„Dem Unerklärlichen Gestalt geben“: Rückblick auf das Schaffen Ulrich Modersohns im Fischerhuder Otto-Modersohn-Museum

In der Lehre bei den Alten Meistern

Vitale Farbigkeit: Landschaftsbild von Ulrich Modersohn aus dem Jahr 1932. ·
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Vitale Farbigkeit: Landschaftsbild von Ulrich Modersohn aus dem Jahr 1932. ·

Fischerhude - Von Detlef VogesWelchen künstlerischen Weg hätte dieses Talent genommen? Die Frage drängt sich auf, wenn man das kurze Leben des Malers Ulrich Modersohn (1913-1943) betrachtet.

Der Sohn des berühmten Malers Otto Modersohn fiel 30-jährig in Russland. Er hinterlässt ein dichtes und spannungsreiches Werk, wie jetzt ein Ausstellung im Fischerhuder Otto-Modersohn-Museum zeigt. Bis zum 5. Januar sind Bilder und Zeichnungen Ulrich Modersohns aus Anlass seines 100. Geburtstages unter dem Titel „Ulrich Modersohn – dem Unerklärlichen Gestalt geben“ zu sehen. Die Präsentation dokumentiert malerische Vielfalt. Die zahlreichen Bilder sind in einem Zeitraum von nur neun Jahren entstanden, vom Studienbeginn an der Bremer Kunstgewerbeschule 1930 bis zum Kriegseintritt 1939.

Laudator Rainer Noeres zeichnete zur Ausstellungseröffnung das Bild eines ernsten, lyrisch gestimmten Menschen auf dem Weg zu einem eigenen Stil, mit dem er sich gegen das starke Vorbild des Vaters durchaus behaupten konnte. Von 1932 bis 1934 findet der junge Modersohn zu expressiven Formen nach Art der Brücke-Maler. Seine Stillleben sind von Farbkraft und Emotionalität geprägt.

Noch beeindruckender ist die Vitalität der Farben und Formen in seinen Landschaftsbildern. Besonderes in denen aus den Allgäuer Alpen. In Hindelang besitzen die Modersohns seit 1930 ein Haus. Ulrich Modersohns Motive von schneebedeckten Bergen setzen sich aus grünen und blauen Farbflächen zusammen. Fernab naturalistischer Malweise, verdichtet er Grundstimmungen und Gefühle zu kraftvollen Farbkompositionen mit abstrakten Ansätzen. 1934 geht der Fischerhuder nach München. Modersohn beginnt sein Studium an der Akademie. Er will von den Alten Meistern lernen. Bei Grünewald und Altdorfer sucht er künstlerische Vertiefung, bei den Holländern die Macht des Hell-Dunkel. Als er 1936 zurück nach Fischerhude in ein eigenes Atelier zieht, entstehen Fischerhuder Motive und Gebirgslandschaften in düsteren Farben. Ulrich Modersohn malt nun anders, altmeisterlich. Der expressive Duktus ist abgelöst von feinem Strich und geheimnisvoller Aura. Da sind Ähnlichkeiten zu Arbeiten von Richard Oelze zu sehen, der von 1945 bis 1962 in Worpswede lebte.

In Ulrich Modersohns Landschaftsbildern ab 1940 spiegelt sich der Krieg. Die Himmel drohen rötlich. Eine düstere Vorahnung steckt auch in zwei Selbstbildnissen von 1942. Die Farbpalette beschränkt sich auf dunkle Töne. Figur und Umgebung scheinen zu verschmelzen. Das Jahr 1943 wird zur familiären Tragödie. Am 10. März 1943 stirbt Otto Modersohn, am 14. Juli fällt sein Sohn Ulrich. Nur wenig später wird Ulrichs Nichte, die 21-jährige Cato Bontjes van Beek wegen Widerstands gegen das Dritte Reich in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Die Ausstellung macht diesen malerischen Bruch in den Bildern Ulrich Modersohns fast körperlich erfahrbar.

Ulrich habe die künstlerische Messlatte stets sehr hoch gehängt, sagt Antje Modersohn. Sie vermutet, dass die Phase des Träumerischen bei Ulrich Modersohn den Alten Meistern geschuldet ist. Die Ausstellung regt zur Überprüfung dieser These an.

Otto-Modersohn-Museum,

Fischerhude, bis 5. Januar 2014. Täglich 10-18 Uhr.

Eintritt: 5 Euro

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