nicht darum, die Realität eins zu eins wiederzugeben. Stattdessen stellt er die archetypischen Merkmale der einzelnen Rassen heraus. Zuschreibungen, die natürlich vom Menschen festgelegt wurden – und die man in diesem Rudel durchaus etwas suchen muss.

Sehen

Die Meisterschüler-Ausstellung ist noch bis zum 9. Januar in der Weserburg geöffnet.

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