Kálmáns „Gräfin Mariza“ in Bremerhaven

Unter Tränen

Überzeugen: Katja Bördner (Gräfin Mariza), Thomas Burger (Zsupán) und Oliver Weidinger (Populescu). ·
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Überzeugen: Katja Bördner (Gräfin Mariza), Thomas Burger (Zsupán) und Oliver Weidinger (Populescu). 

Bremerhaven - Von Wolfgang Denker. Der Komponist Emmerich Kálmán war Jude und musste Deutschland 1940 verlassen.

Bei der Neuinszenierung der „Gräfin Mariza“ am Stadttheater Bremerhaven knüpfte Regisseur Ansgar Weigner an Kálmáns Biographie an und verlegte das Stück ins Jahr 1939. Die Handlung spielt nicht mehr auf dem Landgut der Gräfin Mariza in der ungarischen Puszta, sondern auf einem Auswandererschiff. Gezeigt werden die Abreise, dann die Überfahrt mit ihren Liebeswirren und Gefühlsturbulenzen und schließlich die Ankunft in New York mit Freiheitsstatue und Wolkenkratzern.

Natürlich musste für diesen Ansatz einiges geändert werden. Das beginnt mit den neuen Dialogen, die von Carsten Süss und vom Regisseur sehr geschickt eingerichtet wurden und nahtlos in die dann passende Musiknummer übergehen. Und auch die Charaktere der Operette wurden sinnvoll verändert. Mariza ist hier die Tochter eines jüdischen Bankiers, Graf Tassilo wollte nicht für die Nazis in den Krieg ziehen. Auch Fürst Populescu sah als Homosexueller keine Zukunft in Deutschald und der überzeugte Kommunist Koloman Zsupán will in Amerika Geld für den Widerstand in der Heimat auftreiben. Tassilos Freund Liebenberg ist hier ein Geistlicher, der eine Schar (nummerierter) Kinder nach Amerika begleitet.

Aber die grundsätzlichen Handlungselemente hat Weigner nicht angetastet. Auch hier verlieben sich Tassilo und Mariza ebenso wie seine Schwester Lisa und Koloman Zsupán ineinander. Sogar das Happy End bleibt erhalten, weil Tassilos Tante das doch noch vorhandene Vermögen herbeizaubert.

Ausgelassene Tanzszenen (Choreographie: Sergei Vanaev) und witzige, pointenreiche Dialoge wahren den Charakter der Operette, die hier etwas an Tiefe gewinnt. Aber es ist immer wieder spürbar, dass die scheinbare Fröhlichkeit oft ein „Lachen unter Tränen“ ist, wie Stefan Frey seine Kálmán-Biographie betitelte.

Die opulenten Bühnenbilder von Christian Floeren bereiten reinste Freude. Mitreißend sind auch die Ensemble-Leistung und die differenzierte Personenführung des Regisseurs. Katja Bördner gelingt als Mariza eine überzeugende Leistung. Sie singt bravourös mit ausdrucksvollem Sopran und kann auch das Tanzbein beachtlich schwingen. Tobias Haaks ist ein attraktiver Tassilo, der seine Sehnsucht nach Wien und mit „Komm Zigan“ Stolz und Verletzlichkeit mit lyrischem Tenor gut verdeutlicht. Herausragend ist Oliver Weidinger als Fürst Populescu, der sein Schwulsein bis in die kleinsten Nuancen ausspielt.

Hartmut Brüsch am Pult des Städtischen Orchesters tunkte die Musik zunächst mit vielen Rubati in sentimentale Gefilde. Aber dann zog er die Zügel an und ließ schwungvoll und im Klang etwas herber aufspielen, was der Musik gut bekam.

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