Gaye Su Akyol veröffentlicht ihr zweites Album

Klang des Aufbruchs

Schillert für eine bessere Welt: Gaye Su Akyol. - Foto: Ali Guclu

Istanbul - Von Rolf Stein. „Ich will die Welt für immer verändern“, sagt die Musikerin Gaye Su Akyol aus Istanbul. Auf ihrem neuen Album „Hologram Imparatorlugu“, das heute bei Glitterbeat (Vertrieb: Indigo) erscheint, gibt sie einen Vorgeschmack darauf, was das bedeuten könnte – sollte sie damit Erfolg haben.

Der Albumtitel, der übersetzt so viel bedeutet wie „Hologramm Imperium“, verweist auf eine alternative Realität, in der sich erproben ließe, was vielleicht auch in der Primärrealität möglich ist. Kunst als Zukunftslabor. Dass Akyol in ihrer Musik weit in die Popgeschichte zurückgreift, ist dabei kein Widerspruch. In der Türkei gab es seit den spätern 60er-Jahren eine aufregende Rock-Szene, die westliche Spielweisen mit östlichen Instrumenten verarbeitete und Brücken zwischen Orient und Okzident, zwischen gestern und morgen schlug.

„Deine eigene Kultur ist wichtig“, erklärt die Musikerin. Zugleich, betont sie, sei keine Kultur besser als eine andere. Eine Art Erweckungserlebnis war für die Mitte der 80er-Jahre geborene Künstlerin das Album „Nevermind“ von Nirvana. Es habe ihr förmlich den Verstand gesprengt, erinnert sie sich. Später entdeckte sie Nick Cave, Joy Division, Sonic Youth und die Einstürzenden Neubauten, aber auch „White Rabbit“ von Jefferson Airplane. Von hier führte sie ihr Weg zu Surf-Musik und psychedelischem Rock. „Was sie machten, schien zu älteren türkischen Sängerinnen wie Selda Bagcan und Müzeyyen Senar zu passen, die ich liebte“, sagt Akyol.

Nicht zuletzt an die frühen Alben Selda Bagcans, die übrigens für ihre Lieder nach dem Militärputsch 1980 sogar ins Gefängnis musste, knüpft Akyol auf „Hologram Imparatorlugu“ an, arbeitet mit den auch in der türkischen Pop-Musik üblichen ungeraden Metren und erweitert das stilistische Spektrum um düstere Post-Punk-Stimmungen und Ennio-Morricone-Gitarren. Ein grenzenüberschreitender Ansatz, der sich auch in ihren Texten wiederfindet und sicherlich als politisches Statement zu lesen ist, nicht zuletzt in seinem Bestehen auf einem künstlerischen Aufbruch, der seine Bedingungen und seinen Resonanzraum ja dann doch immer im Gesellschaftlichen hat.

Nachdem westliche Künstler wie Muse oder Joan Baez nach dem Putschversuch im Sommer dieses Jahres ihre Auftritte in der Türkei absagten, ist die Stimme von Gaye Su Akyol umso wichtiger. Davon abgesehen, dass ihre Musik zum spannendsten gehört, was es in den letzten Monaten nicht nur aus der Türkei zu hören gab.

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