Kleinkrieg auf dem Roten Planeten 

Oldenburgisches Staatstheater zeigt Uraufführung „Mission Mars“

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Das Leben auf dem Mars ist von ganz eigener Schönheit: Ulf (Matthias Kleinert, l.) und Christian in gefährlicher Mission. 

Oldenburg - Ein junger Mann tritt vor das Publikum in der Oldenburger Exerzierhalle. Die Dringlichkeit seines Vortrags bedarf kaum einer weiteren Erläuterung. Die Bewohnbarkeit der Erde steht zunehmend in Frage – sei es der Menschen Schuld oder nicht – und die Option Mars steht nicht erst seit gestern im Raum. Theoretisch, versteht sich.

Björn SC Deigner hat als „Writer in Residence“ am Hanse Wissenschaftskolleg in Delmenhorst im engen Kontakt mit Wissenschaftlerin unterschiedlichster Disziplinen darüber nachgedacht, was wohl passiert, wenn der Mensch sich nach der Erde den Mars untertan machen will. Die Probleme, das lässt das Eingangsreferat von Tobias Schormann durchblicken, scheinen zumindest technisch durchaus lösbar.

Sodann begeben wir uns mit den Astronauten Christian (Fabian Kulp), Ulf (Matthias Kleinert) und Alex (Franziska Werner) direkt hinein in das Abenteuer, für das Anika Wieners (Bühne und Kostüme) einen Teil der Exerzierhalle mit 600 Kilo roten Linsen und Videoprojektionen in eine zauberhafte Marslandschaft im Sandkasten verwandelt hat, zu der der Musiker Daniel Dorsch einen behutsam assistierenden Soundtrack komponiert hat.

Gibt es Leben auf dem Mars? Tobias Schormann klärt auf.

Die drei Schauspieler begegnen uns – trotz ja eigentlich optimistischer Prognosen – in dramatischer Lage. Da das Stück erst begonnen hat, dürfen wir hier wohl verraten, dass sie überleben werden. Was Deigner und Kevin Barz, der die Uraufführung von „Mission Mars“ in Szene gesetzt hat, Gelegenheit gibt, die gruppendynamischen Prozesse zu untersuchen, die sich aus der klaustrophoben Situation ergeben.

Ulf, Alex und Christian, auch das dürfte nicht verwundern und sei deswegen hier schon verraten, benehmen sich in diesem Sinne alles andere als überraschend. Sie piesacken sich nach Kräften, sie versuchen sich zu ignorieren und zu lieben. Und das ist vielleicht eine, wenn nicht die zentrale Pointe dieser mit lakonischem Humor und Mut zum gelegentlichen Kalauer erzählten Geschichte.

Denn müsste es nicht eigentlich um die doch wohl eher heroische Eroberung eines neuen Planeten zum Wohle der Menschheit gehen? Die aber kann womöglich – wie in Oldenburg exemplarisch zu sehen ist – nicht nur nicht von ihren mickrigen Kleinkriegen lassen, sondern würden damit gleich die ganze Mission scheitern lassen. Aber das müssen – und sollten – Sie sich selbst ansehen. Zumal das subtil agierende Ensemble, allen voran Franziska Werner als Missionsleiterin Alex, hier ein sehenswertes bittersüßes Kammerspiel bietet, das sich vor allzu schlichten Schuldzuweisungen wohlweislich hütet.

Die nächsten Termine

Mittwoch, Donnerstag und Samstag, 20 Uhr, Exerzierhalle, Oldenburg.

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