Pianist Joja Wendt spricht über sein neues Programm „Im Zeichen der Lyra“

„Kreativität durch Chaos“

Joja Wendt erzählt dieses Mal eine Geschichte – natürlich mit Klavier.

Von Mareike BannaschSYKE · Nach „Das Beste am Klavier“ und „Mit 88 Tasten um die Welt“ bringt Joja Wendt auf seiner neuen Tournee erstmals eine in sich geschlossene Geschichte auf die Bühne. Am 17. Mai kommt er mit „Im Zeichen der Lyra“ auch in die Bremer Glocke. Unsere Zeitung sprach mit dem Pianisten über Schubladendenken und autobiografische Bezüge.

?In Ihrem neuen Programm „Im Zeichen der Lyra“ erzählen Sie eine in sich geschlossene, musikalische Geschichte. Wie kam es zu diesem neuen Konzept?

!Ich habe etwa anderthalb Jahre an der Geschichte geschrieben. Das Ganze ist sehr komplex und ineinander verzahnt. Im Nachhinein habe ich dann festgestellt, dass es meine eigene Geschichte ist.

?Worum geht es denn genau?

!„Im Zeichen der Lyra“ handelt von einem zehnjährigen Mädchen, das keine Lust mehr hat, Klavier zu üben. Das kennt sicher jeder, der einmal ein Instrument gespielt hat. Ihr Großvater, der alt und weise ist, erzählt ihr schließlich eine Geschichte. Im Zentrum dieser steht ein Turm. Dort lebt die Königin der Instrumente, die Orgel. Diese gibt genau vor, was die Instrumente spielen sollen und ist sehr vom Schubladendenken bestimmt. Als das Klavier beginnt, zu improvisieren, wird es aus dem Turm geworfen und fällt auf die Bühne. Das ist der große Anfang. Anfang und Ende müssen bei mir immer groß sein. Aber es kommen auch andere Instrumente vor. Die haben ihren eigenen Charakter.

??Sie sagten, dass die Geschichte auch autobiografisch ist. Inwiefern?

!Wie das Klavier, saß auch ich immer zwischen den Stühlen. Den Jazzern war ich nicht jazzig genug, die Klassiker mochten meinen Stil auch nicht. Heute betrachtet, hatte ich großes Glück, dass ich in keine Schublade gepasst habe.

?Ein Klavier fällt auf die Bühne. Können wir diesmal mehr Action als gewöhnlich erwarten?

!Natürlich fällt kein Klavier auf die Bühne. Wir haben eine große Projektion auf der Rückwand, auf der auch der Turm zu sehen ist. Den haben wir extra in Las Vegas 3D-animieren lassen. So kann man um den Turm herum gehen und auch sonst allerlei mit ihm anstellen.

Es gibt auch eine Stelle, wo das Klavier traurig ist und es dann an der Rückwand regnet. Wir können also die Emotionen in der Geschichte noch deutlicher machen.

?In der Geschichte kommen viele unterschiedliche Instrumente vor. Spielen Sie alle selber oder sind noch andere Musiker auf der Bühne?

!Ich versuche so viele Instrumente wie möglich zu spielen. Die Tasteninstrumente mache ich selber. Es ist aber noch ein Musiker dabei, der mich unterstützt und vor allem fantastisch Geige spielt. Der gibt es eine großartige Szene, in der es zum Duell zwischen Geige und Klavier kommt, die danach zu Partnern werden.

?Den Rahmen der Geschichte bilden ein kleines Mädchen und ihr Großvater. Ist das eine Hommage an Ihr jüngeres Publikum?

!In jedem Fall. Es kommen immer wieder Eltern zu mir, die ihren Kindern zeigen wollen, dass Klavierspielen nicht trocken sein muss. Obwohl es da in den letzten Jahren auch eine Umkehr gegeben hat. Mittlerweile schicken viele Kinder ihre Eltern in meine Konzerte. Die Geschichte spricht also mehrere Altersgruppen an.

?Was sollen die Zuschauer, besonders natürlich die jüngeren, mit nach Hause nehmen?

!Ich möchte zeigen, dass man einem Kind am besten etwas beibringt, indem man seine Sehnsucht weckt. So wie der Großvater mit seiner Geschichte die Sehnsucht des Mädchens weckt. Über allem steht: Kreativität erfolgt durch Chaos.

Joja Wendt tritt am 17. Mai um 20 Uhr in der Glocke in Bremen auf.

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