Mit Leib und Seele

Bremer Konzertveranstalter Sean-Patric Braun ist tot

+
Sean-Patric Braun starb am 31.12.2017.

Bremen - Von Rolf Stein. Manchmal fragte Sean-Patric Braun an, so unter Kollegen, wie viele Leute wohl zu dieser oder jener Band auf ein Konzert in Bremen kommen würden. Vor vielen Jahren ging es einmal um die US-Band Blonde Redhead. Unsere Schätzungen lagen dabei nicht allzu weit auseinander. Eher zu wenig, da waren wir uns einig. „Ist ja egal, ich mach‘s ja sowieso“, schrieb er. Und er hielt Wort. Braun war mit Leib und Seele bei der Sache, sei es als Veranstalter, als Autor oder als DJ.

An Silvester starb der Bremer völlig unerwartet im Alter von 46 Jahren. Nur wenige Tage vorher hatte er noch bei dem Konzert der Hamburger Band „Liga der gewöhnlichen Gentlemen“ an der Kasse seine Gäste begrüßt. Sein Tod hinterlässt eine große Lücke, nicht nur in den Herzen seiner Freunde und Angehörigen, sondern auch im Musikleben der Region. Seit 2004 betrieb Braun mit Malte Prieser die Agentur Kogge-Pop, die mit Vorliebe Konzerte mit Künstlern veranstaltete, deren Namen eher in Insiderkreisen kursierten. Die Agentur holte CocoRosie nach Bremen, The Gossip, Holly Golightly, die japanische Avantgarde-Rock-Band Melt Banana, Future Islands, die Melvins; und auch als die legendären Doom-Jazzer Bohren & der Club of Gore im großen Saal des Schauburg-Kinos für ein paar Stunden die Zeit anhielten, steckte Sean-Patric Braun dahinter.

Ein Idealist durch und durch 

„Man kann nicht davon leben, Konzerte zu veranstalten, auch wenn das schön wäre“, sagte er dem Stadtmagazin „Prinz“ vor zehn Jahren. Und das habe zum Teil durchaus mit Bremen zu tun. „Die Leute sagen oft, hier passiere nichts, dabei gehen sie einfach nur nicht hin.“ Abgehalten hat ihn das nie. Lieber hat er dafür gesorgt, dass trotzdem was passiert. Erfolg, das zeigt die eingangs erzählte Anekdote, bemaß er, ganz Idealist, nicht in Mark oder Euro, nicht in Zuschauerzahlen.

Neben seiner Veranstalter-Tätigkeit, die er nach der Insolvenz von Kogge-Pop freiberuflich fortsetzte, betrieb er seine Liebe zur Musik in Wort und Klang als Autor, für den „Weser Kurier“, für die Stadtillustrierte „Bremer“, als Plattenverkäufer bei Ear Records, später als Redakteur des „Z-Magazins“ des Kulturzentrums Schlachthof, lange Jahre auch als DJ. In den vergangenen Jahren veranstaltete er regelmäßig in Hamburg Konzerte. Er wird fehlen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Löw-Team bucht EM-Ticket - "Sehr zufrieden"

Löw-Team bucht EM-Ticket - "Sehr zufrieden"

Jahrestag der Proteste: "Gelbwesten" demonstrieren in Paris

Jahrestag der Proteste: "Gelbwesten" demonstrieren in Paris

Baerbock und Habeck erneut an die Spitze der Grünen gewählt

Baerbock und Habeck erneut an die Spitze der Grünen gewählt

Jugendliche gestalten Volkstrauertag in Verden

Jugendliche gestalten Volkstrauertag in Verden

Meistgelesene Artikel

Im barocken Zaubertheater

Im barocken Zaubertheater

Wiedergänger mit Herz

Wiedergänger mit Herz

Wahn und Wirklichkeit

Wahn und Wirklichkeit

„Blechtrommel“ in Bremerhaven: Grass-Klassiker als gut geöltes Bildertheater

„Blechtrommel“ in Bremerhaven: Grass-Klassiker als gut geöltes Bildertheater

Kommentare