Carolin No spielt im Sendesaal Bremen

Ein Liebeslied fürs Deutschbuch

Verliebt wie Barbie und Ken: Carolin No veröffentlichen im Mai ihr neues Studioalbum. - Foto: Thorsten Wingenfelder

Bremen - Robin und Marian, Tarzan und Jane, Barbie und Ken: Möchte nicht jedes Pärchen so sein wie sie? Fast schon unnatürlich glücklich, bis ans Lebensende ineinander verliebt und dann auch noch ziemlich attraktiv. Ein Traum, findet offenbar auch das Singer-Songwriter-Duo Carolin No, das diesen und einigen weiteren Paaren mit dem „3 Minute Song“ ein musikalisches Denkmal gesetzt hat.

Eine Hommage, die es am Donnerstagabend zu hören gibt. Bereits zum dritten Mal spielen die beiden Musiker, die sich 1999 während ihres Studiums in Würzburg kennenlernten und seit 2008 verheiratet sind, im ehemaligen Sendesaal von Radio Bremen. Vom Süden der Republik in die Hansestadt: Das Ehepaar, das von einem Schlagzeuger und einem Cellisten unterstützt wird, nutzt diese Gelegenheit, um seine neue Platte „Ehrlich gesagt“ vorzustellen. Ein Studioalbum, das durchaus eine Zäsur im Werk des Duos darstellt. Sicher, es gab bereits vorher Lieder auf Deutsch, aber nun erscheint erstmals eine Scheibe komplett in ihrer Muttersprache.

Das war’s dann aber auch mit den Änderungen; die für Carolin (auch Caro genannt) und Andi Obiego so charakteristische Symbiose aus federleichter Lebensfreude und drückender Melancholie ist geblieben. Und so gibt es sie auch im intimen Setting des vergleichsweise kleinen Sendesaals: Jene zunächst unscheinbar anmutenden, äußert schlichten Texte, die sich an die Melodien schmiegen und ihre wirkliche Wucht erst beim zweiten Hören entwickeln. Ein Beispiel dafür ist der Song „Ehrlich gesagt“, eine durchaus kritische Zwischenbilanz unserer Gesellschaft, die wie ein x-beliebiger Popsong daherkommt. Tatsächlich aber ist es ein offensives Eingeständnis des eigenen Scheiterns, bringt es der Ich-Erzähler doch einfach nicht fertig, sich für irgendetwas zu interessieren. Nicht einmal für das eigene Leben. Verantwortung übernehmen, eine Haltung zu wichtigen Themen entwickeln? Fehlanzeige! Das würde auch viel zu viel Energie kosten.

Eine Abrechnung, die Carolin Obiego mit federleichter Stimme vorträgt, ohne dabei die nötige Intensität vermissen zu lassen, während sie die drei Musiker und weitere Instrumente aus dem Computer begleiten. Das ist durchaus poppig, aber dennoch nicht belanglos, was auch an den fabelhaft ausbalancierten Harmonien liegt. Der Zuhörer merkt an jeder Note dieses eigenwilligen Soundgemisches aus Jazz, Blues, Gospel, Pop und Country, dass er es mit ausgebildeten Musikern zu tun hat – und dass leicht nicht zwangsläufig seicht bedeutet.

Es geht aber nicht nur darum, das neue Album zu bewerben, das am 13. Mai in die Läden kommt. Carolin No nutzen die Gelegenheit, ihr bisheriges Schaffen Revue passieren zu lassen – allerdings in klanglich deutlich reduzierter Form. Bereits seit dem vergangenen Jahr haben sich die beiden Musiker nämlich auf ihre Anfänge besonnen und treten unter der Überschrift „Duokonzert“ auf. Ein Titel, der eine Konzentration auf die Melodien und Caros Stimme bedeutet, hauptsächlich vom instrumentalen Tausendsassa Andi Obiego begleitet. Ganz ohne Computer, nur mit Gitarre und Trommel erhalten die bis ins kleinste Detail klangschönen Kompositionen viel Raum zur Entfaltung. Der Höhepunkt des etwas mehr als zweistündigen Konzertes, das im April übrigens im Deutschlandradio zu hören ist.

So auch „Love Song“, ein klassisches Liebeslied, das glücklicherweise ohne allzu viel Kitsch auskommt und zumindest in Bayern bald zum Allgemeinwissen gehören dürfte. Dort steht es nämlich mittlerweile in den Deutschbüchern der neunten Realschulklassen, die sich mittels Interpretation und Übersetzung durch den Text quälen dürfen. Andi Obiego freut’s – die Schüler vermutlich eher weniger.

Carolin No sind auch nach zehn veröffentlichten Alben noch so etwas wie ein Geheimtipp. So unverständlich das auch sein mag, hat es auch sein Gutes: Auf diese Weise ist der Sendesaal mit seiner hervorragenden Akustik immer noch groß genug.

Eine weitere Chance, Carolin No zu hören, gibt es am 18. April. Dann sendet Deutschlandradio Kultur ab 20.03 Uhr einen Mitschnitt des Konzerts im Sendesaal.

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