„Was wollen die denn?“: Vier Zeichner in der Bremer Galerie Kramer

Kulinarisches und Fragen an die Kunst

Sonja Alhäuser: Verlobung mit Kalamari.

Von Rainer BeßlingBREMEN (Eig. Ber.) · Vier Zeichner hat Elke Kramer in ihre Bremer Galerie eingeladen. Sie fächern ein breites stilistisches Repertoire auf. Gemeinsamer Treffpunkt ist die Pointe.

Das heißt, hier geht es zugespitzt zu. Da gibt es die in der Größe und den bildnerischen Elementen eher übersichtlichen Arbeiten von Harald Falkenhagen am einen und die von Figuren und Aktionen überquellenden Tableaus von Sonja Alhäuser am anderen Ende.

Sonja Alhäuser, die vom kommenden Wochenende an in einer großen Einzelschau in Delmenhorst zu sehen sein wird, repräsentiert in ihren Performances, Objekten und Papierarbeiten eine überschaubare Fraktion von Künstlern, die sich um das Feiern, um die Inszenierung von Reizen und das Zelebrieren körperlicher Genüsse kümmern. Zwischen Konzept und sinnenfroher Üppigkeit findet sich manch Lapidares und Lakonisches, was soviel heißt wie Wort- und Bildkarges, auf das Einfachste Reduziertes, auf das Wesentliche Verdichtetes.

Dass der Auftritt des Zeichners in Humor-Mission Horror sein kann, deutet Paula Mueller mit einem Blatt an, in dem ein merkwürdiges Geschöpf, Spaßkugel mit Haifischlächeln, sagt: „Did not know, your smile was so expensive“. Schatten werfende Buchstabenblöcke liegen neben Figur und Schraffur, die Künstlerin liebt das freie Zusammenspiel, stellt Fragment neben Form und lässt das Aufeinanderprallen sprechen.

Mueller pflegt die unterschiedlichsten Strichführungen und Bildsprachen, ist mal malerischer und mal grafischer, bedient sich hier in der expressiven Abstraktion, dort im strichelnden Klein-Klein, blättert die Kunstgeschichte auf und greift auf den medialen Bilderstrom und das urbane Fassadenangebot zu.

Auch Harald Falkenhagens Textzeichnungen/Zeichentexte wenden sich ausdrücklich gegen gängige Vorstellung einer genialen Kreation. Wobei er wahrscheinlich nichts dagegen hätte, wenn man bei ihm einen ganz speziellen schöpferischen Genius identifizieren würde.

Mit dem Scharfsinn des Witzes kann man in der Kunst durchaus auffallen. Falkenhagen fällt nun schon länger auf mit seinen hinreißend beiläufigen, unangestrengten und unaufwendigen Blättern. „Was wollen die denn?“ greift er die zentrale Frage mancher Ausstellungsbesuche auf.

In Christian Orendts Blättern sind Menschen umtriebig in ihrem Leben unterwegs, nehmen dabei die seltsamsten Gestalten an, treffen sich an merkwürdigen Orten, pflegen rituell Kommunikation, tragen Kämpfe aus, schlagen sich die Köpfe ein und treiben es miteinander. Offenbar scheinen sie das Normale zu tun und Richtige zu wollen, machen sich Gedanken und Sorgen und scheitern doch, am Dasein, am Sosein, am Zusammensein und Bewusstsein. Die Gattung Mensch kommt hier nicht wirklich gut weg: Ihre Beschränkung wird freigelegt, Alltagsrationalität demontiert. Die Ordnungen legen einen Offenbarungseid ab, durch dieses Dickicht von Sinnbehauptungen und Unsinnsvermutungen führt kein Navi dieser Welt.

(Galerie Kramer, Vor dem Steintor 46, bis 31. Oktober)

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