Konzert der Kammerphilharmonie

Klangfarben von Ironie und Leid

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Julian Prégardien

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Das fünfte Premieren-Abokonzert der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen kann man aus vielen Gründen als etwas ganz Besonderes bezeichnen.

Einmal ist der Sohn eines der größten Liedersänger unserer Zeit inzwischen selbst auf einem vielversprechenden Weg. Die Spannung, den 31-jährigen Julian Prégardien zu hören, ist immer mit der Kenntnis der Kunst des Vaters Christoph Prégardien verbunden, das lässt sich gar nicht vermeiden.

Dann leitete vom Pult aus die neue Konzertmeisterin Sarah Christian die Wiedergaben. Christian, als Schülerin von Antje Weithaas an der Universität der Künste (UdK) in Berlin vielfach preisgekrönt, ist zwar eine bereits erfahrene Geigerin, aber mit ihren 25 Jahren für diese herausragende Position noch ohne Erfahrung. Was ja nichts heißen muss.

Die dritte Besonderheit war das Programm: Es wurden ausschließlich Bearbeitungen von Klavierliedern gespielt, Bearbeitungen für große kammermusikalische Besetzung, die im besten Fall völlig unerwartete Aspekte des Werkes zeigten, im schlechtesten Fall nicht zu einer anderen Sicht beitragen konnten.

Nur neun Lieder von den 24 der „Schönen Müllerin“ von Franz Schubert, das tut irgendwie weh. Die notengetreue Orchestrierung von Wolfgang Renz (1945 geboren) verschaffte den Wunderharmonien von Schubert neue und geheimnisvolle Farben. Prégardien wirkte bei Schubert noch irgendwie befangen, wie zu beiläufig erzählend ohne weiteres inneres Engagement (einzig das „Bächlein meiner Liebe“ mit einem tief berückenden Piano fiel da heraus). Das änderte sich mit den fast szenisch gelungen humorvollen Liedern von Hugo Wolf (ebenfalls von Renz) und dann den sensationell gesungenen „Liedern eines fahrenden Gesellen“ von Gustav Mahler in der Kammermusikfassung von Arnold Schönberg. Welten liegen zwischen dem selbstironischen Humor von Möricke/Wolf und dem bitteren Leid des Mahlerschen Gesellen. Beides erfasste Prégardien treffsicher und immer charakteristisch und schön im Klang. Mit der zugegebenen „Mondnacht“ von Schumann (ebenfalls instrumentiert) zog uns der junge Sänger wiederum in eine ganz andere Welt: Man kann sich auf die Vielseitigkeit und die Perspektiven dieses Sängers freuen.

In den Einstudierungen der Serenade op. 16 von Johannes Brahms (nicht ganz überzeugende Instrumentierung von Andreas Tarkmann) und den Deutschen Tänzen von Franz Schubert (ungemein feinsinnige Instrumentierung von Anton Webern) zeigte sich Christian ebenso überzeugend führend wie gut integriert in ihre neue Position und alle Solisten von gewohnter Virtuosität. Ein seltenes, ein tolles Konzert.

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