Alexander Krichel spielt im Bremer Sendesaal

Klavierabend mit Glitzer

+
Alexander Krichel 

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Sein letzter Abend als „Bremen Artist 2018/2019“, als der er in den vergangenen Monaten immer wieder auf ganz unterschiedlichen Bremer Podien aufgetreten ist, sei dieser Abend im Sendesaal, sagte der 30-jährige Hamburger Pianist Alexander Krichel. Doch auch nach diesem Abend können die Freunde des Klavierspiels hoffen, dass er noch häufig wiederkommt. Denn spannend wird auch die weitere Entwicklung seines überdimensionalen Könnens sein. Das hat sich bereits herumgesprochen: Das Konzert am Mittwochabend war ausverkauft.

Krichel spielte Stücke von seiner letzten CD, die er seiner Großmutter nach ihrem Tod gewidmet hat. So kommt das ungewöhnliche Programm zustande, das er „An die ferne Geliebte“ nennt und das ihn einmal mehr als intimen Kenner der spätromantischen Musik ausweist.

Das Kernstück ist die Klavierbearbeitung Franz Liszts von Beethovens Liederzyklus „An die ferne Geliebte“. Ohne jeglichen Text kann Krichel „mit meinen Fingern reden“, sagt er, und die leidenschaftlich-sehnsüchtige Atmosphäre unnachahmlich vermitteln. Ebenso wie bei dem Höhepunkt des Programms, der Wiedergabe von Liszts Klavierfassung von Wagners „Isoldes Liebestod“. Da vermisst man kein Orchester, so ergreifend, gewaltig und gefühlstief formt Krichel einen der berühmtesten Momente der Operngeschichte.

„Le Tombeau de Couperin“ von Maurice Ravel, der seinen im ersten Weltkrieg gestorbenen Freunden gewidmete Zyklus über die Musik des Barock, ergänzt die Programmkonzeption bestens: besonders durch endlose, unglaublich schnell wechselnde Klangfarben, die Krichel zu kreieren versteht, und die glasklare Transparenz der vielen Schichten dieser wahrlich betörenden Musik, die nicht auf der erwähnten CD zu hören ist, dafür die „Symphonischen Etüden“ von Robert Schumann.

Am Mittwoch gibt es noch Fritz Kreislers „Liebesleid“ und „Liebesfreud“ in der Klavierbearbeitung von Sergej Rachmaninow, der als Komponist nicht unbedingt einen guten Ruf hat. Noch immer haftet dem 1873 geborenen Russen, der im amerikanischen Exil starb, das Image der Seichtigkeit an: Er sei ein guter Filmkomponist, meinte Igor Strawinski, ein „Vulgär-Töner“, befand George Bernard Shaw, und - ausgerechnet - Richard Strauss schwang sich zum Urteil „Gefühlsjauche“ auf.

Krichel selbst attestiert der Musik „Hollywoodflair“ nennt sie „Virtuosenkracher“. Aber sogar mit diesem so wenig ins Programm passenden Glitzerkram kann Krichel noch viel erzählen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Wie man mit erblich bedingten Krankheiten umgeht

Wie man mit erblich bedingten Krankheiten umgeht

Was bei welchem Kopfschmerz hilft

Was bei welchem Kopfschmerz hilft

So präsentiert sich der Mercedes-AMG A 45 auf der Strecke

So präsentiert sich der Mercedes-AMG A 45 auf der Strecke

Populisten-Allianz am Ende: Italiens Premier Conte tritt ab

Populisten-Allianz am Ende: Italiens Premier Conte tritt ab

Meistgelesene Artikel

Schwankhalle bezieht Stellung gegen Rassismus und Diskriminierung

Schwankhalle bezieht Stellung gegen Rassismus und Diskriminierung

Die Lust am Untergang

Die Lust am Untergang

Erinnerungen an Woodstock: „Ich war von der Stimmung stoned“

Erinnerungen an Woodstock: „Ich war von der Stimmung stoned“

Dem Idyll misstraut

Dem Idyll misstraut

Kommentare