Bücher im Darwin-Jahr, Teil 1: Genforscher Steve Jones durchforstet den Forscher-Garten und stößt auf skurrile Pflanzen

Knackige Meldungen aus dem Labor

Kreiszeitung Syke

Von Johannes BruggaierSYKE (Eig. Ber.) · Ein stringent fortlaufender Prozess ist die Evolution wahrlich nicht: Mit ihren unzähligen Varianten, Neukreationen und überraschenden Wendungen erinnert sie vielmehr an einen wilden Garten voller unergründlicher Geheimnisse.

Der britische Genforscher Steve Jones hat sich der Herkulesaufgabe gestellt, diesen Garten mit Spitzhacke und Heckenschere zu lichten. Dass er auf solch rabiate Weise nicht annähernd wissenschaftlichen Standards gerecht würde, war dabei ebenso absehbar wie der publizistische Erfolg: „Darwins Garten“ (Piper-Verlag) schert sich nicht um Argumentation und Systematik, ist dafür umso unterhaltsamer.

Mit einem fast beliebigen Wechsel zwischen Charles Darwins Theorien in ihrem historischen Kontext einerseits und Erkenntnissen der modernen Biologie andererseits bombardiert Jones seine Leser geradezu mit knackigen Meldungen aus dem Labor.

Die Paarungsgewohnheiten von Milben etwa, so sein Urteil, dürften „jeden Pornografen sprachlos machen“. Erst bringe der Heuschreckenparasit zwei Arten Männchen zur Welt. Dann kletterten auch noch die Exemplare der ersten Art wieder in die Mutter zurück, um sie sogleich erneut zu befruchten. Bringe diese daraufhin eine zweite Brut hervor, treiben es die darin befindlichen Männchen mit ihren Schwestern.

Kaum weniger geeignet für eine Boulevard-Schlagzeile ist die Botschaft, wonach die ersten Engländer dunkelhäutig gewesen seien. Erst im Laufe der Zeit habe sich der aus Afrika eingewanderte Brite an die sparsame Sonneneinstrahlung des Nordens angepasst und das Melanin sukzessive abgebaut. Allein mit heller Haut nämlich gelange genügend Sonnenlicht in den Körper, um die erforderliche Menge an Vitamin D zu produzieren. Im sonnigen Afrika hingegen brauche man sich um ausreichende Lichtzufuhr nicht zu sorgen: Hier schützen die Pigmente vor Hautkrebs, Überhitzung und allerlei anderen Gefahren der solaren Energie. Die hellhäutigen Briten sollten sich deshalb auf einer Safari-Tour besonders gründlich bedecken – umgekehrt jedoch haben sich dunkelhäutige Menschen gründlich auf einen Aufenthalt in nördlichen Breitengraden vorbereiten. Bei Afroamerikanern, schreibt Jones, trete Vitamin-D-Mangel dreimal so häufig auf wie bei ihren weißen Mitbürgern.

So sehr man sich bei solchen Ausführungen Fußnoten wünschte, die eine oder andere Literaturangabe oder auch nur einen flüchtigen Hinweis auf Bezugsquellen: Mit seiner leserfreundlichen, nahezu epischen Struktur bietet „Darwins Garten“ einen wunderbar unterhaltsamen Zugang zur Evolutionstheorie.

Steve Jones: „Darwins Garten“, übersetzt von Michael Bayer, Anne Emmert und Hans Freundl, Piper Verlag: München 2009; 398 Seiten; 22,95 Euro.

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