Literarische Woche dreht sich um Herkunft und Identität

Die Sache mit der Heimat

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Auch Gartenhäuschen gehören für manch einen Zeitgenossen zur Heimat.

Bremen - Von Rolf Stein. Die ersten beiden Schlagzeilen im Spiegel-Online-Newsletter lauteten gestern: „Deutsche Wirtschaft wächst um 2,2 Prozent“ und „Tarifbeschäftigte machen nur Mini-Plus“. Das Programm der diesjährigen Literarischen Woche, die traditionell um die Verleihung des Bremer Literaturpreises herum stattfindet und gestern bekannt gegeben wurde, lautet: „Identität und Herkunft“.

Was das miteinander zu tun hat? Gar nicht wenig. Schon, dass der politische Diskurs um Begriffe wie Heimat mittlerweile auch aus SPD-Kreisen aufgegriffen wurde, traditionell eher zuständig für das ökonomische Vor- wenn schon nicht Vorankommen der arbeitenden Bevölkerung, ist dafür ein Indiz. Es geht auf der politischen Seite in diesem Sinne um den positiven Bezug auf die ebenfalls politische Heimat der Menschen, die gemeinsam den Wirtschaftsstandort voranbringen sollen.

Dass es freilich auch kritische Positionen dazu gibt, erklärt sich nicht zuletzt aus den inneren Widersprüchen einer Gesellschaft wie der unseren. „Als Relation zwischen zwei gegebenen Größen bedeutet Identität die völlige Übereinstimmung“, sagt die Wikipedia. Und genau diese Übereinstimmung ist natürlich strittig. Man schaue sich nur an, was beispielsweise Angehörige der Identitären Bewegung zur Sache zu sagen haben, die das Heil in der Abgrenzung suchen und hierfür in sich geschlossene Volksgemeinschaften behaupten. Was bei näherer Betrachtung freilich kaum haltbar ist.

In der Literatur, so die Diagnose des für die jährliche Literarische Woche in Bremen zuständigen Kuratoriums, spielt der Themenkomplex derzeit ebenfalls eine verstärkte Rolle, wenngleich nicht zwingend mit dem gleichen diskursiven Horizont. Und – ein Zufall, betont Barbara Lison von der Bremer Stadtbibliothek – auch der Träger des diesjährigen Bremer Literaturpreises, Thomas Lehr, umkreist in seinem ausgezeichneten, wenngleich durchaus kontrovers aufgenommenen Werk „Schlafende Sonne“ Fragen von Herkunft, indem es das vergangene Jahrhundert auf ganz eigene Weise zu durchdringen sucht.

Dass das Programm der Literarischen Woche von der Stadtbibliothek schon traditionell mit Partnern wie dem Institut Francais und dem Instituto Cervantes ausgerichtet wird, dürfte schon allein verhindern, dass die Diskussionen im deutschen Saft kochen. Interkontinental erweitert in diesem Jahr erstmal das Konfuzius-Institut die Debatte um eine interkontinentale Komponente.

Pointiert kündigen die Veranstalter am Beispiel von Lucas Vogelsang den thematischen Rahmen dessen an, was da zu erwarten ist: „Vietnamesen, die Zuwanderern Deutsch beibringen, Türken, die auf die Mittagsruhe pochen, Iraner, die ihre Gartenzwerge bemalen, oder ein Politiker mit palästinensischen Wurzeln, der dem Stammtisch erklärt, was Deutschsein heute bedeutet.“

In diesem dürfte die Literarische Woche einige Gewissheiten erschüttern.

Und wie jedes Jahr tut sie das nicht nur in Form von Lesungen und Gesprächen, sondern auch mit Filmen, einer Ausstellung, Workshops und Performances. Bremer müssen dabei nicht allein zuhören. Eine offene Bühne, ausgerichtet vom Bremer Literaturkontor bietet allen interessierten und ambitionierten Menschen einen Ort, eigene Text vorzutragen.

Das gesamte Programm finden Sie im Internet unter www.literarische-woche.de

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