Mit dem Ensemble der Sängerin Schné begann am Samstagabend das GartenKultur-Musikfestival in Lemwerder

Lieder unter Bäumen

Von wegen Winter: „Schné“ fügte sich am Samstag in den lauen Sommerabend ein.

Von Wilfried HippenLEMWERDER (Eig. Ber.) · Zur Zeit ist das Wetter ideal für Veranstaltungen unter freiem Himmel, und so ist bei den großen Konzertveranstaltern gerade die Open-Air-Saison im vollen Gange.

Aber auch im bescheideneren Rahmen sind die Organisatoren gut beraten, wenn sie die Hallen und Säle meiden und statt dessen alternative Orte für Konzerte und andere Aufführungen bespielen. Aus diesem Grund hat der Kommunalverbund Niedersachsen/Bremen eine Reihe von Konzerten organisiert, die in idyllischen Gartenanlagen stattfinden.

Zwischen Schwanewede und Asendorf, Worpswede und Wildeshausen werden in den nächsten vier Wochen Jazz, Blues, Gospel und klassische Musik in Parks, Museumsanlagen, einem Rittergut und den Höfen von privaten Förderern zu hören sein. Dort kann sich das Publikum in den Pausen, vorher oder nachher „im Garten ergehen“. So formulierte es am Samstagabend jedenfalls Jochen Beckmann, der Bürgermeister von Lemwerder in seiner Grußadresse zum ersten Konzert der Reihe in der Begegnungsstätte BEGU, die eine kleine idyllische Gartenanlage mit Wasserlauf und Spielgeräten besitzt. Im Innenhof saßen dort etwa 170 Gäste (natürlich auf Garten stühlen), von denen viele sonst wohl kaum zu einem gemischten Chanson- und Jazzabend gegangen wären. Von Großmüttern bis zu kleinen Enkelkindern war hier ein repräsentativ wirkender Querschnitt der Ortsbewohner erschienen – wohl auch, weil Verwandte und Bekannte einiger der in der Umgegend lebenden Musiker gekommen waren.

Entgegen den Assoziationen, die der Künstlername der Sängerin weckt, spielte „Schné“ eine Musik, die ideal zu dem lauen Sommerabend passte. „New acoustic music“ nennen sie selber die Mischung aus Chansons, Popballaden, Vertonungen von Gedichten und Jazzarrangements, die das Ensemble mit der Instrumentierung Akkordeon, Geige/Gitarre, Bass/Mandoline, Piano und Perkussion spielt. Dabei entstehen durch die Kombination von Akkordeon und Geige fast schon zwangsläufig Tangostimmungen, die das Ensemble zwar süffig ausspielt, aber dann doch eher sparsam einsetzt. Dagegen ist während des Auftritts der Ehrgeiz der Musiker spürbar, eine möglicht breite Palette von Musikstilen zu präsentieren.

Die Sängerin Schné interpretiert so französische Texte, wenn die Musik in die Richtung des gepflegten Chansons gibt und wechselt immer dann ins Englische, wenn Komposition und Rhythmus eher in die Richtung von Popsongs driften. Auf Deutsch singt sie dagegen keine eigenen Texte, sondern Vertonungen einiger Gedichte von Erich Kästner („Sachliche Romanze“) und Bertolt Brecht („Das Lied vom kleinen Wind“). Bei diesem Stilcocktail ist auch noch Platz für einen kleinen Raggae und eine textlich nicht ganz jugendfreie Träumerin des Violinisten Ingo Höricht, der die meisten der Stücke komponiert und arrangiert hat. Die Sängerin Schné überzeugt dadurch, dass sie all diese Genres und Stimmungen mit der gleichen stimmlichen Sicherheit und emotioneller Glaubwürdigkeit interpretiert.

Was fehlt, ist (noch?) ein eigener Ton, den man vom ersten Ton an wiedererkennt: Jene Verschmelzung von Persönlichkeit und Stimme, die alle großen Vokalisten auszeichnet. Solch einen eigenen Stil hat dagegen schon lange der Pianist Michael Berger, inzwischen ein Veteran der Bremer Jazzszene, der fast jeden Song des Auftritts mit einem inspirierten und wohldurchdachten Solo veredelt. Und genau passend für ein Konzert im Garten, setzt manchmal das Rauschen der Bäume die Kontrapunkte.

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