„Bremer Stil“: Zwischen Schwankhalle und Städtischer Galerie hat die Stadt ihren Peter-Zadek-Platz bekommen

Ein Ort für die Künstler auf dem Weg

Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz und Bausenator ReinhardLoske weihten gestern den Peter-Zadek-Platz ein.

Von Rainer BeßlingBREMEN (Eig. Ber.) · Es ist verständlich, dass Bremen gegenwärtig am liebsten in die Geschichte seines Theaters blickt.

Prächtig war die Stimmung, als gestern Mittag unweit der Kleinen Weser ein neues Straßenschild mit großem Namen enthüllt wurde: Peter-Zadek-Platz. Die Festrednerinnen Carmen Emigholz, Staatsrätin für Kultur, und Anja Wedig, Leiterin des Kulturzentrums Schwankhalle, riefen die guten alten Zeiten des „Bremer Stils“ in Erinnerung. Schauspieler und Film-Regisseur Ulli Lommel wusste eine launige Anekdote zum Namensschild beizusteuern. Dauerrebell Rainer-Werner Fassbinder sei als Gastregisseur mit der Autorität des Intendanten Peter Zadek nicht klar gekommen, habe sich einen Hund gekauft, diesen auf den Namen Zadek getauft und in Gegenwart des Hausherrn gemaßregelt: „Zadek, Platz!“.

Offizieller Grund für die Namensgebung sind allerdings Zadeks Jahre als Oberspielleiter am Bremer Theater unter dem Intendanten Kurt Hübner zwischen 1962 und 1967. Der Platz nahe Zadeks ehemaliger Wirkungsstätte ist bereits prominent besetzt, dafür wurde zu Ehren des 2009 verstorbenen Theatermachers eine Zone gefunden, in der sich in der Nachbarschaft zur Bildenden Kunst innovative Bühnenkunst versammelt sieht. Zwischen der Städtischen Galerie und der Schwankhalle darf das Publikum nun nicht mehr über anonymes Pflaster, sondern über den Peter-Zadek-Platz flanieren.

Groß ist dieser nicht, vielleicht ein wenig unterdimensioniert, wenn man überlegt, wie wohl Plätze oder Straßen aussehen, die künftig mal an Zadeks Nachfolger in Bremen erinnern sollten. Dafür könnte des dauer-Junge Theater Bremen als Hauptakteur in der Schwankhalle demonstrieren, wofür Zadeks als Neuerer der Bühnenkunst eingetreten ist: Dass der Weg das Ziel ist und der wahre Künstler immer unterwegs.

Auf machte sich gestern auch die Festgesellschaft zum zweiten Event des Mittags: An der Rückwand der Städtischen Galerie, Weserdeich und Stadtforst zugewandt, sollte eine Wandmalerei von Tom Gefken eingeweiht werden. Allerdings ist diese auch erst noch auf dem Weg. Schon zu sehen sind weiße Kreisflächen, die an maritime Formen erinnern und später die Kulisse abgeben sollen für die fundamentalen Motive der Kunst: Geburt, Leben, Liebe, das Denken und das Sterben. Eine Bude für kulinarische Häppchen wurde gleichfalls in Wassernähe und passenderweise fischlastig ihrer Bestimmung übergeben.

Dass sich auch der Außenraum für darstellerische Aktionen eignet, stellte die Performerin Maren Strack mit ihrem „Muddclubsolo“ unter Beweis. Vermeintlich bloß am starken blonden Schopfe baumelnd, ließ sie Gummistiefel am Ende einer Tretmechanik unter ausladendem Rock in einer Pfütze trampeln. Wer dabei auf die Idee kam, der Zadek-Platz an der Bremer Peripherie sei irgendwie an den Haaren herbeigezogen, dürfte die Performance sicher falsch verstanden haben.

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