Aus aktuellem Anlass wurde bei einer Diskussion in der Bremer Gesellschaft für Aktuelle Kunst fast nur die Zukunft des Teerhofs debattiert

Wie Kunst Stadt entwickelt und umgekehrt

+
Museum Weserburg auf dem Bremer Teerhof ·

Bremen - Von Tim SchomackerDass in der „Gesellschaft für Aktuelle Kunst“ (GAK) eine Ausstellung ansteht, die „Rauchwolken und Luftschlösser“ heißt: ein Zufall? Ein paar Tage vor deren Eröffnung lud die GAK zu einer Diskussion in eigener Sache ein.

Auch da ging es – wenn auch eher im kunstpolitischen Sinne – um Rauchzeichen, Luftburgen und atmosphärische Störungen. Mit öffentlichen, vor allem aber internen Debatten um den Verbleib des Sammlermuseums Weserburg im stadteigenen Gebäudeensemble auf dem Teerhof droht ein früher mal gewünschter und bis heute gewachsener räumlicher Kunst(präsentations)-Zusammenhang ins Rutschen zu geraten. GAK-Direktorin Janneke de Vries, Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz sowie der Bremer Architekturhistoriker Eberhard Syring (Bremer Zentrum für Baukultur) nahmen Stellung – und wurden vom Publikum kommentiert.

Der Umstand, dass letzteres nicht nur zahlreich war, sondern auch (fast) alle wichtigen Akteure der stadtbremischen Kunstszenerie umfasste, verdeutlichte das Bedürfnis, Entscheidungen, die formal vom Weserburg-Stiftungsrat (als Betreiber) und der Stadt (als Gebäudeeigentümer) getroffen werden, in weitergehende Überlegungen darüber einzusortieren sind: Wie will eine Stadt Kunst entwickeln? Und sich mit ihr? Und wer soll und darf darüber entscheiden?

Zum innerstädtischen Kunstballungsraum, der von der Standortperspektive der Weserburg nicht abzukoppeln ist, gehören neben dem Künstlerhaus in kurzer Laufnähe auch das kaum weiter entfernte Ensemble aus Städtischer Galerie und Schwankhalle. Vor allem aber die GAK, die seit 1980 in den Räumlichkeiten auf der Weserinsel residiert, und das (derzeit in der Weserburg lokalisierte), mit einigen Weltalleinstellungsmerkmalen gesegnete Studienzentrum für Künstlerpublikationen, fürchten um einen adäquaten Standort. Zwischen Renovierungsnotwendigkeit und Neubaureiz (oder -risiko) wird über die Zukunft der Weserburg vermutlich in diesem Jahr entschieden werden. Um Kosten im unteren zweistelligen Millionenbereich würde man auch im Falle einer Renovierung und Sanierung nicht herumkommen. Um eine grundlegende Renovierung des Konzepts Sammlermuseum wohl auch nicht.

Syring verwies auf die „Risikoeffekte von Signature Buildings“. Selbst wenn es gelänge, über die äußere Gestalt dauerhaft Publikum anzuziehen – was in Bremen regelmäßig nicht funktioniert habe, siehe Universum – müsste aus der Perspektive des Stadtplanungskritikers der „sozial urbane Umbau“ bedacht werden, die Erfolgsmodellen wie Gehrys Guggenheim-Filiale in Bilbao zeige. Staatsrätin Emigholz stellte klar, dass eine neue Aufgabenverteilung der privaten GAK und der Städtischen Galerie nicht das Ziel sei. Zugleich betonte sie derart häufig die „Ergebnisoffenheit“ des Entscheidungsprozesses und dass Konzepte nicht unmittelbar mit Gebäuden verknüpft seien, dass sich mancher fragte, ob programmatische Bilanzierung und Neuaufstellung sich nicht irgendwann als Feigenblatt vor ökonomische Zwänge in einer finanzklammen Stadt schieben.

De Vries betonte die Bedeutung der Standortentscheidungen „für die gesamte bremische Landschaft“ und legte die Messlatte für eine mögliche Suche nach einer adäquaten räumlichen Alternative für GAK (und Studienzentrum?) hoch. Schließlich müsse „adäquat“ auch einen Gegenwert zu gewachsenen Strukturen beinhalten.

Ob der Teerhof insgesamt die stadtentwicklerischen Hoffnungen, die seit den 1980er-Jahren an seine sukzessiven Umgestaltung geknüpft waren, eingelöst hat, könne, so einige Wortmeldungen, getrost bezweifelt werden. Ob aber ein Museumsneubau im Eingangsbereich der Überseestadt Impulse liefern kann, die die Umzugsauswirkungen auf eine handvoll Einrichtungen haben würde, ebenso. Dass es in der öffentlichen Begleitung der Entscheidungen über die Teerhof-Zukunft nicht darum gehen kann und soll, bloß angestammtes Terrain zu konservieren, betonte die frühere Vize-Direktorin der Weserburg, Hanne Zech: „Wir wissen ja nicht, wie die Kunst der Zukunft aussieht“, sagte sie. Entsprechend sei die „gebäudeinnerliche Flexibilität“ der Teerhof-Weserburg ein gewichtiges Argument.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Hallo-Verden-Festival in der Stadthalle

Hallo-Verden-Festival in der Stadthalle

Band Aha spielt vor ausverkaufter Bremer Stadthalle

Band Aha spielt vor ausverkaufter Bremer Stadthalle

Löw-Team bucht EM-Ticket - "Sehr zufrieden"

Löw-Team bucht EM-Ticket - "Sehr zufrieden"

Jahrestag der Proteste: "Gelbwesten" demonstrieren in Paris

Jahrestag der Proteste: "Gelbwesten" demonstrieren in Paris

Meistgelesene Artikel

Im barocken Zaubertheater

Im barocken Zaubertheater

Wiedergänger mit Herz

Wiedergänger mit Herz

„Blechtrommel“ in Bremerhaven: Grass-Klassiker als gut geöltes Bildertheater

„Blechtrommel“ in Bremerhaven: Grass-Klassiker als gut geöltes Bildertheater

Wahn und Wirklichkeit

Wahn und Wirklichkeit

Kommentare