Die Krux der letzten Dinge

Junge Akteure am Theater Bremen mit Annäherung ans Lebensende

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Die Begegnungen zwischen Jung und Alt in „Endlich“ haben durchaus etwas Anrührendes.

Bremen - Von Rolf Stein. Zum Abschluss der vergangenen Spielzeit erhielten die Jungen Akteure am Theater Bremen völlig verdient den Kurt-Hübner-Preis. Mit ihren partizipativen Projekten bearbeiten Nathalie Forstmann und ihr Team seit Jahren gesellschaftlich relevante Themen in ästhetisch spannenden Formen. Nun haben sie sich an die letzten Dinge gewagt. Und – ein Novum – auch mit erwachsenen Akteuren zusammengearbeitet.

Sich dem Lebensende gedanklich zu nähern, ist ein schwieriges Geschäft. Nicht zuletzt deshalb, weil alles darauf hindeutet, dass für das Individuum damit alles vorbei ist. Die Ungreifbarkeit des Übergangs ins mutmaßliche Nichts findet ihren Ausdruck eben auch in der Personifizierung des Todes, wie sie auch in „Endlich“, der neuen Produktion der Jungen Akteure, eine Rolle spielt. Die Tücken dieser Vorstellung scheinen pointiert auf, als die fünf Kinder beispielsweise darüber philosophieren, ob der Tod eigentlich ein „richtiger Mensch“ ist oder nicht – und ob er nicht eigentlich Gutes will. Einer der Momente in „Endlich“, die überraschend neue Facetten des Themas aufscheinen lassen. Oder besser: aufblitzen. Denn sie, und leider auch vieles andere, bleibt Andeutung, Ahnung, wo eine Vertiefung dem rund einstündigen Abend gutgetan hätte.

Eine Art Kontaktimprovisation

Die Form, die Forstmann und Birgit Freitag ihrer Arbeit gegeben haben, gebietet indes, dass zwischen den Textpassagen zum Thema Altern, Sterben, Beerdigung, Nachwelt, getanzt wird. In einer Art Kontaktimprovisation begegnen sich dann die Generationen, nähern sich einander an, wobei allerdings auch diese Passagen ein wenig diffus wirken, mal durchaus poetisch, mal arg gefühlig – was auch durch den Einsatz von Musik befeuert wird, die im ersten Teil aus neoromantischem Klavierklimperei besteht und sich später bei Mozarts als Chiffre doch reichlich strapaziertem Requiem bedient.

Als ein discoider Beat eingreift, kommt es zu einem der spannenden Momente von „Endlich“: Eine der vier älteren Akteure übernimmt den Impuls von zwei Jungen, entwickelt ihn weiter. Eine weitere schöne Passage kommt ohne Musik aus: Nachdem die Kinder auf einer Matratze lustvoll Sterben gespielt haben, mischt eine andere ältere Akteurin mit einer beherzten Harakiri-Pantomime mit.

Weitere Vorstellungen

Die Begegnungen zwischen Alt und Jung, sie haben durchaus etwas Anrührendes. Die Umarmungen, die aber eigentlich erst dann spannend sind, als sich die Erwachsenen in ihnen begegnen. Beim Picknick sitzen dann schließlich alle zusammen am Boden und in Projektion auf der großen Leinwand hinter ihnen und setzen gemeinsam ihr Philosophieren fort. Dass sie dabei inhaltlich zu keinem Schluss kommen, ist bei solch gewichtigen Fragen natürlich kein Makel. Allerdings hilft es auch nicht, dass die ästhetische Form ihnen das Wort dort abschneidet, wo es spannend wird, ohne auf einer anderen Ebene eine adäquate Form zu finden. Das wohnt einer Stückentwicklung wie dieser natürlich immer als Risiko inne. Von den Jungen Akteuren durfte man dennoch ein wenig mehr erwarten.

Weitere Vorstellungen: Morgen, Freitag, Samstag und Sonntag sowie am Mittwoch, 31. Januar, jeweils um 19 Uhr, Brauhaus, Theater Bremen.

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