Mehr Licht

Bremer Weserburg soll mit neuem Leitbild zukunftsfähig werden

Ohne Wände vor den Fenstern gibt es mehr Licht, auch für die Arbeit von Jan Timme. Foto: Tobias Hübel
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Ohne Wände vor den Fenstern gibt es mehr Licht, auch für die Arbeit von Jan Timme.

Bremen - Von Mareike Bannasch. Neues Logo, neue Website, neues Leitbild – und nicht zuletzt eine neue Direktorin: Es ist zwar keine komplette Runderneuerung, dennoch hat sich in den vergangenen Monaten in der Bremer Weserburg einiges getan. Was genau, stellte Janneke de Vries nun der Presse vor, alle anderen Interessierten haben ab Samstag die Möglichkeit, die Neuerungen in Augenschein zu nehmen.

Die Veränderungen beginnen bereits im Foyer. Dort wo es bislang arg dunkel, lieblos, kurz: wenig einladend war, hat sich nun das Temporary Spaces Collective den Raum zu eigen gemacht. Hinter dem Namen verbergen sich neun Studenten, die Teil der Klasse Serbst an der Hochschule für Künste sind und das Foyer mit komischen Möbeln beleben wollen. Objekte, die nicht einfach nur herumstehen, sondern mit der Fläche interagieren sollen – und in ihrer Nutzung nicht auf all jene Dinge festgelegt sind, die wir Stuhl, Tisch und Sofa zuschreiben. Wie genau diese alternative Nutzung aussehen kann und wo ihre Grenzen sind, zeigen die Studenten morgen Abend bei der offiziellen Eröffnung.

Doch nicht nur das Problem im Eingangsbereich ist gelöst, auch die Ausschilderung innerhalb des Museums ist ab sofort wesentlich besucherfreundlicher: Klare Hinweistafeln, mit Referenz zum neuen Logo, weisen dabei den Weg zu den Ausstellungen oder dem Zentrum für Künstlerpublikationen. Letzteres ist nun in größeren Räumen in der dreieinhalbten Etage beheimatet. Ein Wechsel, durch den das Zentrum mehr Aufmerksamkeit bekommen soll, oder, um es mit den Worten der Direktorin zu sagen: „Raus aus dem Schatten.“

Janneke de Vries.

Ein Anspruch, der auch für die Bibliothek des Hauses gilt. Es gibt sie bereits seit Jahren, von ihr Gebrauch macht allerdings kaum ein Besucher. Der Grund dafür ist denkbar einfach: Die Sammlung aus Katalogen und Fachliteratur befindet sich im Keller, und dorthin treibt es nur die wenigsten Museumsgäste. In Zukunft werden sie es einfacher haben, denn die Bibliothek ist nun im zweiten Stock zu finden – und damit mitten in der neuen Sonderausstellung „So wie wir sind 1.0.“ (mehr dazu in der morgigen Ausgabe). Über die Stockwerke eins und zwei zieht sich das Format, das nicht nur den Grundstein für eine mehrteilige Ausstellungsreihe legen soll, sondern auch das neue Leitbild der Weserburg verdeutlicht.

Einfach mit dem Label Sammlermuseum zu werben, reicht nämlich nicht mehr – auch nicht, wenn man einst das erste Haus dieser Art in Europa gewesen ist. Folglich liegt es nun an Janneke de Vries und ihrem Team, das Museum zukunftsfähig zu machen und ihm in diesem Zuge wieder ein Alleinstellungsmerkmal zu verpassen. Um dies zu erreichen, soll die Weserburg zu einer „Versorgungsstation für freies Denken“ werden. Wohlklingende Worte, die vor allem eines bedeuten: Weg von Schauen, die sich nur auf eine Sammlung konzentrieren und hin zu Ausstellungen, in denen Werke aus unterschiedlichen Sammlungen zu einem Kontext vereint sind – und damit eine Rückbesinnung auf den musealen Aspekt. Das war auch für die Sammler neu, die diesen Weg laut de Vries aber gerne mitgehen. Müssen sie allerdings auch, immerhin ist es die enge Partnerschaft mit Mäzenen, die seit seiner Gründung das Besondere der Weserburg ausmacht.

Welche Schätze sich in den Sammlungen verbergen, macht „So wie wir sind 1.0“ mit 140 Arbeiten von 80 Künstlern deutlich, die sich über die Hälfte der gesamten Ausstellungsfläche verteilen. Eine Fläche, die auf den Betrachter wesentlich größer wirkt als vor dem Direktorenwechsel. Warum? Weil die Weserburg mit einem Mal mehr Fenster hat. Zumindest aus Sicht des Besuchers. Denn natürlich waren die Fenster schon immer da, bislang waren sie jedoch von Rigips-Wänden verdeckt. Diese sind nun fort, genau wie einige Zwischenwände. Was bleibt, sind großzügigere Räume, die den Lagerhaus-Charme der Weserburg betonen und fast wie ein Versprechen auf bessere Zeiten wirkt.

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