Klaus-Peter Wolf veröffentlicht „Ostfriesenschwur“

Der Wahnsinn der Selbstgerechten

Wolfs zehnter Fall für Ann Kathrin Klaase
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Wolfs zehnter Fall für Ann Kathrin Klaase

Syke - Von Mareike Bannasch. Monatelang hat er am Gefängnis gearbeitet: Wände isoliert, Kameras installiert und Gitterstäbe blank poliert. Doch nun ist er fertig, endlich. Wurde auch höchste Zeit, denn das Böse schläft bekanntlich nicht. Unbehelligt von den Behörden heckt es bereits die nächste Grausamkeit aus. Noch, denn nun wird er aufräumen – wenn es sonst keiner macht...

Der Name Klaus-Peter Wolf ist Garant für Verkaufsschlager: Kaum eine Ausgabe seiner Ostfriesenkrimis, die nicht wochenlang im oberen Drittel der Bestseller-Listen zu finden ist. So sicher auch „Ostfriesenschwur“, der heute erscheint und auf gut 500 Seiten eine Art runden Geburtstag markiert. Zum zehnten Mal ermitteln Ann Kathrin Klaasen und ihre Kollegen im beschaulichen Ostfriesland. Diesmal haben sie es mit einem Serienkiller der perfideren Sorte zu tun. Einem Mörder, der sich nach einiger Übung nicht nur aufs Enthaupten versteht, sondern gleich noch Ubbo Heide, den Ex-Leiter des Zentralen Kriminaldienstes, in die Sache hineinzieht. Da ist Schluss mit lustig: Wer sich an der grauen Eminenz der ostfriesischen Polizei vergreift, bekommt es mit Ann Kathrin Klaasen zu tun. So einfach ist das.

In seinem zehnten Krimi greift Klaus-Peter Wolf auf Altbewährtes zurück: Vor landschaftlich romantischer Kulisse konzentriert er sich auf das Miteinander seiner liebevoll skizzierten Figuren. Menschen, die von tiefer Loyalität angetrieben werden, die nicht immer ihre besten Seiten zeigt. Weder beim Mörder noch bei den Ermittlern, die in „Ostfriesenschwur“ einmal mehr mit alten Beziehungen und Seilschaften ringen. Das erschwert nicht nur die Tätersuche, sondern macht es auch dem neuen Leiter des Zentralen Kriminaldienstes, Martin Büscher, nicht leicht.

Aus Bremerhaven nach Ostfriesland zwangsversetzt, hat er arge Schwierigkeiten, mit seinem übermächtigen Vorgänger zu konkurrieren. Obwohl Konkurrenz hier zu viel gesagt ist, denn eigentlich wollen alle Ubbo Heide zurück. Dass dieser auf den Rollstuhl angewiesen ist und schon lange in Rente ist: völlig egal. Wolf spinnt daraus eine spannende Geschichte, die erschreckend aktuell wirkt. In einer Zeit, in der immer mehr Menschen meinen, das Gesetz per Bürgerwehr in die Hand nehmen zu müssen, trifft der Leser hier auf einen Mörder, der sich wohl als einer der ersten diesen Fehlgeleiteten anschließen würde. Und in seiner wahnsinnigen Suche nach Gerechtigkeit noch eine Schippe drauflegt.

Bei all dem verzichtet Klaus-Peter Wolf dankenswerterweise auf allzu blutrünstige Szenen, das Grauen kommt bei ihm subtiler daher – aber nicht weniger erschreckend. Vor allem dank der Erkenntnis, dass Mörder und Ermittler im Grunde von denselben Motiven geleitet werden und beide so ihre Probleme damit haben, die Entscheidungen der Gerichte zu akzeptieren.

Ein kollektives Gefühl der Ohnmacht, das den Zeitgeist ziemlich akkurat beschreibt. Es ist aber nicht nur diese Aktualität, die den Reiz des zehnten Ostfriesenkrimis ausmacht, sondern, wieder einmal, die brillant gespielte Regionalkarte. Bekanntermaßen setzt Wolf gern seinen Nachbarn im Norden in den Nebenrollen ein Denkmal. Dieses Mal ist er aber in unseren Breiten fündig geworden, genauer gesagt in Achim.

Dorthin verschlägt es Ann Kathrin Klaasen im Laufe der Ermittlungen, ein Besuch in der Buchhandlung Hoffmann inklusive. Deren Inhaber, Veit Hoffmann, kann sich aber nicht nur über die Erwähnung seines Geschäfts freuen, sondern hat gar einen kleinen Auftritt.

Kein Wunder, hat Klaus-Peter Wolf ihn doch vor Kurzem in einem Interview zu seinem Lieblingsbuchhändler 2015 gekürt. Ein Grund mehr, ihn literarisch zu würdigen und am 13. Februar zur Lesung nach Achim zu kommen. Ob die Ermittlerin mit Hoffmanns Hilfe dem Mörder auf die Schliche kommt? Das wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten.

Nur so viel: „Ostfriesenschwur“ ist ein gut gemachter, spannender Krimi, der den Leser ein ums andere Mal auf die falsche Fährte führt und den man nicht mehr aus der Hand legen möchte. Es bleibt einem aber nichts anderes übrig, denn ihren nächsten Fall wird Ann Kathrin Klaasen erst in zwölf Monaten lösen: Dann kommt „Ostfriesentod“ in die Läden.

Klaus-Peter Wolf: „Ostfriesenschwur“, Fischer-Taschenbuchverlag, 511 Seiten, 9,99 Euro.

Der Autor liest am 13. Februar in der Achimer St.-Laurentius-Kirche aus seinem Buch.

Beginn ist um 19.30 Uhr, Karten gibt es zum Preis von acht Euro auf der Internetseite der Buchhandlung Hoffmann www.buecher-hoffmann.de,

direkt im Geschäft oder unter 04202/523392.

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