Katalog dokumentiert Sammlung des Zentrums für internationale Lichtkunst Unna

Auf Lichtspuren durch Kellergewölbe

Mischa Kuball: „Space – Speech – Speed“. ·
+
Mischa Kuball: „Space – Speech – Speed“. ·

Von Rainer BeßlingUNNA/KÖLN · Der Raum ist riesig: neun Meter hoch, sechs Meter breit, 18 Meter lang. Diaprojektoren werfen Wörter auf Spiegelkugeln: „Space – Speech – Speed“.

Die „Raum“- und „Rede“-Kugeln drehen sich unterschiedlich schnell. „Geschwindigkeit“ steht still. Die Kugeln werfen Schattenkreise, von fliegenden Buchstabenteilen umgeben. Die Wörter verbreiten sich auf der einen Seite der Kugeln fragmentarisch im Raum, auf der anderen erscheinen sie wie von einem magischen Magnetismus gebündelt. Mischa Kuball veranschaulicht in seiner Installation Charakteristika des Lichts: Es strahlt an und macht sichtbar, und es überstrahlt und macht unkenntlich. Zugleich fordert der Düsseldorfer Künstler den Besucher heraus, Worte zusammenzufügen, somit Ordnung zu schaffen und Sinn zu stiften.

Der Raum mit Kuballs irrlichternder Arbeit liegt unter der Erde. Er gehört zu einem einzigartigen Ausstellungsparcours, der herausragende Werke prominenter Gegenwartskünstler zeigt. Das „Zentrum für internationale Lichtkunst“ im westfälischen Unna ist das einzige Museum weltweit, das sich ausschließlich dieser noch jungen Gattung widmet. In den Kellergewölben einer ehemaligen Brauerei finden „die Rembrandts und van Goghs der Lichtkunst“, wie Museumsleiter John Jaspers die Exponate bezeichnet, einen idealen Platz, der weit mehr ist als Kulisse. Die ehemaligen Gär- und Kühlkeller mit ihren unterschiedlichen Dimensionen, Strukturen und Atmosphären sprechen bei den von den Künstlern auf das Haus zugeschnittenen Werken mit. Hier steht der Besucher nicht in klassischer Weise vor Exponaten, sondern wird in Gängen, Sälen, Hallen und Nischen von Licht angezogen, geleitet, umschlossen.

Im Kölner Wienand-Verlag ist ein Sammlungskatalog erschienen, der in seinem hervorragenden Bildteil die Lichtraum-Erfahrungen in Unna nachvollziehen lässt. Selbst die körperliche Irritation, die „Floater 99“ von James Turrell mit der Entgrenzung des Raums durch Licht und Farbe hervorruft, ist spürbar. Mit prägnanten Beschreibungen zu Installationen unter anderem von Christina Kubisch, Rebecca Horn, Keith Sonnier, Olafur Eliasson oder Jan van Munster – 14 Arbeiten sind insgesamt verzeichnet – bietet die Publikation einen hervorragenden Überblick über Spitzenwerke der Lichtkunst.

Die Essenz des Lichts. Zentrum für internationale Lichtkunst Unna. Köln, Wienand Verlag, 140 Seiten, 29,50 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Karpfen werden umgesiedelt

Karpfen werden umgesiedelt

Impressionen vom Bremer Freimarkt 2021

Impressionen vom Bremer Freimarkt 2021

Dampftag im Kreismuseum

Dampftag im Kreismuseum

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Meistgelesene Artikel

Ein Theaterstück ohne Theater

Ein Theaterstück ohne Theater
Zehntausend strömen in Clubs, Kneipen und auf die Sielwallkreuzung

Zehntausend strömen in Clubs, Kneipen und auf die Sielwallkreuzung

Zehntausend strömen in Clubs, Kneipen und auf die Sielwallkreuzung
Liebe in Zeiten der Ironie: Für jede Erklärung eine kleine Schweinerei

Liebe in Zeiten der Ironie: Für jede Erklärung eine kleine Schweinerei

Liebe in Zeiten der Ironie: Für jede Erklärung eine kleine Schweinerei

Kommentare