Ludwig II und Richard Wagner bei den Bremer Philharmonikern

Der Märchenkönig und seine Künstler

Wunderbare Stimme zu leise: Lioba Braun
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Wunderbare Stimme zu leise: Lioba Braun

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Die Bremer Philharmoniker zeigen mit ihren jährlichen dreitägigen Festivals immer neue Zusammenhänge. Diesmal haben sie sich Ludwig II von Bayern vorgenommen, ohne den in der Musikgeschichte wahrscheinlich manches anders verlaufen wäre. Als 15-Jähriger hatte er „Lohengrin“ von Richard Wagner gehört.

Und bezahlte dessen Schulden, finanzierte zahlreiche Aufführungen und die Gründung von Bayreuth. Um den königlichen Träumer, der auch das berühmte Schloss Neuschwanstein bauen ließ und 1886 als geisteskrank entmündigt wurde, ranken sich Legenden und Verehrungen durch Künstler wie Anton Bruckner, der Ludwig seine siebte Sinfonie widmete. Die steht morgen auf dem Programm. In Ludwigs Umfeld wurde Markus Poschner fündig, in Freundschafts- und Verwandtenkreisen: Da gab es den komponierenden Dirigenten Hans von Bülow, den ersten Mann von Cosima Wagner, da gab es deren Vater Franz Liszt. Dann wissen wir von der unerwiderten Liebe zu der Frau des Seidenfabrikanten Otto Wesendonck, Mathilde. Und zeitgenössische Komponisten haben sich dem „Märchenkönig“ gewidmet: so Franz Hummel mit dem Musical „Sehnsucht nach dem Paradies“ (2006) und Enjott Schneider mit dem Epitaph „Ewig Rätsel will ich bleiben“ (2011).

Das ist originell kombiniert, manches enttäuscht allerdings dann doch ein wenig. Im ersten Konzert am Sonntag berauscht das unsterbliche „Siegfried-Idyll“, das Wagner seiner Frau Cosima zum Geburtstag schrieb. Erneut erweisen sich die Bremer Philharmoniker unter Markus Poschner als überragende Wagner-Interpreten: mit riesigen Crescendi, die so stringent und unerbittlich nach vorne ziehen, der kammermusikalischen Durchsichtigkeit und dem regelrechten Leuchten der Bläser. Die Wiedergabe der Wesendonck-Lieder – in der kongenialen Orchesterfassung von Hans-Werner Henze – gelingt atmosphärisch dicht, leidet aber unter der Unverständlichkeit der Texte. Abgedruckt im Programm sind sie nicht, und die wunderbare Stimme von Lioba Braun scheint im Orchester zu verschwinden.

Enjott Schneiders Werk für Englischhorn solo, Fagott und Streicher montiert auf anachronistische Weise Motive von Wagner, kann aber trotz betörend gespielter Farben des Englischhorns (Andrew Malcolm) kaum überzeugen. Da stellt sich die Frage, ob man nicht in der Qualitätskontrolle der ja so richtig gefundenen Werke nicht doch ein wenig strenger sein sollte. Ein kleines Juwel allerdings ist „Am Grabe Richard Wagners“ des Schwiegervaters Franz Liszt, der mit seinem kargen, ausgedünnten Spätstil nicht nur hier einen neuen kompositorischen Weg eingeschlagen hat: wunderschöne Atmosphäre und meisterhaft gespielt.

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