„Kompromissfreie Zone“

Snob Club aus Bremen und Sydney gehen nach 20 Jahren auf ihre erste Tournee

Massive Körperkraft: Snob Club auf der Bühne. - Foto: Snob Club
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Massive Körperkraft: Snob Club auf der Bühne.

Bremen - Von Rolf Stein. Es scheint mittlerweile schon als Comeback zu gelten, wenn eine Band nach zwei Monaten ein aus gesundheitlichen Gründen abgesagtes Konzert nachholt. Aber was soll man dann zu diesem Fall sagen: 1998 gegründet, spielte die Band Snob Club, deren Mitglieder zuvor unter anderem in Gruppen wie Party Diktator, Saprize, Suckspeed, Czech aktiv waren, zwei Jahre später ihr erstes Konzert – und wurde dann für neun Jahre auf Eis gelegt, weil ihr Gitarrist nach Sydney zog. Nach einem zweiten Auftritt 2009 wurde das Projekt erneut bis auf Weiteres vertagt.

Jetzt hat das interkontinentale Trio gemeinsam mit der Bremer Band Terra Flop seinen ersten Tonträger veröffentlicht und befindet sich bis Samstag auf der ersten Deutschland-Tournee der Bandgeschichte. Im Interview erzählen die drei Musiker, wie so eine interkontinentale Band funktioniert.

Snob Club leben an entgegengesetzten Enden der Erde – warum gibt es 20 Jahre nach der Gründung nun eine Platte und eine Tournee?

Matthias Weishoff (Bass): Anfang dieses Jahres sollte ein Sampler zur Geschichte der deutschen Noise-Rock-Szene erscheinen, auf dem auch Party Diktator vertreten sein sollten. Snob Club war für eine spätere Folge geplant. Deshalb waren wir wieder in Kontakt, und ich dachte, dann bringe ich die Aufnahmen raus, die wir in der Vergangenheit gemacht haben.

Haben Sie nie überlegt, mit einem anderen Gitarristen weiterzumachen?

Gregor Hennig (Schlagzeuger): Die Überlegung gab es, aber nur sehr kurz. Uns war klar, dass das nicht geht. Deswegen war die Band sozusagen immer auf Stand-by.

Ist Ihre Musik noch aktuell?

Jochen Gutsch (Gitarre): Sie ist natürlich im Noise-Rock der 90er-Jahre verankert, aber sie fühlt sich für mich losgelöst von einer Szene an.

Wie würden Sie ihren Stil beschreiben?

Gutsch: Extrem angespannt, farblos und kontrastreich, wie ein Stück sinnfreier Architektur. Weishoff: Verkrampft, intensiv. Es ist auch mit massiver Körperkraft gespielt.

Das erinnert an Frank Apunkt Schneider, der „für eine Ästhetik der Verkrampfung“ plädiert.

Hennig: Mir würde es nicht widerstreben, das so zu sehen, auch wenn wir es nicht deswegen machen. Als Antithese zu dem, was in Deutschland in den letzten zwanzig Jahren sehr beliebt war: Wir feiern uns und fühlen uns pudelwohl, mit der Fußball-WM und so weiter. Aber das ist ein sehr loser Kontext. Gutsch: Der Name hat schon damit zu tun, sich nicht arrangieren zu wollen. Was wir machen, fühlt sich wie eine absolut kompromissfreie Zone an.

Termine

Snob Club: Freitag, 21.30 Uhr, mit Krälfe im Hafenklang, Hamburg; Samstag, 20 Uhr, mit Steakknife, Terra Flop und Krälfe, Schaulust, Bremen.

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