„Ballet Revolución“ mischt klassisches Ballett mit Hip-Hop und Salsa

Kubanische Leidenschaft

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Die Tänzer des Ensembles stammen alle aus Kuba. ·

Bremen - Von Lars WarneckeKaum ist am Donnerstagabend der letzte Ton des Prince-Klassikers „Purple Rain“ verklungen, hält es die Zuschauer nicht länger auf ihren Sitzen.

Donnernder Applaus und begeisternde Pfiffe zeigen das Bremer Musicaltheater am Richtweg im Ausnahmezustand. Gut zwei Stunden lang haben die 19 jungen kubanischen Tänzer beim ersten von fünf Spielterminen in der Hansestadt eine Show voll überschäumender Lebensfreude geboten.

Die Revolution, die die muskulösen Körper auf die Bühne bringen, ist keineswegs politisch motiviert. Kein Fidel Castro, kein Che Guevara, nicht einmal wehende Fahnen sind Bestandteil dieser Tanzsensation aus Kuba. Nein, die Revolution, die die Akteure in Begleitung einer in allen Musikrichtungen bestens disponierten Live-Band um den Bassisten Osmar Salazer Hernandez entfachen, liegt in der famosen Lässigkeit beim Mixen von scheinbar Unvereinbarem. Hier verschmilzt klassisches Ballett mit Merenge und Salsa, trifft Tango auf Eurodance sowie Hip Hop – und das mit minimalistischer Bühnendekoration. Gezielt wird dafür Licht eingesetzt – mal grell und blitzend, mal ganz schmeichelnd und intim.

Von der ersten Minute an verbreiten die Akteure mit ihren explosiven Sprüngen, kraftvollen Pirouetten und einer animalischen Geschmeidigkeit, wie man sie so selbst im „Schwanensee“ nicht zu sehen bekommt, gute Laune im Saal. Es sitzt zwar nicht immer jede Choreographie perfekt, und doch: Es kribbelt sofort in den Beinen und am liebsten möchte man aufspringen und einfach mittanzen.

Ein halbes Jahr lang war das Produzententeam auf der Karibikinsel unterwegs, um dieses Tanzensemble zusammenzustellen. Ausgebildet wurden die Akteure in ihrer Heimat an einer der weltweit angesehensten Tanzinstitutionen: der „Escuela Nacional de Arte“ mit ihrem renommierten Fachbereich für zeitgenössischen Tanz und der berühmten „Escuela Nacional de Ballet“ für den klassischen Tanz. Die Ausbildung wird auf Kuba stark gefördert, denn Tanz bedeutet auf Kuba mehr als Kunst, er bedeutet Leben – und diese Leidenschaft merkt man der Show auch an.

Zu den Gitarrenriffs des Klassikers von Prince bieten die Balletttänzer zum Schluss eine Bündelung aller Stile dar: Von klassischer Spitzentechnik über Street-Dance, von traditionellen Hebefiguren bis hin zu afrokubanischer Folklore. Und dabei beginnt die Revue gänzlich klassisch: Zu den sinnlichen Klängen von Léon Minkus „Don Quixote“ wird eine Primaballerina nach eindrucksvollen Arabesken von ihren vier Partnern ins Bühnenlicht gehoben. Gerade hat sich der Besucher bequem zurückgelehnt, fährt der Schleiervorhang hoch und ein gutes Dutzend wilder Gestalten, teils mit Rastalocken, fegt zu Rafael Hernandez’ pulsierendem „Cumbanchero“ über die Bühne, um ein Feuerwerk an wilden Wirbelsprüngen zu entzünden.

Ebenso wild gestaltet sich im weiteren Verlauf des Abends die vor allem auf ein jüngeres Publikum abzielende Musikauswahl. Da wird zu lateinamerikanischen Hits von Beyoncé („Single Ladies“) oder Jennifer Lopez („On the floor“) getanzt. Da trifft Bruno Mars („Locked out of Heaven“) auf Rihanna („We found Love“) und Usher („Love in this Club“).

Immer wieder Jubelrufe, vorrangig von weiblichen Zuschauern, denen von den Tänzern recht deutlich vor Augen geführt wird, was der Begriff „Waschbrettbauch“ bedeutet.

Die Show von Ballet Revolución funktioniert und verbindet Tradition, Kunst und Kommerz.

Das Programm gastiert noch bis zum morgigen Sonntag im Musical-Theater am Richtweg. Die nächsten Termine sind heute um 16 und 20 Uhr sowie morgen um 15 Uhr.

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