Kate McIntoshs interaktive Installation

Macht kaputt: „Worktable“ legalisiert Zerstörung

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Überbleibsel einer Kamera.

Bremen - Ein Kinderspiel ist es nicht: Ab sechs Jahren – Kinder nur in Begleitung Erwachsener – ist die Teilnahme erlaubt. Es scheint sogar ein bisschen gefährlich, an Kate McIntoshs interaktiver Installation „Worktable“ teilzunehmen. Bevor man in den dreieinhalbteiligen Parcous startet, muss man erklären, dass weder Künstlerin noch Veranstalter für etwaige Schäden an Leib und Leben haftbar gemacht werden können. Was ist da los?

Nachdem wir aus den Regalen im Foyer, auf denen unter anderem ein ausgestopfter Vogel und eine Schachtel Zigaretten stehen, einen der Gegenstände ausgewählt haben, führt uns eine Assistentin in eine von drei Kabinen. Schutzbrillen? Handschuhe? Ach ja, da sind Hämmer, Stemmeisen, Schraubenzieher – und an der Wand die Aufforderung: „Bitte zerlegen, zerschmettern oder zerreißen Sie Ihren Gegenstand.“ Nun steht man da mit seiner Videokamera, Baujahr circa 1981. Erstaunlich stabil, so ein Gerät. Aber die Aufforderung ist unmissverständlich. 

Verblüffend, wie viele Einzelteile in so einer Kamera verbaut sind. Während nebenan offenbar jemand lustvoll eine Porzellanfigur zerdeppert, ist hier Feinarbeit angezeigt. Ein latent schlechtes Gewissen begleitet die gewaltsame Dekonstruktion. Und der Gedanke an den moralischen Verschleiß technischer Geräte. Aber am Ende hat sich das einstige Hightech-Stück in einen Haufen Einzelteile auf einem Tablett verwandelt, mit dem die Trümmer in den zweiten Raum gebracht werden sollen.

Es würde eine zentrale Pointe von McIntoshs Arbeit zerstören, an dieser Stelle zu erzählen, was dort geschieht. Es hat, das sei verraten, mit Rekonstruktion zu tun – und es ist auch ein sozialerer Akt als die solitäre Zerstörung. Bevor dann einem dritten Raum tatsächlich im herkömmlicheren Sinne – kaum zu glauben – ganz wunderbare Kunst daraus wird.

Mitmachen:

Samstag und Sonntag ab 12 Uhr, Schwankhalle.

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