Heavy Metal aus Deutschland ist auch international gefragt

Mit Kutte beim Aprés-Ski

„Eine lebenslange Verbundenheit“: Doro Pesch beim Wacken Open Air Festival im August 2013. - Foto: dpa

Austin - Das weltgrößte Heavy-Metal-Festival in Wacken mit Gästen aus aller Herren Länder war binnen eines Tages ausverkauft. Und Bands wie die Scorpions oder Rammstein zählen seit Jahrzehnten zu den erfolgreichsten Musik-Exportgütern. In der weltweiten Metal-Szene scheint der Standort Deutschland nach wie vor einen hervorragenden Ruf zu genießen. „Bei Metal gilt immer noch das Qualitätsmerkmal ,Made in Germany’“, sagt Sängerin Doro Pesch (51), die selbst seit den 1980er-Jahren im Geschäft ist. „Deutscher Metal ist quasi der Mercedes Benz.“ Die Musik stehe für saubere, mühevolle und wertvolle Arbeit, die Bestand hat.

Die Macher des schleswig-holsteinischen Wacken Open Air haben sich derweil den neuesten Coup ausgedacht. Sie laden in der kommenden Woche zur Skifreizeit ins österreichische Skigebiet Nassfeld. Beim „Full Metal Mountain“ heißt es für 2 000 Fans eine Woche lang schwarze Kutten auf der Piste, Heavy Metal statt DJ Ötzi zum Aprés-Ski und jede Menge Konzerte am Abend. „Viele Fans wollen Urlaub mit ihrer Leidenschaft für Musik verbinden“, sagt Wacken-Kommunikationsleiter Nick Hüper. Deshalb hätten sie bereits vor einigen Jahren unter dem Motto „Ahoi Metalheads“ ihren Metal-Kreuzfahrten ins Leben gerufen.

Über mangelnde Nachfrage kann er sich nicht beschweren, die letzte Kreuzfahrt war innerhalb von 20 Minuten ausverkauft. Die 75 000 Tickets für das Wacken-Festival im August gingen innerhalb eines Tages weg. Laut Hüper kommen 30 Prozent der Besucher aus dem Ausland. Südamerika, Asien, Russland, da sei alles dabei. „Ich habe schon Fans aus dem Oman eine Zeltplatzbestätigung geschickt, weil sie beim Visaantrag eine Unterkunft angeben mussten“, sagte er. Spannend sind für ihn die Besucher aus China und Indien, weil die Szene dort recht neu ist.

Das Festival in dem Dorf mit 1 800 Einwohnern wurde 1990 aus einer Bierlaune heraus ins Leben gerufen. Damals kamen 800 Gäste. Inzwischen gilt es als größtes Metal-Spektakel weltweit. Hüper und seine Kollegen sind viel unterwegs, um internationale Kontakte zu knüpfen. So waren sie gerade auf dem South by Southwest Festival in Austin, Texas, um die Marke Wacken zu stärken.

Den Vorwurf des Ausverkaufs will er nicht geltend machen. „Wir laden unsere Fans regelmäßig zum Austausch ein, um herauszufinden, was sie wollen.“ Aktionen wie die teureren Reisen würden von den Älteren gerne angenommen. „Metalfan bist du ein Leben lang“, erklärt Hüper. Egal ob man Arzt oder Anwalt sei, die Liebe zur Musik bleibe. „Aber man hat nicht mehr unbedingt Lust, vier Tage beim Festival im Matsch zu zelten.“

Ist es also die Treue der Fans, die Heavy Metal so stark macht? 2015 standen mit Werken von Slayer, Iron Maidon und Motörhead gleich drei internationale Metal-Alben auf Platz eins der deutschen Charts. „Deutschland hat einfach ein Herz für Heavy Metal“, sagt Doro Pesch. Dahinter stehe eine Leidenschaft, die stärker sei als sonstwo auf der Welt. „Die Fans springen auch nicht immer auf den neusten Trend an, da ist eine lebenslange Verbundenheit.“ Große Bands, egal ob ausländische oder deutsche, seien über Jahrzehnten im Geschäft.

„Die alten Recken halten immer noch die Fahne hoch“, sagt auch Marcus Hammer vom Heavy-Metal-Label Nuclear Blast in Donzdorf, das internationale Musiker, aber auch deutsche Bands wie Blind Guardian und Helloween vertreibt. Die Firma wurde vor fast 30 Jahren in der baden-württembergischen Provinz gegründet und hat heute kleinere Ableger in Großbritannien, Brasilien und den USA.

Und wie laufen die Geschäfte in Zeiten der Digitalisierung? „Für uns ist das alles relativ erfreulich“, sagt er. Natürlich gebe es Verschiebungen in den Digitalbereich, dem wolle man sich auch gar nicht verschließen. Aber es gehe langsamer als bei anderen. „Fans der schweren Musik sind Traditionalisten, die gerne ein physisches Produkt in der Hand halten.“ Und: Für viele sei Metal eine Lebenseinstellung, wovon der Merchandisingmarkt profitiere. Allerdings sieht Hammer hierzulande auch ein Nachwuchsproblem. „Es gibt nicht so viele junge deutsche Band, die nachgewachsen wären. Skandinavien ist da deutlich stärker.“

Für Doro, die noch immer weltweit tourt, ist Südamerika besonders spannend. „Da ist einer Feuer und eine Leidenschaft, da gehen alle Barrikaden zu Bruch.“ Auf ihrem Konzert in Ecuador hätten kürzlich 200 Fans die Bühne gestürmt. Interessant seien aber auch China und Russland, „da durften wir ja früher gar nicht auftreten“. Auch wenn sich weltweit spannende Szenen entwickelten, Wacken gelte für viele weiter als Pilgerort. „Wenn ich die Wacken-Hymne singe, packt immer irgendjemand im Publikum ein Festival-T-Shirt aus und singt mit stolzgeschwellter Brust mit“, sagt sie. „Einmal nach Wacken, das ist für viele ein Lebenstraum.“ -  dpa

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