26 Produktionen und 90 Veranstaltungen

Kunstfestspiele Herrenhausen: Im Zeichen der Zehn

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„Greenhouse“: Treibhaus für Bilder.

Hannover - Von Jörg Worat. Alle 36 Shakespeare-Dramen an neun Tagen? Ein Konzert um 6 Uhr morgens? Ein Hund auf der Bühne? Klar doch: Die „KunstFestSpiele Herrenhausen“ sind bekannt dafür, gerade das Unbekannte zu präsentieren. Vom 10. bis zum 26. Mai steht die zehnte Ausgabe an, gestern wurde das Programm mit 26 Produktionen und rund 90 Veranstaltungen vorgestellt.

„Die Zehn hat mir schon beim Fußball immer besonders gefallen“, sagt Intendant Ingo Metzmacher, der das Festival zum vierten Mal betreut und ihm in Hinblick auf überregionale Wahrnehmung noch einen kräftigen Schub versetzt hat. Passt: Beim Zehner laufen ja im offensiven Mittelfeld die Fäden zusammen.

Nicht nur kommt das Programmheft gülden daher, auch die Teilnehmerliste ist vom Feinsten. So reist gleich zum Auftakt Starregisseur Peter Sellars persönlich nach Hannover. Am 10. und 11. Mai ist in der Orangerie seine Inszenierung von „Kopernikus“ zu erleben, ein „Opern-Ritual des Todes“ mit der Musik des eigenwilligen Komponisten Claude Vivier, der 1983 in Paris ermordet wurde. „Kopernikus war jemand, dessen Denken Grenzen überschritten hat“, betont Metzmacher und verweist damit natürlich auch auf einen grundlegenden Ansatz seines Festivals.

Ein lustvoller Grenzüberschreiter war fraglos Frank Zappa, der in seinen letzten Lebensjahren bevorzugt mit dem deutschen Ensemble Modern seiner Liebe zur „Neuen Musik“ nachgegangen ist. Eben diese Gruppe spielt nun am 18. Mai Kompositionen des Meisters in der Eilenriedehalle - der Ort ist mit Bedacht gewählt, denn dort hat Zappa selbst einst spektakuläre Konzerte der allerdings eher rockigen Art gegeben.

Julia Mihaly

Zudem wollte Metzmacher das Festival schon immer gern etwas dezentralisieren und punktuell aus Herrenhausen herausgehen. Erstmals dabei ist das Lindener Kulturzentrum Faust, wo die britische Gruppe Forced Entertainment ab dem 11. Mai binnen neun Tagen den kompletten Shakespeare spielen will. Und zwar als „Table-Top-Theater“: Alles findet auf einem Tisch statt, an dem die Performer „Othello“ oder „König Lear“ nachstellen - der Stoff wird jeweils auf 45 Minuten gekürzt, sodass man vier Dramen an einem Abend genießen kann; Ketchupflaschen, Gewürzstreuer und andere Utensilien übernehmen die Rollen von Prinzen, Narren und Rüpeln.

Als bekannter Dirigent hat Metzmacher beste Kontakte in der Musikszene und kann mit ganz großen Namen aufwarten: Trompeter Hakan Hardenberger kommt am 15. Mai ins Herrenhäuser Galeriegebäude, an gleichem Ort rückt der herausragende Geiger Gidon Kremer eine Woche später Werke von Mieczyslaw Weinberg in den Fokus. Und Klasse-Pianist Pierre-Laurent Aimard führt am 25. und 26. Mai den kompletten „Catalogue d‘Oiseaux“ von Olivier Messiaen auf, in vier Blöcken an verschiedenen Orten zu verschiedenen Tageszeiten - sie sollen nämlich zu den Vogelstimmen passen, durch die das Werk inspiriert wurde.

Am gedeckten Tisch: Auch das Ensemble Garage ist in Hannover mit dabei.

Der eingangs erwähnte Hund? Soll bei einem weiteren Höhepunkt mitwirken: Der italienische Theatermacher Romeo Castellucci, der ebenfalls höchstselbst in Hannover erwartet wird, wagt mit „Giudizio.Possibilità.Essere“ eine Annäherung an Hölderlins Tragödienfragment „Der Tod des Empedokles“. Für Metzmacher „ein rätselhafter Text, aber das passt zu Castelluccis Inszenierungen. Wenn Sie sich verwirren lassen wollen, sind Sie bei ihm an der richtigen Adresse.“ Zu erwarten ist eine Vorstellung mit performativem Einschlag, und die Festivalmacher müssen eingestehen, dass sie dieses eine Mal das Unmögliche nicht möglich machen konnten: „Die Vorstellung soll eigentlich in einer Turnhalle stattfinden, aber wir haben in Hannover keine gefunden, die uns für den nötigen Zeitraum zur Verfügung gestanden hätte. Jetzt müssen wir das Orangerie-Gebäude irgendwie in eine Turnhalle verwandeln.“ Am 23. Mai werden die Zuschauer überprüfen können, inwieweit das gelungen ist.

Unter Metzmachers Stabführung war stets ein wichtiger Punkt, dass das Festivalprogramm nicht nur für eine Elite konzipiert sein soll. Zum Jubiläum macht sich das besonders klar bemerkbar: „Wir wollen der Stadt etwas zurückgeben“, sagt Metzmacher. „Deswegen veranstalten wir am 12. Mai eine große Geburtstagsfeier bei freiem Eintritt.“ Dabei soll von 14 Uhr bis Mitternacht ein Gutteil der Herrenhäuser Gärten bespielt werden, und die Wiener Straßenperformer von der „Cie. Willi Dorner“ wollen sich sogar schon in der Nordstadt bemerkbar und auf den Weg machen. Zudem tritt, erstmals überhaupt in Deutschland, die New Yorker Performerin Sylvia Palacios Whitman auf, und der libanesische Klangkünstler Tarek Atoui soll mit einem inklusiven Projekt dabei sein.

„Am einigen Programmpunkten für den 12. Mai basteln wir noch“, erläutert Metzmacher. „Ende März werden wir weitere Details bekanntgeben.“ Nun, zum restlichen Programm, zu Begleitveranstaltungen und Tickets gibt es ja jetzt schon eine ganze Menge Konkretes nachzulesen, nämlich unter http://kunstfestspiele.de.

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