Mehr als nur ein Klangteppich

Band Faakmarwin nimmt Song mit den Bremer Philharmonikern auf

+
Marko Letonja (l.) und die Bremer Philharmoniker haben gestern mit Faakmarwin um Alex Skipka einen Song aufgenommen.

Bremen - In der Glocke zirpen vereinzelte Geigen, Querflöten und Zimbeln. Langsam steigert sich die Dynamik, wird rhythmischer, entlädt sich ein einem Gewitter. Jannik Ost, einer der beiden Percussionisten, trägt nicht die schwarze „Berufskleidung“ der Bremer Philharmoniker. Er ist der Drummer der Bremer Indierockband „Faakmarwin“, deren Song gerade eingespielt wird.

Sänger Alex Skipka, ganz in Weiß mit Baggy Pants und Beaniemütze gut zu erkennen, singt leise mit. Seine angespannte Konzentration weicht immer wieder einem Moment der Glückseligkeit. So hat er sein im Mai veröffentlichtes Lied „High wie Kometen“ noch nie gehört, oder höchstens auf dem Demo, das ihm Arrangeur Axel Tenner vorab geschickt hat. „Schon krass – das Orchester hat eine instrumentale Vielfalt, so viel Wucht – das ist nochmal zahlreiche Levels drüber.“

Eine Band mit Bremer Bezug, das ist schon etwas Besonderes, Marko Letonja, Dirigent.

Für Tenner, dessen Erfahrung als Filmmusik-Komponist man auch diesem Arrangement anhört, war die Herausforderung, E- und U-Musik zu vereinen, gar nicht so groß: „Idealerweise geht es immer um Emotionen in der Musik; der Prozess ist relativ ähnlich – irgendwann kommt der Punkt, wo sie in einem etwas bewegt.“ Auch Generalmusikdirektor Marko Letonja, der in der einzigen Probe vor der Aufnahme mit den Bremer Philharmonikern Melodielinien herausarbeitet, möchte statt zwischen E- und U- lieber zwischen guter und schlechter Musik unterscheiden. Die von Faakmarvin gehört für ihn eindeutig in erstere Kategorie. Er ist vom deutschsprachigen Indierock der drei Bremer angetan: „Was sie machen, ist so ehrlich, voller Emotionen und Energie!“

Kennengelernt haben die beiden sich, wie das nur in einer kleinen Stadt wie Bremen möglich scheint, in der Straßenbahn – allerdings nicht ganz so zufällig, wie es zunächst klingt. Selbige war nämlich von Buten & Binnen für eine Fernsehsendung über Musik gechartert worden; ein Song der drei wurde von drei Streichern der Philharmoniker begleitet. Man fand sich sympathisch, Wellenlänge und Chemie stimmten.

Das Orchester hat so viel Wucht, das ist noch mal zahlreiche Levels drüber, Alex Skipka, Faakmarwin-Frontmann.

Dabei war es Letonja wichtig, nicht nur den „Klangteppich zur Band zu liefern“, sondern etwas Neues zu schaffen. Auch aus diesem Grund mag er den Begriff Cross-Over nicht besonders. Ihn hat vor allem der lokale Aspekt des Projekts gereizt: „Klar ist es auch schön, einen Weltstar zu begleiten – aber eine Band mit Bremer Bezug, das ist schon etwas Besonderes.“ Auch Sripka möchte die Bremer Musikszene vorantreiben: „Es ist wichtig, mit Projekten wie diesem mit den Philharmonikern auch ein Statement zu setzen, dass hier geile Sachen passieren.“ Mit dem unlängst geschlossenen Plattendeal bei einem größeren Label habe die Erfüllung des Traums nichts zu tun, „sondern damit, dass es halt Bremen ist.“

Auch wenn sich mit der Vision, nicht nur einen Track zusammen zu machen, sondern mittelfristig zu kooperieren, für Frontmann Sripka ein Traum erfüllen würde, betont er: „Es wird immer ein Nebenprojekt bleiben – Faakmarwin spielen weiter so, wie man das auch kennt.“ Und auch die Bremer Philharmoniker dürften von dem Projekt profitieren, hat Letonja es sich seit der Übernahme des Dirigentenpostens vor gut einem Jahr doch mit Aktionen wie einem Mussorksky-Flashmob auf dem Domshof oder öffentlichen Proben ohne Eintritt auf die Fahnen geschrieben, die philharmonische Welt zu revolutionieren.

Wie sich Rocker und Philharmoniker bei der Aufnahmearbeit verstehen, ob sich Riffs und Fills ohne Weiteres mit Takten und Phrasierungen in Einklang bringen lassen – man weiß es nicht, denn beim Einspielen ist die klare Ansage des Dirigenten: „Alle raus und absolute Ruhe bitte“ – da herrscht an diesem Vormittag in der Glocke dann doch eher Klassik als Rock‘n‘Roll.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Freiwillige Feuerwehr Kirchwalsede feiert 100-jähriges Bestehen

Freiwillige Feuerwehr Kirchwalsede feiert 100-jähriges Bestehen

Wer die Museumsbahnen in Deutschland am Laufen hält

Wer die Museumsbahnen in Deutschland am Laufen hält

Brasiliens Polizei ermittelt gegen Brandstifter

Brasiliens Polizei ermittelt gegen Brandstifter

Reisegarten am Delmequell eröffnet

Reisegarten am Delmequell eröffnet

Meistgelesene Artikel

Schwankhalle bezieht Stellung gegen Rassismus und Diskriminierung

Schwankhalle bezieht Stellung gegen Rassismus und Diskriminierung

Jens Laloire vom Literaturkontor über Bremen als Literaturstadt und was fehlt

Jens Laloire vom Literaturkontor über Bremen als Literaturstadt und was fehlt

Thomas Albert über Netrebko, 30 Jahre Musikfest und das Wetter

Thomas Albert über Netrebko, 30 Jahre Musikfest und das Wetter

Steine mit Flügeln

Steine mit Flügeln

Kommentare