Out Now Festival in der Schwankhalle

Langeweile in der VIP-Loge

Bremen - Von Mareike BannaschEnergisch fuchteln Hände durch die Luft. Der Geräuschpegel schwillt an. Die Sportlerin ist sich keiner Schuld bewusst. Der Schiedsrichter auch nicht. Das Spiel geht weiter.

Die typische Szene eines Fußballspiels. Eigentlich. Denn die Spielerin steht nicht im Flutlicht. Nicht mal auf Rasen. Als Untergrund dient in der Bremer Schwankhalle eine weiße Plastikplane.

Das macht aber nichts. Bei Zoë Knights und die sechs Tänzer des „Bodhi Project“ geht es am Mittwochabend nicht um die Atmosphäre im Stadion. Typische Sportbewegungen stehen im Vordergrund.

Und so wird gedrängelt was das Zeug hält. Einzelne Sportler gehen zu Boden, rollen verletzt hin und her. Nur um Sekunden später beschwingt durch den Strafraum zu hüpfen. War wohl doch nicht so schlimm.

Losgelöst von La-Ola-Welle und Fangesang bleibt König Fußball nur noch reine Bewegung. Und die ist weich und melodisch, hat jegliche Härte verloren. Rein auf Stärke und Körperbeherrschung reduziert, bekommt der starke Mann auf dem Platz fast verletzliche Züge. Und wirkt sympathisch –  selbst wenn er mit vollem Eifer auf den imaginären Rasen rotzt.

Denn auch vor den ekeligen Angewohnheiten mancher Spieler, macht das „Bodhi Project“ nicht Halt. Das sieht in der Gruppe nicht nur ästhetisch aus, sondern wirkt auch ziemlich lustig. Unschöne Angewohnheiten werden der Lächerlichkeit preisgegeben.

Trotzdem gelingt es auf überraschende Weise, mit gängigen Stereotypen zu brechen. Hier sind Fußballspieler keine hirnlosen Muskelprotze, sondern wahre Körperästheten. Die reine Konzentration zeigt, dass Fußball eben doch mehr ist als nur Millionenverträge.

Der vorletzte Abend des „Out Now Festival“ beleuchtet aber noch eine andere Spezies: Spielerfrauen. Bekannt aus „BILD“ und „BUNTE“ werden sie bestenfalls belächelt. Bis jetzt. Denn Evi Goldbrunner und Joachim Dollhopf von der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam räumen mit dem gängigen Bild auf. Zumindest ein bisschen.

In „WAGs – Wives and Girlfriends“ treffen zwei Welten aufeinander. Judith, Freundin eines Jungprofis bei Hertha BSC, trifft auf die Bulgarin Dina, die ihren Mann zu einer weiteren Station auf der Karriereleiter begleitet. Die Jüngere ist noch fasziniert von der teuren Penthouse-Wohnung und schicken Kleidern. Dina hingegen hat bereits jegliche Illusion über ihr Dasein verloren. Vom Leben gelangweilt tut sie nur eins: Geld ausgeben. Und das auch nur, weil es von ihr erwartet wird. Auch Spielerfrauen haben einen Ruf zu verlieren.

Vom Leben der

Fußballerfrauen

Mit Judith taucht endlich eine Lösung für ihr Problem auf. In das junge Mädchen kann sie all ihre Hoffnungen und Wünsche von einer eigenständigen Zukunft projizieren. Das klappt auch ganz gut – bis Judith schwanger wird. Aus der Traum von einer Karriere als Modedesignerin, der Umzug nach München steht an. Ronny wurde von den Bayern gekauft. Und Dina? Die schafft endlich den Absprung, kümmert sich nur noch um sich selbst – und kehrt allein ins heimatliche Sofia zurück.

„WAGs“ schildert in starken, klaren Bildern das Leben abseits des Platzes. Schonungslos zeigen die Filmemacher Langeweile in der VIP-Loge, Warten aufs Trainingsende und ständiges Umziehen. Immer dem Mann hinterher. Dankenswerterweise verzichten sie dabei darauf, es sich einfach zu machen und Spielerfrauen noch einmal in die Pfanne zu hauen. So hat man am Ende sogar Mitleid – Mitleid mit dem langweiligen Leben in der VIP-Loge.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Europawahlen in Deutschland haben begonnen

Europawahlen in Deutschland haben begonnen

Bayerns "tolle Woche": Double-Gewinner Kovac

Bayerns "tolle Woche": Double-Gewinner Kovac

Kovac mit Bayern Double-Sieger - Leipzig verliert Premiere

Kovac mit Bayern Double-Sieger - Leipzig verliert Premiere

Theater im Gymnasium am Wall

Theater im Gymnasium am Wall

Meistgelesene Artikel

Der Strahlemann aus dem Boboversum

Der Strahlemann aus dem Boboversum

Bekannter Satiriker und Sänger mit 57 Jahren gestorben - Das ist zur Todesursache bekannt

Bekannter Satiriker und Sänger mit 57 Jahren gestorben - Das ist zur Todesursache bekannt

Neue Ausstellung zeigt Kunst von Bremer Meisterschülern

Neue Ausstellung zeigt Kunst von Bremer Meisterschülern

„Deep Time“ und „My Ladies Rock“: Feiert das Kollektiv!

„Deep Time“ und „My Ladies Rock“: Feiert das Kollektiv!

Kommentare