Die Kunsthalle Bremen zeigt die Ergebnisse des 23. Videokunst-Förderpreises

Bis an die Grenzen der Moral

„Atemlose Tiefflüge“: Filmstill aus E.S. Mayorgas „Role Of Fear“
+
„Atemlose Tiefflüge“: Filmstill aus E.S. Mayorgas „Role Of Fear“

Bremen - Von Rolf Stein. Recht global zum einen, sehr autobiografisch zum anderen: So fällt die diesjährige Ausstellung zum 23. Videokunst-Förderpreis aus, die gestern Abend in der Bremer Kunsthalle eröffnet wurde. - Von Rolf Stein.

Gezeigt werden hier, das unterscheidet den Preis von vielen anderen Kunstpreisen, die Ergebnisse der Förderung. Honoriert werden jährlich in der Regel zwei Konzepte, die die ausgewählten Künstler mithilfe des Preisgelds umsetzen können, der Einsendeschluss für den 24. Preis war bereits Anfang November.

Wobei Klaus W. Becker, Geschäftsführer des Bremer Filmbüros, das den Preis vergibt, bei der gestrigen Pressevorbesichtigung nicht ohne Stolz anmerkte, dass die Realisierungsquote bei erfreulichen hundert Prozent liege.

Den mit 5000 Euro dotierten Hauptpreis erhält der seit vielen Jahren in Deutschland lebende E.S. Mayorga aus Mexiko City. Seine Arbeit, „The Role Of Fear“, nennt der Künstler einen „visuellen Essay über die Themen, die mein Leben und meine künstlerische Praxis radikal verändert haben“. Besagte Themen führen bis an die Grenzen von Vernunft, Wissenschaft und Moral. Angefangen bei paranormalen Erscheinungen und regelrecht launigen Schilderungen der eigenen Karriere (auch jenseits des Gesetzes) über Horrorfilmfiguren und Pornografie – bis zu dem Zeitpunkt, als der echte Horror in das Leben des Künstlers trat: Als nämlich im Jahr 2012 seine jüngere Schwester spurlos „verschwand“ – und wenn Mayorga heute davon erzählt, spürt man, wie wenig der Schmerz darüber verwunden ist. „Atemlose Tiefflüge“ nennt die Jury in ihrer Begründung seine künstlerischen Recherchen zu Recht. Tiefflüge im positiven Sinne, versteht sich: weil Mayorga nicht davor zurückschreckt, zu seinem Gegenstand eine geradezu brutale Nähe zu suchen.

Sharlene Khan, die den zweiten Preis von 1500 Euro für ihr Projekt „When the moon waxes red“ erhält, kommt aus Südafrika – Durban, um genau zu sein, einer Partnerstadt Bremens, was sie für die Teilnahme qualifiziert. Ihre Arbeit wirkt mit ruhigen Bildern von Schilf vor Bilderbuchwolken und Unterwasserimpressionen zunächst entschleunigter, entwickelt aber bei genauerem Hinsehen nicht weniger Brisanz und konzeptuelle Tiefe. Wie Mayorgas Arbeit wird auch ihr Video von einer Reihe weiterer Arbeiten begleitet, in ihrem Fall Fotos und Stickbilder. In ihrer Gesamtheit erzählen sie die Geschichten der Frauen in Khans Familie im Kontext von Kolonialisierung, einer schon früh globalisierten Wirtschaft und avancierten Genderstudien.

Ausstellung zum Videokunst-Förderpreis, bis zum 1. Mai, Kunsthalle Bremen

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Bier, Boßeln, Bollerwagen: Diese Spiele rocken eure Kohlfahrt

Bier, Boßeln, Bollerwagen: Diese Spiele rocken eure Kohlfahrt

Bier, Boßeln, Bollerwagen: Diese Spiele rocken eure Kohlfahrt
Rassismus braucht keinen Baseballschläger

Rassismus braucht keinen Baseballschläger

Rassismus braucht keinen Baseballschläger
Unverkennbar menschlich, wundersam verformt

Unverkennbar menschlich, wundersam verformt

Unverkennbar menschlich, wundersam verformt
Alte Wunde aufgerissen

Alte Wunde aufgerissen

Alte Wunde aufgerissen

Kommentare