Kleinstes Festival Deutschlands: Neue Musik mit dem „ascolta“-Ensemble bei Hans Joachim Hespos in Delmenhorst

Scheitern, Seelenqualen und chaotische Komik

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Man fasst es ja kaum, dass das kleinste Festival Deutschlands – mit nur einem Konzert – nun schon zum 46. Mal stattfindet: Der Delmenhorster Komponist Hans Joachim Hespos hat es gegründet, es findet Jahr für Jahr an jedem 11.11. statt, „damit niemand sagen kann, er habe den Termin nicht gewusst“ (Hespos). Und es funktioniert, zwar nicht eben in Massen, doch das Publikum erscheint zuverlässig.

Das liegt natürlich auch am ebenso zuverlässig hohen Niveau der Interpreten, die Hespos einlädt, und es liegt an einer stets durchdachten und kontrastreichen Programmgestaltung. Dass das im Laufe von 46 Jahren nicht für jedes Konzert gelten kann, ist normal. An diesem 11.11. hat es wieder mal beglückend gestimmt, denn das „ascolta“-Ensemble aus Stuttgart besteht aus ebenso virtuosen wie mitreißenden Musikern.

Eher sperrig als Eingangsstück ist „Lenz in Moskau“ für Ensemble und Zuspielung, in dem Rolf Riehm die Geschichte des unglücklichen Dichters Jakob Lenz, der 1792 in Moskau tot aufgefunden wurde, einmal mit Worten (Georg Büchner) und einmal mit Instrumenten erzählt: irreale Klangfarben und kurzatmige Gesten, die Scheitern und Einsamkeit symbolisieren. Atmospärisch dicht, aber auch etwas kraftlos, dann „Seru Iia“ für Ensemble von Arne Sanders – eine Uraufführung.

Zum zweiten Mal realisiert Hespos eine überzeugende Idee, nämlich (unter dem Titel „bremer punkt“) die Uraufführung eines Kompositionsschülers der Hochschule für Musik Bremen zu integrieren. Diesmal beeindruckt der Iraner Mehran Sherkat Naderi, dessen Klangfantasie schon mehrfach aufgefallen ist. Hier bietet er mit seinem Stück „Seelenqualen“ für Kontrabasssolo (Rodolfo Ventorim) eine denkbar einfache Szene: ein geradezu „weinendes“ Instrument, dem immer wieder schmerzhaft wirkende Schläge versetzt werden.

Immer wieder darf in Delmenhorst auch gelacht werden: Gordon Kampes (1976 geboren) „Moritaten und Sentimentales“ explodiert nur so vor Anspielungen und Zitaten, witzig aneinander montiert und glänzend gespielt von Hubert Steiner (Gitarre und Mandoline), Markus Schwind (Trompete), Andrew Digby (Posaune), Julian Belli und Boris Müller (Schlagzeug), Erik Borgir (Cello) und Jürgen Kruse (Klavier).

Mit zwei ganz unterschiedlichen Uraufführungen präsentiert sich dann noch Gastgeber Hans-Joachim Hespos selbst mit seiner kraftvoll lebendigen und häufig auch sauwitzigen Sprache: „Spok – Tango Fluid“ zeigt den 77-jährigen Komponisten als Meister der präzisen und komischen Miniatur. Für „PSI – musikalische Szene für mobiles Ensemble“ wird derweil eine höchst unterhaltsame Choreographie hin- und herfahrender Instrumente geschaffen. Darin kann sich die solistische Tenorposaune in den typisch hesposschen Instrumenten-Experimenten tummeln. Ein herrliches Stück voller wunderbarer, unverbrauchter Einfälle.

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