Regie-Altmeister Michael Hampe enttäuscht am Bremer Theater mit einer müden Inszenierung von Rossinis „Barbier“

Komödiantisches Strohfeuer

Tomas Möwes (Bartolo), Nadja Stefanoff (Rosina) und Leonardo Ferrando (Almaviva).

Bremen - Von Wolfgang Denker(Eig. Ber.) · Die letzte Inszenierung von Rossinis „Il Barbiere di Siviglia“ in Bremen liegt sieben Jahre zurück – damals im Musical Theater. Und die war ziemlich scheußlich.

Da war die Hoffnung, dass Regisseur Michael Hampe zum Abschluß seines kleinen Rossini-Zyklus’ (voraus gingen eine glänzende „Cenerentola“ und ein konventioneller „Maometto II.“) nun ordentlich die Funken sprühen lässt, besonders groß. Die erfüllte sich leider nicht.

Hampes Inszenierung entstand bereits 1988 für die Schwetzinger Festspiele. Sie ist also schon betagt, was zunächst kein Nachteil sein muss. Denn Hampe hat sich immer als werktreuer Regisseur mit einer Neigung zu zeitloser Opulenz ausgewiesen. Monika Gora hat das (ursprünglich von Mauro Pagano entworfene) Bühnenbild mit seiner Hausfassade beziehungsweise dem detailreich ausgestatteten Wohnbereich des Dr. Bartolo auch hübsch nachgebaut und so für kulinarische Optik gesorgt – etwas antiquiert, aber schön anzuschauen.

Nun konnte Hampe aber in diesen Räumen kaum komödiantisches Feuer entzünden. Die Personenführung war eher bieder und von großen, aber leeren Gesten bestimmt. Der Charme und das Gewitzte der Figuren, wie Rossini sie in seiner Musik zeichnet, fand wenig Entsprechung auf der Bühne. Basilio etwa ist nur ein selbstgefälliger Klotz, der mit seinem Schirm raumgreifend herumfuchtelt – von listiger Verschlagenheit keine Spur.

Figaro war ein braves Bürschchen und weit vom „Drahtzieher“ entfernt. Dr. Bartolo wirkte wie ein genervter Beamter mit Herzproblemen. Und Rosina war in der Ausstrahlung der späteren Gräfin Almaviva näher als dem gewitzten jungen Mädchen. Ein paar Gags, wie die geräuschvolle Verriegelung von Bartolos Haustür oder die tumben „Urlaute“, mit denen sich der Hausdiener Ambrosio ausschließlich äußert, waren nicht abendfüllend. Aber es gab auch gelungene Szenen: Zur Gewittermusik entfachte Hampe mit wehenden Vorhängen und klappenden Fenstern durchaus amüsanten Theaterzauber. Auch in beiden Finali war Bewegung und Spiellaune zu spüren.

Als Figaro sprang sehr kurzfristig der erst 25-jährige Alberto Albarrán ein. Und er machte seine Sache gut. Die Auftrittsarie, das „Largo al factotum“, servierte er mit flinkem Parlando und beweglichem Bariton. Aber für die Figur fehlt ihm naturgemäß noch viel an Persönlichkeit. Daran mangelt es Kurt Rydl, der den Musiklehrer Basilio gab, nun wirklich nicht. Trotzdem bleibt seine polternde Darstellung, stimmlich immer wieder von starkem Tremolo getrübt, Geschmackssache. Dr. Bartolo blieb bei Tomas Möwes Darstellung und indifferentem Gesang reichlich blass. Loren Lang gab den Diener Almavivas. Als Haushälterin Berta, die sich den Dr. Bartolo angelt, setzte Agnes Selma Weiland mit ihrer Soloarie ein kleines Glanzlicht. Und das Liebespaar Rosina und Almaviva? Da konnte man uneingeschränkt schwelgen. Nadja Stefanoff bezauberte vom ersten Ton an mit ihrem sinnlichen, samtenen Mezzotimbre. Auch Leonardo Ferrando gehörte als Almaviva mit seinem gut fokussierten Tenor, hell und strahlend im Klang, zu den unbedingten Pluspunkten.

Daniel Montané und die Bremer Philharmonker hatten mit der blitzsauber und sehr differenziert musizierten Ouvertüre einen sehr guten Beginn. Im 1. Akt wurde der Drive und die Spannung bei etwas schleppenden Tempi nicht immer durchgehalten, nach der Pause nahm der Rossinische D-Zug wieder ordentlich an Fahrt auf.

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