Gerichtsbeschluss zur Lila Eule: Anwohner-Anwalt kündigt Beschwerde an

„Wir wissen nicht, was wir noch tun sollen“

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Die Lila Eule in der Bernhardstraße in Bremen.

Bremen – Von Pascal Faltermann.  Die Lila Eule darf in der Nacht von Donnerstag auf Freitag weiter die Studentennacht veranstalten und durchgehend öffnen. Das hat das Verwaltungsgericht in der vergangenen Woche in einem vorläufigen Beschluss festgelegt. Doch die Situation bleibt verfahren.

Erstmals äußern sich nun die Eule-Betreiber, Michael Pietsch und Fuat Ates ausführlich. Sie verweisen auf den kulturellen Wert des Clubs und das, was sie gemeinsam mit Anwohnern gegen Lärm und Müll unternommen haben. Der Anwalt Andreas Reich, der die klagende Anwohnerin vertritt, widerspricht, will Beschwerde gegen den Beschluss einlegen und notfalls auch einen Antrag an die Baubehörde stellen.

Ates und Pietsch freuen sich, dass das Verwaltungsgericht Bremen die Aufhebung der Sperrzeit für den Donnerstag bestätigte. Sie ahnen aber, dass dies noch nicht das Ende ist. Im Gespräch zeigen die beiden auf, welche Bemühungen sie angestrengt haben. Protokolle von Anwohnerversammlungen belegen, dass es seit Jahren einen Dialog mit Nachbarn gibt. Die Betreiber verweisen auf Vorkehrungen wie aufgestellte Abfallbehälter, Umbauarbeiten und dass ihre Türsteher dazu angehalten sind, vor dem Laden für Ruhe zu sorgen und Ruhestörer nicht in die Eule zu lassen. Außerdem sei die Musikanlage von einem Gutachter schalltechnisch gemessen und mit eingebautem Pegelbegrenzer verplombt worden. Einen höheren fünfstelligen Betrag haben die Betreiber nach eigenen Angaben in zahlreiche Maßnahmen gesteckt. Konzerte gibt es in der Eule unter der Woche nur sehr selten, die meisten stehen freitags und samstags im Kalender. „Wir wissen nicht, was wir noch tun sollen“, sagt Ates. Sein Mitstreiter Pietsch ergänzt: „Wir sind eingeschränkt in unserem Live- und Veranstaltungsprogramm. Wir können nicht noch weniger machen.“

Eine Veranstaltungsreihe ist bereits gestorben: Jeden ersten Mittwoch im Monat gab es bis 23 Uhr einen Jazzabend, mit Musikern der Bremer Musikhochschule, der unverstärkt und mit freiem Eintritt war. Aufgrund der Konzertauflagen musste dieser im Sommer 2014 eingestellt werden.

Der Beschluss des Verwaltungsgerichtes befasst sich mit zwei Anträgen der Beschwerdeführerin. Der Eilantrag der Nachbarin, gegen die Sperrzeit-Aufhebung für die Nächte von Donnerstag auf Freitag, wurde vom Gericht abgelehnt. In der Begründung heißt es dazu, dass die Antragstellerin nicht hinreichend dargelegt habe, dass sie „trotz der Einmessung der Musikanlage unzumutbaren Lärmimmissionen ausgesetzt sei“. Darauf weisen auch die Betreiber der Lila Eule immer wieder hin. Sie hatten einen staatlich anerkannten Akustik-Ingenieur beauftragt, der Messungen in der Wohnung über der Eule und davor durchführte. Die Klägerin habe diese Messungen abgelehnt. Anwalt Reich erklärt: „Es war kein öffentlich beauftragter Gutachter, formelle Sachen wurden dabei nicht eingehalten.“ Nicolai Rosin, Anwalt der Eule-Gesellschafter, bleibt in dieser Hinsicht gelassen: „Wir sind nicht bange, dass neue Messungen andere Ergebnisse liefern könnten, als die unseres Gutachters.“ Vielmehr stört ihn, dass unsachlich und polemisch argumentiert werde.

Der zweite Antrag der Beschwerdeführerin bezieht sich auf die Änderung einer Auflage für das Veranstalten von Konzerten. Damit hatte die Nachbarin Erfolg, da laut Gericht für die Konzerte keine Grenzwerte für die zumutbaren Lärmbelästigung festgelegt wurden. Dazu sollen nun vom Stadtamt Immissionswerte bestimmt werden. Wie sich diese dann auf Konzerte auswirken, ist derzeit unklar.

„Die Betreiber der Lila Eule wollten ihr Programm ausweiten“, sagt Anwohner-Anwalt Andreas Reich. Deswegen sei er mit diesem Teil der Entscheidung zufrieden. Ab 22 Uhr müsse die Musik gedrosselt sein. Gegen die Entscheidung die Sperrzeit donnerstags weiter aufzuheben, wolle er aber Beschwerde einlegen. Auch einen Antrag bei der Baubehörde, der die Baugenehmigung der Eule überprüfen soll, ist angedacht. Club-Anwalt Rosin glaubt nicht, dass eine Beschwerde gegen den Gerichtsbeschluss etwas bringe: „Sie wird das Grundproblem, dass es einer Nachbarin zu laut ist, nicht lösen können.“ Bis das Hauptverfahren beendet ist, kann es übrigens noch bis zu einem Jahr dauern.

„Die Lila Eule ist nicht nur mein Laden, sondern ein Club Bremens“, sagt Fuat Ates. "Wir als Betreiber sind vergänglich, die Eule wird weiterleben." Sie gehöre zum Kulturerbe Bremens. Seit den 60ern habe es eine offene Bühne für Musiker, vor allem Jazzer, und zahlreiche Konzerte gegeben. Am 1. Januar 1965 wurde die Lila Eule in der Bernhardstraße 10-11 eingeweiht. Davor war sie drei Jahre geschlossen und vom 27. Dezember 1959 bis 3. Januar 1961 am Brill, im Keller eines Trümmergrundstücks in der Langenstraße, beheimatet. Für Jazzgrößen wie Chris Barber, Jan Gabarek, Gäste wie Sven Regener, Bruno Ganz oder Rudi Dutschke (27. November 1967) war die Eule ein Anlaufpunkt. 2009 übernahmen Ates und Pietsch als Geschäftsführer den Laden.

„Seit 2010 wird keine Rücksicht auf die Anwohner genommen, sie gehen den Beschwerden nicht nach“, sagt Reich. Seine Mandantin wohne seit Jahrzehnten dort. Genau das wissen auch die Clubbetreiber Pietsch und Ates. "Es sind meist die, die nicht so werden wollten wie ihre Eltern, die der nachfolgenden Generation nicht das zugestehen wollen, was sie sich früher genommen haben", so Pietsch. Beide erinnern daran, dass sich die Klägerin an allen Anwohnerversammlungen beteiligte. 

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