Etwas zu locker vom Hocker

Die Bremer Glocke präsentiert „MIKIs Takeover! Ensemble“ mit Joy Denalane

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Joy Denalane und das MIKIs Takeover! Ensemble – echte Profis bei der Arbeit. 

Bremen – Sie wurde vom „Focus“ als „Queen of German Soul“ bezeichnet, er ist hauptberuflich Erster Konzertmeister beim Symphonieorchester Bergen, aber gleichzeitig auch Leiter und Begründer des „Takeover! Ensembles“. Die Rede ist von der Sängerin Joy Denalane und dem Geiger Mihalj Kekenj, die am Dienstag zu einem bemerkenswerten Konzert in der Bremer Glocke zusammenfanden.

Das „Takeover! Ensemble“ ist darauf spezialisiert, die Songs von Künstlern aus der Szene von Soul, Pop oder Hip-Hop in ein neues, kammermusikalisches Gewand zu tauchen, um so eine Fusion von Klassik und Pop zu erreichen. Das Konzept erweist sich seit einigen Jahren als sehr erfolgreich und hat sich bereits mit Künstlern wie Max Mutzke, Frida Gold oder Maxim bewährt. Zum „Takeover! Ensemble“ gehören neben Mihalj Kekenj (Violine) auch Marlies Klumpenaar (Klarinette), Maryana Brodskaya (Klavier), Markus Beul (Violoncello) und Max Dommers (Kontrabass) – alles ausgezeichnete und bestens aufeinander eingespielte Musiker.

Ganz klassisch beginnt das Konzert, mit der Elegie aus dem Trio für Klavier, Violine und Violoncello Nr. 1 d-moll op. 32 von Anton Arensky. Das erweist sich als eine gute Wahl, weil das Stück mit seiner schönen, liedhaften Melodie und der verhangenen Melancholie gut auf den Abend einstimmt. Denn es sind oft besinnliche, nachdenkliche Töne, die Joy Denalane in ihren Liedern beschwört. Ihre klare und unverwechselbare Stimme wird durch die geschmackvollen, oft geradezu schwelgerischen oder auch pfiffigen Arrangements von Mihalj Kekenj wie in Samt gebettet. Die Kombination von einer sehr kontrolliert geführten Soul-Stimme mit einem Kammermusikensemble funktioniert perfekt. Sieben der insgesamt elf Lieder, die Joy Denalane präsentiert, entstammen ihrem letzten Album „Gleisdreieck“.

Eindringlich und mit schönen Aufgaben für die Klarinette und das Klavier erklingt die Ballade „Ich bereue nichts“, in schlichtem Ton kommt die chansonartige „Stadt“ daher. Etwas mehr Tempo kommt bei dem jubilierenden „Alles leuchtet nur für dich“ auf, bei dem sogar das Publikum zum Mitsingen animiert wird. Sehr neckisch und liebevoll wird mit „Ellie Lou“ eine Hommage an ihre Nichte zelebriert. Der Witz und der Charme dieses Liedes finden in dem humorvollen Arrangement ihren Widerhall. Auch sehr persönliche Empfindungen, etwa bei „Zu Hause“, das sie ihrem Vater widmet, offenbart die Sängerin.

Ein besonderes Glanzstück gelingt bei dem Lied „Geh jetzt“: Die Pianistin Maryana Brodskaya intoniert zunächst das Adagio aus der „Mondscheinsonate“ von Ludwig van Beethoven, das nahtlos in den von Delanane sehr emotional gestalteten Song übergeht, um dann wieder bei Beethoven zu landen.

Denalane sitzt während des gesamten Konzerts mit ihrer wallenden Mähne lässig auf einem Hocker, nur bei „Was auch immer“ stehen sie und das Publikum auf, warum auch immer. Zwischen den Liedern plaudern sie und Kekenj unverkrampft über sich, ihre Zusammenarbeit und viele andere Dinge. Das ist zwar sympathisch, aber so „locker vom Hocker“ passt eher in die Atmosphäre eines intimen Club-Konzerts. Hier ist es etwas zu viel des Guten. Aber mit dieser Lockerheit überspielen sie auch souverän einen kurzen Ausfall der Mikrofone bei „Heaven Or Hell“. Hier sind eben Profis am Werk. Und bei der Zugabe, einer Wiederholung von „Alles leuchtet“, kann man nochmals die Kraft und die Ausstrahlung von Joy Denalanes Stimme bewundern.

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