„Love Lights“: Der pralle malerische Kosmos des Berliners Florian Pelka in der Bremer Galerie Kramer

Kleinste Teilchen und minimaler Stoffaufwand

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Florian Pelka: Love Lights. ·

Bremen - Von Rainer Beßling„Love Lights“ – wie soll man das übersetzen? Liebeslichter? Liebesleuchten? Liebesglühen? Die Farben in Florian Pelkas Bild, dessen Titel zugleich als Motto für die aktuelle Ausstellung des Berliner Malers in der Bremer Galerie Kramer dient, sind in der Tat warm bis glutvoll. Ein heikles Kolorit in einer gewagten Komposition.

An höherer Stelle thront eine indische Liebesgöttin vor einem ornamentalen Band aus Lotusblüten. Das sternförmige florale Muster trägt Hauptthema und Strukturprinzip des Bildes in sich. Hier kreist vieles um die Liebe. Chiffren des Amourösen strahlen hell pink aus dem Zentrum. Selbst Hubschrauber rotieren und lassen an die Flugzeuge im Bauch denken, die ein prominenter Deutsch-Rocker mal besungen hat.

Ein Pendant zur Liebesgöttin findet sich in der rechten unteren Ecke. Die hellgelb strahlenden Sternformen in der Höhe korrespondieren mit stilisierten weiblichen Körperkonturen in einem plakativen Aufsteller. Obwohl die Malweise variiert, liegt eine Gemeinsamkeit in der werbegrafischen Textur: Verführung wird ausgeflaggt, oben erhaben, unten eher als Ware.

Es gibt aber noch einen anderen Zugang zum Bild, den über kompositorische Momente. Ein Wechselspiel von malerischen und grafischen Anteilen fällt auf. Unterschiedliche Texturen bestimmen die Farbschichten. Mal ist die Oberfläche eher geschlossen, stofflich, wie eine atmende Haut, die ganz für sich steht. Mal ist sie eher lasierend, luftig. Und dann gibt es noch Bildzonen, in denen Farbflächen in einer artifiziellen Pointierung wie in einem Pop-Up-Buch oder Papiertheater eine künstliche Kulisse markieren.

Florian Pelka bietet in dieser zwar überschaubaren, aber doch auch repräsentativen Galerieschau nicht nur mehrere Motivkreise, sondern auch unterschiedliche Formlösungen an. Mal fällt die Bildanlage eher luftig und geweitet aus, mal extrem verdichtet, Volumen und Körperlichkeit betonend. Bildnisse und Bildgeschichten mit vielen kunstgeschichtlichen Referenzen, Mythen und Muster wechseln sich in diesem prallen Kosmos ab.

Neben „Love Lights“ findet sich ein Bild mit dem schrägen Titel „Das Verlassen der Ebene“. Protagonist ist ein höchst präsenter Bock. Da ist maskuline Potenz unterwegs. Im Zentrum der offensiven Körperlichkeit befindet sich ein palmenförmiges Etwas. Nichts Phallisches, eher ein florales Element. Dabei besitzt diese blattförmige Entfaltung auch etwas Fontänenartiges – eine subtile Umschreibung des männlichen Verbreitungsprinzips?

Als Kontrapunkt dazu lässt sich eine Arbeit gegenüber auffassen: „Die String Theorie (am Pool)“. Die als Schwingungen aufgefassten „Strings“ als Kleinst-Elemente von Körperlichkeit stellen Wissenschaftler als schwebende, schlingernde Trapeze dar, wie sie nun auch durch das Bild von Pelka wabern. Das hier eher metaphysisch als physikalisch wirkende Schauspiel vollzieht sich vor einer malerischen Horizontbeschreibung aus warmen Rottönen und kühlerem Blau-Grün. Im Zentrum des Bildes liegt ein Geviert, das im Zusammenschluss mit einem Geländer am rechten Bildrand als Pool lesbar wird.

Pelka entwirft hier ein Bild von kultivierter Landschaft, das durchzogen ist von theoretischen Erwägungen über die Beschaffenheit von Wirklichkeit. In einer besonders durch die Farbwerte bestimmten Melange aus Naturtönen platziert er einen Pool als künstliche Begegnungszone mit dem Element Wasser. Das Becken erscheint wie ein Möbel in einer Außenarchitektur. Der Boden schwebt, ein Rohr zieht sich wie eine Ader oder ein Transportkanal durch das gebrochene Fundament. Eine knabenhafte Figur wie vom Puttendiscounter ziert einen Zaun, dessen Balken von der Negativ- in die Positivform wechseln, auch ein Verweis auf den prekären Kunstort. Die String-Theorie am Pool kann natürlich auch auf den minimalen Stoffaufwand bezogen werden, mit dem in Bad- und Bräunungsregionen der weibliche Unterleib spärliche Bedeckung erfährt.

Galerie Kramer, Bremen,

Vor dem Steintor. Bis 1. Juni.

Mi-Fr 15-19 Uhr, Sa 10-16 Uhr.

Info: 0421-76713

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