Musikfest Bremen startet mit der „großen Nachtmusik“

Klangvoller Auftakt

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Ein musikalischer Spätsommerabend: ein Blick auf das Treiben auf dem Bremer Marktplatz.

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Der Marktplatz voll, die Stimmung ausgelassen und zwischen den hinreißend beleuchteten Gebäuden sind die meist gehörten Sätze: „Wo wart Ihr eben?“ und „Wo geht Ihr hin“. Die „große Nachtmusik“ entwickelt sich zum Höhepunkt des Musikfests Bremen.

Eine Station des musikalischen Rundgangs ist die Kirche „Unser Lieben Frauen“, dort ist edler Monteverdi-Gesang mit „Voces Suaves“ aus Basel zu hören. Das Konzert trägt einen Titel: „Monteverdis Muse – ein musikalisches Porträt von Caterina Martinelli“. Wie dieser zustande gekommen ist, dazu haben die Sprecher vielleicht etwas erzählt – verstehen konnte man sie leider nicht.

Einiges wissen wir dennoch: Martinelli war eine Sängerin, die 1607 Monteverdis ersten Orfeo verkörperte und im Alter von 17 Jahren starb – vor der Uraufführung der verschollenen Oper „Lamento d’Arianna“, die sie singen sollte. Mehrere Madrigale Monteverdis sollen ihrem Tod gegolten haben, aber davon ist in der Bremer Kirche dramaturgisch nichts zu hören. Bleiben also die schönen Monteverdi Interpretationen: ungemein klare, dabei hochexpressive vibratolose Stimmen. Bewundernswert ist dabei die Mühelosigkeit, mit der die individuellen Affekte der Stimmen in ein fließendes harmonisches Kollektiv eingebracht werden.

Vilde Frang bei ihrem Auftritt in der Glocke.

Lahav Shani, der 30-jährige neue Chefdirigent des „Rotterdam Philharmonic Orchestra“, dürfte zu den hoffnungsvollsten Nachwuchsdirigenten zählen: Der Israeli bietet für die drei Konzerte in der Glocke drei verschiedene Programme und kann damit eindrucksvoll die stilistische Vielfalt des Orchesters zeigen. Die Wiederbegegnung mit der norwegischen Geigerin Vilde Frang nach ihrem Bremen-Debüt vor drei Jahren mit der Deutschen Kammerphilharmonie kommt einem Erlebnis gleich: Das berühmte Konzert für Violine und Orchester von Max Bruch stattet sie mit einer überdimensionalen Menge von kleinen Charakteren aus, verführt durch betörende, fast unhörbare Pianissimoflächen und erweckt immer wieder den Eindruck einer spontanen Improvisation. Das Orchester begleitet entsprechend und hat seinen Höhepunkt in der Wiedergabe von Maurice Ravels „La Valse“.

1919/20 geschrieben ist es (neben dem „Boléro“) das Stück, das am meisten von den Katastrophen des 20. Jahrhunderts erzählt: Die Schatten und das unterschwellige Chaos, aus denen sich der gigantische Zusammenbruch des Wiener Walzers vollzieht, gestalten Shani und das Orchester überragend und ernten im ausverkauften Saal Ovationen.

Und dann gibt es noch ein neues Streichquartett in der Oberen Rathaushalle zu hören. Seit 2008 spielen die Absolventen des Lyones Konservatoriums als „Quatuor Hermès“ zusammen. Für Franz Schuberts Streichquartett „Rosamunde“ bringen sie alles mit, was diese sensible und tiefgründige Musik verlangt: Transparenz, Eleganz und immer wieder ein erschütternder Ton der Melancholie, den sie mit ihrem radikal vibratolosen Spiel erreichten. Ein Grund mehr, warum die Musikfest-Eröffnung aus dem Bremer Musikleben nicht mehr wegzudenken ist.

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