Thees Uhlmann begeistert das Publikum im Pier 2 mit wohldosierter Haltung

Klare Kante

Mit Leidenschaft bei der Sache: Thees Uhlmann. Foto: Imago

Bremen - Von Frank Schümann. Aus diesem Stoff werden Legenden gemacht: Lange vor seinem eigenen Konzert betritt Thees Uhlmann die Bühne und kündigt im dunklen Sakko persönlich den Auftritt seines Support-Acts an – den von Grillmaster Flash, seines Zeichens Singer/Songwriter aus Bremen-Nord und längst eine der „Typen“ der Stadt. Und Uhlmann wäre nicht Uhlmann, wenn es keine Geschichte dazu gäbe: „Es ist ja mittlerweile bekannt, dass ich mich beim Schreiben der Songs für das letzte Album etwas schwer getan habe“, sagt er und erzählt, wie „Grilli“ ihn einst in Kreuzberg besucht habe. Mittels einer mitgebrachten Flasche Korn habe er einen gehörigen Anteil daran gehabt, dass das ursprüngliche Material verworfen und statt dessen Neues auf den Weg gebracht wurde – „wir haben nochmal ganz von vorn angefangen“.

Der so Gelobte darf dann kurz darauf vier Songs zum Besten geben – drei solo an der Gitarre und eines mit Thees Uhlmann und seiner Band, „Am Tag, als Udo Jürgens starb“. Grillmaster Flash schafft es dabei, ordentlich zu punkten – und hat nebenbei mit seinen direkt-schrägen Art auch die Lacher auf seiner Seite.

Dann kommt der Mann aus Hemmoor wieder auf die Bühne, der mit dem Ergebnis seiner mittlerweile veröffentlichten dritten Solo-LP mehr als zufrieden ist – und das kann er auch sein. „Junkies und Scientologen“ ist eine sehr gute Platte. Nicht von ungefähr sind gleich neun der zwölf Songs auch im Pier 2 zu hören, mit der ersten Single „Fünf Jahre nicht gesungen“ und der Stephen-King-Hommage „Danke für die Angst“ hat er zwei davon gleich an den Anfang des Konzerts gestellt. Uhlmann, der das Sakko jetzt gegen die Jeans-Jacke eingetauscht hat, vertraut in seiner Setlist neben den neuen Songs vor allem auf die erste Platte: Auch von ihr finden sich neun Songs im Programm, darunter natürlich die Hymne an seine Heimatstadt Hemmoor und eine wuchtige Version seines Hits „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“. Von der zweiten Solo-Platte haben es nur die „Zugvögel“ in die Setlist geschafft.

Dem Konzert tut das sehr gut, wie auch die vier Songs seiner alten Band „Tomte“, die schön über den Abend verteilt sind – alles wirkt sehr organisch, zeigt aber auch die Vielseitigkeit von Uhlmann und seiner Band. Der frühe Tomte-Song „Korn und Sprite“ gerät mit seinen punkigen Klängen zum Highlight, mit „Die Schönheit der Chance“ als sechster (!) Zugabe beendet Uhlmann das Konzert.

Keine Frage, der Auftritt vor 2 400 Besuchern ist musikalisch sehr stark, kraftvoll, aber auch vielseitig. Dass es darüber hinaus ein sehr runder, unterhaltsamer Abend wird, liegt natürlich an Uhlmann selbst – an seiner Haltung, seiner Art, seinen Geschichten. Einige von ihnen werden dem Publikum sicher in Erinnerung bleiben – etwa die, wie er auf Vermittlung des Fußballers Neven Subotic (für dessen Stiftung er sammelt) zum Fußball in Liverpool war, wo er auf Campino und die Toten Hosen traf und auf unrühmliche Art in einer Düsseldorfer Zeitung landete. Oder die, die von den „Zweikämpfen“ mit seiner jetzt zwölfjährigen Tochter handeln, die fast immer eine eindeutige Siegerin haben. Einmal wird der sonst so empathische Songwriter dann auch richtig sauer: Bei der Ankündigung zu seinem Song „Ich bin der Fahrer, der die Frauen nach HipHop-Videodrehs nach Hause fährt“ macht er deutlich, was er von Teilen der Rap-Szene hält: „Ich freue mich darauf, wie sich diese Leute in zehn Jahren schämen werden für diesen Herrenmenschen-Scheiß.“

Auch sonst sorgt Uhlmann in seinen Ansagen häufig für besondere Momente: So verspricht er dem Träger eines Wacken-Shirts ein Leibchen nach Wahl beim Merchandise-Stand, denn: „Heavy Metal und deutscher Rock united, so muss das sein“, oder hält einem St.-Pauli-Rufer entgegen: „Das sind echt nicht die Zeiten, in denen man als St.-Pauli-Fan in Bremen über Fußball sprechen sollte.“

Klare Haltungen, wohl dosiert. Sehr angenehm, sehr gut – so wie der gesamte Auftritt von Thees Uhlmann und Band an diesem Abend.

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