Das Lächeln von Marc Bolan

Simon Reynolds erklärt Glam-Rock

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Simon Reynolds - Foto: Michel Meeuwissen

Bremen - Von Rolf Stein. Sweet, David Bowie und Alice Cooper kennt wohl annähernd jeder Musikliebhaber. Und was Glam bedeutet, davon haben die meisten von ihnen wohl eine Vorstellung, die mit den 70er-Jahren, mit auftoupierten Haaren, Make-up und androgynen Kostümen zu tun hat. Weil es aber keine umfassende kulturhistorische Würdigung des Phänomens gab, legte der britische Pop-Theoretiker selbst eine vor. 

640 Seiten umfasst das Ergebnis, das im Original den etwas reißerisch wirkenden Titel „Shock and Awe“ trägt und in der deutschen Übersetzung von Jan-Niklas Jäger etwas schlichte „Glam“ heißt. Und im Untertitel „Glitter Rock und Art Pop von den Siebzigern bis ins 21. Jahrhundert“.

Am Dienstag stellten Reynolds und Jäger das Buch in Bremen vor, mit ihnen auf der Bühne saß moderierend Tobias Levin, Hamburger Produzent und Musiker. Anders als bei Buchpräsentationen üblich, wurde an diesem Abend allerdings nicht viel vorgelesen. Dafür sei sein Text auch gar nicht geeignet, sagt Reynolds nach der Veranstaltung. 

Mit Glam begannen Musiker sich neu zu erfinden

Stattdessen hat er einen Schwung Videos mitgebracht, die – zumal bei einem solchen Thema – sinnlich wie sinnfällig bündeln, was Reynolds in seinem Buch genauer untersucht. Um diese Videos herum plaudert Reynolds kenntnis- und anekdotenreich über den Glam-Komplex und dessen Bedeutung für die Popmusik über Punk und Gothic bis in die Gegenwart, in der sich Stars wie Lady Gaga mit viel Glitzer und der Überschreitung von Geschlechterrollen inszenieren. 

Mit Glam begannen Musiker, auf Vorstellungen von Authentizität zu pfeifen, sich neu zu erfinden, und das eben nicht nur einmal. Wozu, wie Reynolds betont, auch ein äußerst laxer Umgang mit der Wahrheit herrschte, wofür exemplarisch David Bowie und Marc Bolan von der Band T. Rex stehen, zwei der größten Stars des Glam-Rock. Vor allem Bolan habe notorisch gelogen.

In diesem Zusammenhang zeigt Reynolds dann per Video dokumentarische Szenen mit Bolan, der in einem Interview über die neue Generation und ihren Einfluss auf den Gang der Dinge philosophiert. Sein Lächeln hat dabei geradezu etwas Manisches. Es sei das erste Mal gewesen, dass er über das Lächeln eines Musikers geschrieben habe, sagt Reynolds. Ein Indiz dafür, wie Glam-Rock damals die Popwelt auf den Kopf stellte.

„Glam“ von Simon Reynolds (640 Seiten, 34,90 Euro) ist im Ventil-Verlag erschienen.

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