„Amerikanische“ Brüder Wingenfelder überzeugen in der Musichall Worpswede

Lässig durch den mittleren Westen

Schwelgen in bewährter Mixtur: die Brüder Wingenfelder bei ihrem Auftritt in der Musichall Worpswede. ·
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Schwelgen in bewährter Mixtur: die Brüder Wingenfelder bei ihrem Auftritt in der Musichall Worpswede. ·

Von Ulf KaackWORPSWEDE · Was man hierzulande als gute und ehrliche Rockmusik bezeichnet, was mit Prädikaten und Plattitüden wie bodenständig, geerdet oder gradlinig verbal veredelt wird – exakt das hat „Wingenfelder“ am Donnerstagabend in der Musichall Worpswede eindrucksvoll auf und über die Bühne gebracht.

Ein schweres Erbe traten die Brüder Kai und Thorsten Wingenfelder an, als die beiden ehemaligen Köpfe von „Fury in the Slaughterhouse“ ihre Erfolgsformation 2008 ins künstliche Koma legten. Weise war ihre Entscheidung, fortan Songs in ihrer Muttersprache zu intonieren. So gelang es den beiden, eine gesunde Distanz zu ihrem Übervater „Fury“ zu wahren, ohne dabei soundmäßig vollkommen auf Adaptionen verzichten zu müssen.

Der Einstieg in den fast zweieinhalbstündigen Konzertabend gelang fulminant mit „Selbstauslöser“, dem Titelstück des aktuellen Albums des Wingenfelder-Duos. Dabei wurden sie von ihrer vierköpfigen Band mit der erforderlichen Klangdichte und Dynamik versorgt. Bei ihrer Songauswahl setzten die Brüder auf eine bewährte Mixtur aus Pop, Rock und Balladen. Geschickt angereichert sind die Kompositionen mit Elementen aus Folk, Country und Bluegrass. Alles klingt sehr amerikanisch, wie der Soundtrack eines Roadmovies durch den mittleren Westen. Sehr cool – sehr lässig, was vor allem Sänger Kai Wingenfelder, der älter der Brüder, in seiner Bühnenpräsenz verkörpert.

Mit dem Titel „Klassenfahrt“ schwelgten die beiden hemmungslos in Jugenderinnerungen und zauberten das Flair der achtziger Jahre in den Saal. Unverhohlen machte Kai Wingenfelder seiner Abneigung gegenüber dem neuen Berlin mit dem Song „Zu wahr um schön zu sein“ Luft: „Seit dem Mauerfall ist das Feeling weg“, sagte er in der Anmoderation. „In der Hauptstadt sitzen nur noch Zugereiste vor aufgeklappten Laptops und arbeiten an irgendwelchen Projekten.“

Es folgten Stücke aus der jüngsten Schaffensperiode des Duos, „Petra Pan“, „Revolution“, „Oben am Wendehammer“: allesamt dem gleichen – weil bewährten – Strickmuster folgend. Mit Ausnahme eines Mundharmonikasolos blieb das Konzert frei von virtuosen Einzeltaten der Instrumentalisten.

Auf hohem Level rauschte das Repertoire durch und erfuhr immer dann einen gewaltigen Ausschlag nach oben auf der Richterskala, wenn das immer noch angesagte „Fury“-Material aus der Reserve geholt wurde. „When I‘m dead and gone“ kam dabei mir einem betont rockigen Finale daher und das ursprünglich staccatohafte „Won‘t forget these days“ war nun in eine flüssige, fast swingende Form gegossen. Sechs Zugaben – darunter die Hymne „Time to wonder“ – rang das hochgekochte Publikum dem Sextett ab, bevor „Wingenfelder“ nach 150 Minuten in die Garderobe entlassen wurde. Das Zugehörgebrachte konnte dabei auf ganzer Linie überzeugen und untermauerte den Anspruch der Brüder auf einen Platz in der ersten Reihe der Deutschrockgilde.

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