Die Sache mit dem Sinn

„König Tramsen“ fragt im Karton nach den letzten Dingen

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Premium-Engel unterwegs: das Duo König-Tramsen gibt im Karton in der Bremer Neustadt sein Debut.

Bremen - Von Rolf Stein. „Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?“ – Eine Frage, die absurd klingen mag. Allerdings: Schaut man sich an, wie die Wissenschaft das Zustandekommen des Universums (und des ganzen Rests) erklärt, geht es da schon so abenteuerlich zu, dass nicht wenige kapitulieren und sich lieber auf eine Schöpfer-Vorstellung einlassen.

Die führt zwar zu nicht minder abenteuerlichen Gedankenkonstruktionen, bietet aber immerhin einen Ausgangspunkt. Wer sich darauf nicht einlassen möchte, muss bis auf Weiteres damit leben, dass offene Fragen bleiben. Sich eher ergebnisoffen den Antworten auf jene anzunähern, verspricht ein Abend im Karton in der Bremer Neustadt, der die eingangs gestellte Frage im Titel trägt und zugleich das Debüt des Duos König-Tramsen darstellt. 

Hans König, bekannt unter anderem vom Theatre du pain, und Helge Tramsen, Schauspieler (zuletzt in der Bremer Opernproduktion „The Fairy Queen“) und Regisseur („Herr Lehmann“ am Schnürschuh-Theater), arbeiten dabei mit einer Form, die der des Theatre du pain nicht ganz unähnlich ist: einer Art dadaistischer Revue mit kabarettistischen Techniken. 

Ein geheimnissvoller und lauter Auftritt

Das bedeutet: Es wird nicht nur szenisch gespielt, sondern auch gesungen, sehr schön übrigens, wo es angezeigt ist. Es gibt zwar Rollen, aus denen die beiden aber auch immer wieder aussteigen. Meistens sind die beiden Schauspieler Engel, pardon: Premium-Engel, deren Auftritt so geheimnisvoll wie laut ist. 

Mit zwei Laubbläsern schrecken sie das Publikum schon gleich am Anfang auf. Um es auch sonst nachhaltig zu verunsichern. Was wäre zum Beispiel, wenn Mutter den Vater nicht kennengelernt hätte? Säße man dann dort? Und ist das wiederum nun Zufall oder Fügung? Die Welt füllt sich auf einmal mit Sinn: Die (wenigen) leeren Plätze? Nun ja, da ist eben dummerweise etwas bei der Zeugung dazwischen gekommen.

Bekenntnis zur Naivität

Wobei es natürlich mit dem Sinn immer so eine Sache ist: Je hanebüchener seine Konstruktion, desto eher verflüchtigt der soeben gewonnen geglaubte Sinn sich wieder. Dass das aber vielleicht gar nicht immer so dramatisch sein muss, dafür könnten auch die Dada-Gedichte stehen, die König und Tramsen immer wieder zum Besten geben. Dass man am Ende dieses Abends mit einem Bekenntnis zur Naivität entlassen wird, mag manch einer als etwas zu versöhnlich angesichts der Größe der Frage ansehen. Wenn die beiden Engel allerdings mit ihren Laubbläsern am Ende abdüsen, ist auch das wieder sehr relativ.

Weitere Vorstellungen von „König Tramsen“: Samstag, 2. Dezember und Freitag, 8. Dezember, 20 Uhr, Karton, Am Deich 86, Bremen

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