Charles Lloyd zu Gast in Bremen

Legende im Sendesaal

Charles Lloyd bei der Arbeit. - Foto: www.charleslloyd.com

Bremen - Von Rolf Stein. Musiker dieses Kalibers kommen eher selten in die Region. Charles Lloyd, der am Montagabend mit seinem Quartett im Bremer Sendesaal gastierte, begann seine Profi-Laufbahn in den späten 50er-Jahren in Los Angeles, wo er neben seinem Studium in den Jazz-Clubs der Stadt mit Musikern wie Ornette Coleman, Charlie Haden, Eric Dolphy und Scott LaFaro auftrat, die nur wenige Jahre später die Jazz-Welt gründlich umkrempelten.

Den Schritt zum Free Jazz machte er schließlich nicht mit. Stattdessen experimentierte er schon früh mit Stilen anderer Kulturen. Sein Drang, Grenzen zu überwinden, führte ihn 1967 als einen der ersten amerikanischen Jazz-Musiker auf Tournee in die Sowjetunion – und schließlich auch dazu, die Musik zugunsten transzendentaler Meditation aufzugeben.

In den 80er-Jahren widmete er sich wieder verstärkt der Kunst und veröffentlicht bis heute regelmäßig Alben. Seine Neugier auf neue Zusammenarbeiten hat derweil nicht nachgelassen. So erschien vor fünf Jahren ein Live-Album mit der griechischen Sängerin Maria Farantouri; zwei Jahre später nahm er ein Album mit dem Überflieger-Pianisten Jason Moran auf. Und auf seinem aktuellen Album „I Long To See You“ sind unter anderem der Gitarrist Bill Frisell sowie Norah Jones und Willie Nelson zu hören.

Am Montag gab es Lloyd in eher puristischer, klassischer Besetzung zu erleben. Gerald Clayton am Piano, Reuben Rogers am Bass und Schlagzeuger Kendrick Scott sind dabei nicht nur so umsichtige wie erfindungsreiche Begleiter, sondern bekommen von Lloyd, der an Saxophon und Flöte zu hören ist, ausreichend Raum, um sich zu entfalten. Was Lloyd, der immerhin 78 Jahre alt ist, auch Gelegenheit zum Verschnaufen gibt.

Aber auch wenn Lloyd nicht mehr so kraftvoll zu blasen vermag wie einst, ist sein Spiel heute von betörender Süffigkeit und einem melodischem Reichtum, der sich natürlich auch in den Eigenkompositionen ausdrückt, die den Löwenanteil des Programms bildeten.

Nach einem etwas mehr als einstündigen Set gab es stehenden Applaus, die Musiker bedankten sich dafür mit zwei Zugaben.

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