„Das Runde an dem Heiligen“: Die Bremerin Susanne Bollenhagen zeigt Sakrales und Ornamentales in der Galerie Herold

Die Künstlerin als Forschungsreisende

Heiligenbilder von Susanne Bollenhagen. ·
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Heiligenbilder von Susanne Bollenhagen. ·

Bremen - Von Rainer Beßling„Das Runde an dem Heiligen“: Der Titel von Susanne Bollenhagens Ausstellung in der Bremer Galerie Herold erklärt sich schnell selbst. Es gibt viele Heilige und eine Menge Heiliges zu sehen, in Figuren und Ornamenten, die ursprünglich magische Zahlenverhältnisse und göttliche Schöpfungspläne illustrierten. Und es gibt viel Rundes. Das betrifft die Bildträger und manchmal auch die Motive.

Da wölben sich dem Betrachter pralle Rundungen auf einer Holzscheibe entgegen. „Planet“ heißt das Werk, wuchernde Hügel, organisch und ornamental in einem, leiblich und – weiblich?. Auf einer anderen Kreistafel schlingt sich rundes Geäst ineinander und umeinander. Das Auge ist beschäftigt, den Biegungen zu folgen, versucht Ordnung in das Geflecht zu bringen oder eine solche herauszulesen. Es fasziniert die Komplexität.

Das Runde ist etwas, das Heiligendarstellungen begleitet: der Nimbus, der das Licht als Ausweis des Göttlichen und die Zentralstellung des Heiligen illustriert. Susanne Bollenhagen schuf kleinformatige Heiligenbilder nach Fotografien von Skulpturen. In der plastischen Darstellung Erleuchteter fehlt meist der Nimbus. Also ist er ausgelagert. Das Runde an dem Heiligen ist zum Bildträger von Ornamenten geworden.

Die Heiligendarstellungen sammelte die Künstlerin auf Reisen. Sie bezeichnet sich selbst als Forscherin, Interpretin, Kopistin und Schöpferin. Recherche und Werkausführung gehören bei ihr zusammen. Man sollte ihre Arbeiten in diesem Gesamtzusammenhang sehen. Schon im Studium entwickelte die Bremerin Skepsis gegenüber dem Genie-Gedanken. Die Vorstellung vom individuellen Schöpfungsakt erschreckte sie. Nun erkundet sie lieber Tradition und eignet sich diese in künstlerischer Praxis an. Dass sie neben der objektiven Recherche zu subjektiven und originellen Gestaltlösungen gelangt, bestätigt ihr Verfahren.

Sakrale Kunst und sakrale Räume haben es Susanne Bollenhagen besonders angetan. Sie zeigt sich von den Darstellungen berührt und ergriffen, wobei durch die Präsentation in glänzenden Billig-Schmuckrahmen unverkennbar auch Belustigung mitschwingt. Einer privaten Galerie im Wohnzimmer ähnlich, verweist die Hängung auf den Einsatz von Heiligenbildern im individuellen Gottesdienst. Die Künstlerin sucht der Magie von Votivtafeln und Reliquien nachzuspüren, wenn sie die skulpturalen Darstellungen nun flächig in Zierrahmen bringt.

Anfangs waren die Nachzeichnungen der Fotografien nur flüchtige Aufrisse in Aquarell. Dann gerieten die Darstellungen immer feiner, schließlich wurden sie in Öl ausgeführt. Den Heiligen Mauritius beispielsweise, Schutzpatron der Infanteristen, entdeckte Susanne Bollenhagen im Magdeburger Dom. Sie ergänzte in ihrem Bild des Schwarzen die Nase und färbte die Augen blau, nun ist er zum Schutzheiligen aller Waffenträger geworden. Auch sind es nicht alle nur Heilige, die hier aufmarschieren. Bei einer flehend die gefalteten Hände himmelwärts ringenden Figur, den Mund schmerzhaft geöffnet, von züngelnden Flammen umgeben, handelt es sich um einen in der Hölle schmorenden armen Büßer. Zu spät, lautet wohl die mahnende Botschaft.

Die Skulpturen repräsentieren verschiedenste Epochen und Kulturen, mal Kunstgewerbe, mal künstlerische Meisterschaft. Eine Jesus-Darstellung stammt aus dem Kontext des pathetischen spanischen Katholizismus, der die Leiblichkeit und das Leid des Gottessohns erhöht. Madonnen zeigen sich in Königinnenpose. Maria und das Kind symbolisieren auf dem Thron Salomos neue Rettung und Herrschaft.

Galerie Herold, Güterbahnhof Bremen, bis 5. Februar

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