Auftritt in der Bremer Glocke

Lang Lang erzählt Mozart

Bremen - Von Ute Schalz-LaurenzeDer chinesische Pianist Lang Lang ist dreißig Jahre alt und sein Leben ist fast mit der gleichen Präsenz wie die Musik immer bei ihm.

Gequält von einem besinnungslos ehrgeizigen Vater, der sein Lieblingsspielzeug zerstörte, weil der Kleine nicht genug übte und der ihm im Alter von neun Jahren Tabletten gab, um sich umzubringen – denn eine Pianistin hatte erklärt, er habe keine Begabung – wurde er zu einem der besten Pianisten der Welt. Seinem Vater hat er verziehen: „Ich habe irgenwann einmal begriffen, dass wir diesselben Visionen hatten“. Inklusive der auch erbarmungslos ehrgeizigen chinesischen Musikszene ist das alles so heftig, dass die Frage, wie spielt er denn nun mit mit zehn Millionen Euro versicherten Händen Klavier, dahinter zu verschwinden droht. Mit einem Programm mit Sonaten von Wolfgang Amadeus Mozart und Balladen von Frédéric Chopin konnte er von seinem einsamen Niveau überzeugen.

Drei Sonaten von Mozart – ist das etwas für Virtuosen? Lang Lang ist selbstverständlich kein Kenner der historischen Aufführungspraxis, aber er brachte eine Fülle von gestalterischen Ideen. Sein Mozart hat kaum organische Entwicklung, sondern explodiert in lauter kleinen Attacken von unterschiedlichen Gefühlen. Zudem taucht er diese kleinen „Inseln“ in geheimnisvolle und/oder tröstende Klangfarben, manchmal spielt er ein derart gewolltes Pianissimo, dass ihm die Töne nahezu wegbleiben. Da das alles technisch nicht allzu schwer ist, schaut er oft ins Publikum, als wolle er sagen: Versteht ihr, was ich euch erzählen will?. Fremd, aber mitreißend war der enorme emotionale Reichtum dieses „Patchwork“-Mozart, für den er sich nicht zu einer starken Pedalisierung verführen ließ. Das war alles wunderbar klar.

Lang Lang ist einer der großen Chopinspieler unserer Zeit geworden, zu dem er schon im kleinsten Kindesalter die beste Beziehung hatte. Mit vier Balladen tauchte er in dessen Welt ein und brachte sie erschütternd nahe. Mit seiner Finger- und Pedaltechnik verschwimmt nichts, alles ist von fast transzendentaler Durchsichtigkeit. Ergreifend, wie er Abschnitte regelrecht abreißt, um in neuen Dimensionen wieder aufzutauchen. Auch hier setzt Lang Lang Attacke an Attacke, Kontrast an Kontrast und beweist einmal mehr die Größe des polnischen Komponisten, der alles andere war als ein Salonspieler. Lang Lang versteht es meisterhaft, dessen Emotionen zu seinen eigenen zu machen – oder umgekehrt: „Schrift der Seele in Tönen“ – so nannte der Schriftsteller André Gide Chopins Musik – wurde so zum doppeldeutigen Motto des für viele im Publikum rauschartigen Abends.

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