Alexander Dettmar in der Burg zu Hagen

Der Künstler als Clown

Alexander Dettmar: Clown Alfredo, Öl/Lwd, 2012
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Alexander Dettmar: Clown Alfredo, Öl/Lwd, 2012

Von Rainer BeßlingHAGEN · Als Maler von Stadtansichten verleiht Alexander Dettmar Gebäuden Persönlichkeit und Profil. Architektur verwandelt sich in seiner unverwechselbaren Bildsprache in einen lebendigen Organismus.

Die Anwesenheit von Menschen klingt nach, aber auch die Utopie einer ganz menschlichen Bedürfnissen entsprechenden Behausung lässt sich spüren. In Bildern zerstörter jüdischer Synagogen hält Dettmar Erinnerung wach. Doch das Werk des in Berlin lebenden Künstlers besitzt noch eine Seite, in der Spurensuche, Ernsthaftigkeit und Tragik ausgeklammert sind. Mehr als 50 Bilder von Clowns präsentiert Dettmar zur Zeit in der Burg zu Hagen.

Meist voluminös und in offensiver Farbigkeit füllen die Figuren die Leinwände. Mit Bällen, Ballons und Regenschirmen tragen sie die gängigen Attribute des Spaßgewerbes im Gepäck. Nicht individuelle Gesichtszüge, Gebärden oder Gesten werden ausformuliert. Weiße Lippen, rote Knollennase und glänzende Glatze sind vielmehr übermütig abstrahiert. Ein roter Frack wirkt wie ein Flügelpaar, Beine und Füße erscheinen in plumper Flächigkeit. Die Überzeichnung, mit der die Gaukler und Vaganten agieren, schlägt sich in der Figürlichkeit nieder.

Nicht das Individuum, sondern der Typus des Clowns tritt hier auf, pointiert und prägnant, ohne Kulisse in einem unbestimmten hellen Raum, eine Kunstfigur, allerdings weit entfernt von der Karikatur. Dafür empfindet Dettmar viel zu viel Sympathie für die mit der Verbreitung von Heiterkeit beauftragten Zirkusakteure und Musikkomödianten. Aus seinen abstrahierten Clownsporträts lassen sich all die mehr und minder gelungenen Strategien der Spaßbringer ablesen, zugleich bieten die Bilder genug Freiraum für den Betrachter, ihnen seine Vorstellungen vom Clownesken anzulagern.

Clowns sind ein von Künstlern gerne aufgegriffenes Sujet, um ihr eigenes Tun zu reflektieren. In dem Freiraum einer Narrenexistenz dürfen sie Grenzen überschreiten, sind zugleich zur Unterhaltung verdammt und müssen sich selbst offenbaren, auch wenn sie sich mit einer Maskerade schützen können. In Dettmars Clowns, die auch der Künstler in gewisser Hinsicht als Selbstporträts auffasst, lässt sich dies alles mitdenken. Was ihn selbst bei der Betrachtung dieser Bildnisse mit gewissem Abstand verblüfft: er fühlt sich eingefangen und mit seinen Schwächen ertappt.

Genauso können die Bilder aber auch als purer Spaß betrachtet werden. Ein Spaß, der die Faszination widerspiegelt, die Clowns auf den Künstler seit langem ausüben. Immerhin malte er im Alter von fünf Jahren seinen ersten Clown.

Bis 19. August. Di-Fr 9-12 Uhr und 15-18 Uhr. Sa, So und

Feiertag 10-18 Uhr.

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