Lieder von „Element of Crime“ am Theater Bremen

Beim Lachen tut‘s weh

Eingekeilt zwischen Haustür und Herd: Siegfried W. Maschek sucht nach der großen Liebe.
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Eingekeilt zwischen Haustür und Herd: Siegfried W. Maschek sucht nach der großen Liebe.

Bremen - Von Johannes Bruggaier. Lange nichts mehr von „Element of Crime“ gehört. In den späten neunziger Jahren war die Band mit ihren schwermütigen Texten und elegischen Harmonien nahezu täglich im Rundfunk präsent. Nach der Jahrtausendwende machte dann Frontmann Sven Regener mit Buch- und Filmprojekten auf sich aufmerksam.

Insbesondere sein Bremen-Roman „Neue Vahr Süd“ sollte ihm in unserer Region auf Jahre hinaus so etwas wie den Status eines Heimatidols sichern. Vielleicht war es da nur eine Frage der Zeit, bis sein Liedgut nach Jahren im Radio endlich auch einmal im Bremer Theater eine Würdigung erfährt. „Jetzt musst du springen“ lautete der Titel dieses Liederabends, der am Sonntag im Kleinen Haus Premiere feierte.

28 Songs hat Regisseur Frank Abt zusammengetragen. Die meisten stammen aus den neunziger Jahren, aber auch neueres Material aus dem letzten, 2009 erschienenen Album ist auf der Liste zu finden. Gesungen wird zumeist in oder um eine fragmentarisch angedeutete Junggesellenwohnung herum: ein Bett, ein Tisch, ein Herd. Und eine Haustür, vor welcher ein verzagter Siegfried W. Maschek steht. „Was mach ich bloß, dass du mich einmal ansprichst? Was mach ich bloß, dass du mich mal berührst?“, singt er leise vor sich hin und blickt dabei verstohlen zu Gabriele Möller-Lukasz ins Publikum. Kaum legt er seine Hand auf die Türklinke, um sich in sein einsames Heim zu verkriechen, spricht ihn von links der junge Nachbar, Peter Fasching, an. „Jetzt endlich weißt du, dass deine Eltern nur dich zeugten, damit du hier wie ein Vollidiot fröstelnd und ohne Not über allem stehst und nicht vorwärts gehst“, erklärt ihm dieser die Lage. Sein Lösungsvorschlag: „Jetzt musst du springen!“

Maschek springt nicht. Dafür lässt uns der junge Nachbar wenig später an seinem Beziehungsalltag teilhaben. Gemeinsam am Frühstückstisch mit seiner zeitunglesenden Freundin (Karin Enzler), die sich für die Bio-Trauben im Angebot („Nur 99 Cent!“) interessiert, fürs Horoskop und Kinderyoga. Während ihr Gesprächspartner mit seinen Gedanken sichtlich woanders weilt: „Heute wird wohl kein Schiff mehr gehn…“

Es sind Miniaturen des Alltags, die Abt auf diese Weise kreiert. Nicht immer fügen sie sich zu einer schlüssigen Geschichte, doch jede für sich birgt eine jener kleinen Tragödien, die unser Leben täglich aufs Neue erzählt. Das vergebliche Ringen um Worte beim Rendezvous. Die enttäuschten Erwartungen in den Ehepartner. Oder das Verzweifeln an der eigenen Trägheit.

Das ist ergreifend ernst, so bei Peter Fasching, der in „Du hast die Wahl“ an der unbändigen Sehnsucht des Menschen nach Zweisamkeit leidet. Es ist meistens aber ironisch leicht, etwa wenn Gabriele Möller-Lukasz ihren Geliebten (Maschek) mit masochistischen Fantasien („Sperr mich ein, ich will von dir verhaftet sein!“) bedrängt. So lange, bis er sie tatsächlich am Arm packt: Manches, was in luftigen Vorstellungen noch begehrenswert erscheint, verliert in der harten Wirklichkeit seinen Charme.

Für das kleine Kammermusical selbst freilich gilt das an diesem Abend keineswegs, was neben den raffinierten szenischen Setzungen auch an der musikalischen Gestaltung liegt. Neben den stimmlich allesamt überzeugenden Mitgliedern des Schauspielensembles sorgt nämlich Gitarrist und Sänger Andy Einhorn (im Zusammenspiel mit Torsten Kindermann) für den klassisch rauen Sven-Regener-Sound. Dem dürfte der Abend durchaus gefallen, atmet er doch die für „Element of Crime“ typische sanft mokante Melancholie.

Die scheint sich im Bremer Theater am Ende in eine fröhliche Gartenparty mit Musik, Bier und viel Gelächter aufzulösen. Bis Siegfried Maschek sich mitten im Gelächter besinnt, die Bierflasche nachdenklich auf den Boden stellt und erklärt: „Nur wenn ich lachen muss, tut es noch weh.“ Vorhang.

Kommende Vorstellungen: am 28. September und 5. Oktober, um 18.30 Uhr, sowie am 17. und 23. Oktober, jeweils um 20 Uhr im Theater Bremen.

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