Ein Auszug aus der Sammlung Antpöhler

Ein Leben im Zeichen der Kunst

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Im Zeichen der Kunst: Eine Arbeit von Hajo Antpöhler.

Bremen - Von Mareike Bannasch. 1957 war ein aufregendes Jahr für Hajo und Angelika Antpöhler: Nicht nur, weil sie sich im September auf Langeoog kennenlernten und bereits drei Wochen später verlobten. Die beiden legten damals mit einem Siebdruck von Karl Hartung auch den Grundstein für eine außerordentliche Kunstsammlung.

Über die kommenden Jahrzehnte trugen die Antpöhlers rund 1 300 Grafiken sowie 200 Gemälde, Objekte und Plastiken zusammen. Werke, die einen beeindruckendes Bild der Kunstgeschichte nach 1945 zeichnen, und seit dem Jahr 2010 der Kunsthalle Bremen gehören. Ab morgen ist eine Auswahl der Arbeiten, 65 an der Zahl, in der Ausstellung „,Unser Lehm ist der Kunz geweint‘. Sammlung Hajo und Angelika Antpöhler“ zu sehen.

Kuratiert hat die Schau Frank Laukötter, der nach stundenlangen Gesprächen mit Angelika Antpöhler (ihr Mann starb bereits im Jahr 2011) in fünf Räumen Werke des Informel, der Künstlergruppe Zero und Cobra zusammengetragen hat. Doch nicht nur das: Es sind auch Arbeiten des Minimalismus, der Pop Art, der sogenannten Spurensicherung - eine besondere Form der Konzeptkunst - sowie Bildhauerzeichnungen zu sehen. Eine breite Palette, die nicht nur aus ästhetischer Sicht überzeugt, sondern einmal mehr verdeutlicht, wie sehr die Sammlung Antpöhler von persönlichen Vorlieben und dem direkten Kontakt mit Künstlern beeinflusst wurde.

Ein Beispiel hierfür ist Erhart Mitzlaff. Hajo Antpöhler kannte den Fischerhuder Künstler seit 1954. Damals hatte er ihn gebeten, ihm Abstrakte Kunst näherzubringen. Mit diesem Bereich der darstellenden Kunst konnte der Anfang 20-Jährige nämlich nichts anfangen. Doch statt sich mit dieser Erkenntnis zufriedenzugeben, wollte der Bremer dazulernen - am besten von einem Kreativen selbst. Und auch wenn es keinen Vortrag im eigentlichen Sinne gab, entstand zwischen den beiden eine Freundschaft, die zu 30 Ankäufen führte.

Dazu zählt „Friedenshetzer“, ein Holzschnitt, in dem Mitzlaff mit in Rot, Weiß und Grün gehaltenen Begriffen wie „Angstmacher“, „Friedenshetzer“ und „Pazifisten“ seine Ablehnung des Nato-Doppelbeschlusses deutlich macht. Die Antpöhlers verbindet noch eine weitere Anekdote mit dem Fischerhuder: Sie gönnten sich 1958 als Hochzeitsgeschenk ein Werk von ihm. Und auch wenn die Arbeit nicht in der Kunsthalle zu sehen ist, ist diese Geschichte doch ein weiterer Beleg dafür, welch oftmals starken persönlichen Bezug die Bremer zu ihren gesammelten Werken haben.

Hajo Antpöhler war aber nicht nur Sammler, er war auch Künstler. In der Kunsthalle führen daher Foto-Prosa und poetische Arbeiten von ihm in die Schau ein. Werke, die durch einen feinen Sinn für Ironie bestechen und seine Sicht auf den Kunstbetrieb widerspiegeln.

So auch ein Papier, auf dem in dunklen Buchstaben der Satz steht: „Unser Lehm ist der Kunz geweint“. Grammatikalisch alles andere als korrekt, lässt sich hier eindeutig ein Bekenntnis zu einem Leben im Einklang mit der Kunst ablesen. Gepaart mit dem Verständnis, dass Kunst aus ihrem Elfenbeinturm heraustreten muss, damit auch Hinz und Kunz Zugang haben kann. Da aber diese Allgemeinheit die Aussage hinter der Arbeit nicht ohne Weiteres erkennen könnte, bietet sich für den Besuch der Schau in jedem Fall eine Führung an. Schon allein, um die vielen Anekdoten nicht zu verpassen.

Zum Angucken: Die Schau ist noch bis zum 2. Juni zu sehen.

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