Langeweile und Banalitäten: „Die lustige Witwe“ im Oldenburgischen Staatstheater

Zum Glück gibt‘s den „Weibermarsch“

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Wäre man doch besser zu Maxim gegangen: „Die lustige Witwe“ in Oldenburg ist alles andere als witzig.

Oldenburg - Von Wolfgang Denker. Ist überall auch „lustig“ drin, wenn „lustig“ draufsteht? Immerhin trägt die am Oldenburgischen Staatstheater neu inszenierte Operette den Titel „Die lustige Witwe“. Um die Frage zu beantworten: Nein! Zumindest nicht, wenn sie so banal daherkommt, wie Regisseur Ansgar Weigner sie präsentiert hat. - Von Wolfgang Denker.

Es genügt eben nicht, nur die Auf- und Abtritte in harmloser Naivität zu koordinieren und in die Dialoge ein paar „Gags“ einzubauen. Vor allem nicht, wenn sie aus der unteren Schublade gekramt werden, etwa wenn von den Melonen der Glawari statt von den Millionen gesprochen wird. Oder wenn Danilo die Vorzüge eines Swinger-Clubs erläutert und die Frage „Was macht man da?“ mit „Man verkehrt“ beantwortet. Wie lustig!

Aber hat Lehárs „Lustige Witwe“ das wirklich nötig? Lebt sie nicht von Charme, Leichtigkeit und durchaus auch von leichter Frivolität? Jedenfalls scheint das Pulver, das Weigner angerührt hat, um aus der Operette ein zündendes Vergnügen zu gestalten, nass geworden zu sein. Langeweile ist folglich, zumindest vor der Pause, der überwiegende Eindruck.

Nun ist aber nicht alles ganz misslungen. Der „Weibermarsch“, der hier von einer offenbar therapeutisch behandelten Männergruppe serviert wird, zündet eigentlich immer. Und wenn die Damen der Gesellschaft, darunter einige veritable „Wuchtbrummen“, sich in Grisetten verwandeln, hat das durchaus Charme. Hier nimmt die Inszenierung endlich an Fahrt auf und kann etwas versöhnen.

Angemessen ist das Bühnenbild von Christof Cremer mit seinen wallenden Vorhängen und einem großen Kronleuchter; gelungen auch die variablen Lichtstimmungen. Die Kostüme, ebenfalls von Cremer, bewegen sich in heiterer, farbenfroher Operettentradition.

Unter den Solisten glänzt vor allem Valda Wilson als Hanna Glawari, die gleich mit ihrer Auftrittsarie für sich einnimmt und der Figur mit viel Charme sehr gerecht wird. Wie sie das Vilja-Lied gestaltet, ist eine Klasse für sich. Gesanglich nicht ganz mithalten kann Paul Brady als Graf Danilo. Aber „Lippen schweigen“ intoniert er mit zärtlichstem Ausdruck und gibt der Rolle insgesamt lebendiges Profil. Bei „Es waren zwei Königskinder“ überzieht er allerdings etwas in Richtung Chargieren.

Uneingeschränkt erfreulich sind dagegen Alexandra Scherrmann als quirlige Valencienne und Philipp Kapeller, der dem Rosillon mit seinem lyrischen Tenor kraftvollen Höhenglanz sichert. Stefan Vitu stellt als drahtziehendes Faktotum Njegus (mit dem eingefügten Lied „Es muss ein Wunderbares sein“) eine skurrile Figur auf die Bühne. Henry Kiichli gibt den trotteligen Baron Zeta, gesanglich leider nur noch mit den Resten einer Stimme. Beide wirken zusammen allerdings wie eine Variation von Pat und Patachon.

Vito Cristófaro am Pult des Oldenburgischen Staatsorchesters sichert dieser „Lustigen Witwe“ die Vitalität und die Feinsinnigkeit, die die Regie ihr schuldig blieb. Wie singt Danilo im bekanntesten Lied dieser Operette? „Da geh‘ ich zu Maxim“ – vielleicht die bessere Empfehlung.

Weitere Vorstellungen: 22. November sowie 5., 9., und 11. Dezember, jeweils um 19.30 Uhr, Großes Haus, Oldenburgisches Staatstheater.

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