Ironische Kunstausstellung über Massentierhaltung

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Die Künstler Ute Hörner und Mathias Antlfinger betrachten vor der Pressekonferenz zu ihrer Ausstellung "Discrete Farms - Irgendwo muss das Fleisch doch herkommen" im Edith Russ Haus in Oldenburg eine ihrer Hasenpuppen aus der Videoinstallation, die in einer Vitrine liegt.

Oldenburg - Hasenpuppen, ein abgezogenes Sofa und maschinell gesteuerte Ställe - eine Kunstausstellung in Oldenburg setzt sich kritisch mit der Massentierhaltung auseinander. Statt schockierender Bilder sind ironische Installationen und Videoarbeiten zu sehen.

Zu Tausenden sind Hühner in dem Stall zusammengepfercht, überwacht von Maschinen rund um die Uhr. Kaum sind die Tiere groß genug, kommen schon die nächsten Küken an. So sehen die Künstler Ute Hörner und Mathias Antlfinger die Massentierhaltung in Niedersachsen. In einer Ausstellung im Edith-Russ-Haus in Oldenburg setzen sich damit von diesem Freitag an kritisch auseinander. Installationen und Videoarbeiten thematisieren die Zustände in den Ställen auf ironische und absurde Weise, ohne schockieren zu wollen.

Für ihr neues Projekt „Discrete Farms - Irgendwo muss das Fleisch doch herkommen“ hat sich das Kölner Duo mehrere Monate lang intensiv mit der Tierindustrie am Beispiel Niedersachsens beschäftigt. Sie recherchierten im Internet, sprachen mit Experten und machten sich im Emsland und rund um Oldenburg selbst ein Bild von der Lage. Zwar wollte kein Bauer sie in seine Mastställe lassen. Doch was die Künstler von außen sahen, fanden sie schon verstörend genug. „Alle 500 Meter steht man vor dem nächsten Stall“, erzählt Hörner.

Rund 36,5 Millionen Masthühner wurden nach Angaben des Landesbetriebs für Statistik 2010 in Niedersachsen gehalten, 70 Prozent davon in Ställen mit 50 000 Tieren und mehr. Immer weniger Betriebe halten immer mehr Tiere - dieser Trend setzt sich der aktuellen Landwirtschaftszählung (Stand: März 2010) zufolge in Deutschland gerade bei der Haltung von Schweinen und Geflügel zunehmend durch. Bei beidem ist Niedersachsen bundesweit der Spitzenreiter.

Anhand von Bauer Kybers Kontrollraum zeigen Hörner und Antlfinger, welche Auswirkungen diese massenhafte Fleischproduktion hat. Auf drei Bildschirmen in der angedeuteten Bauernstube flimmern winzige Dreiecke, die Hähnchen in einem Stall in realitätsgetreuem Maßstab darstellen. Am Monitor kann der Bauer den Stall komplett überwachen, per Knopfdruck die Temperatur regeln, den Boden reinigen oder die Tiere füttern. Betreten muss er den Betrieb nicht mehr.

In drei Videoarbeiten diskutieren zwei handgeschneiderte Hasenpuppen außerdem über das Verhältnis von Tier und Mensch und werfen die Frage auf, welche Rechte Nutztiere in unserer Gesellschaft überhaupt haben. „Das ist mit eins der großen Themen des 21. Jahrhunderts“, sagte Antlfinger. Für das Projekt opferte das Paar auch sein altes Sofa. Sie zogen das Leder ab und gaben einer Kuhpuppe damit quasi seine Haut zurück.

Die Ausstellung ist bis zum 25. November in Oldenburg zu sehen. Diese zeigt auch ältere Werke der Künstler. Ihr Projekt „Discrete Farms“ ist während eines mit 10 000 Euro geförderten Arbeitsstipendiums entstanden, das das Edith-Russ-Haus für Medienkunst einmal im Jahr vergibt.

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