Depeche Mode gebären auf der Bühne des AWD-Dome Lieder von schwerster Bedeutung

So, wie man sie kennt

Andrew Fletcher, Martin Gore und David Gahan sind Depeche Mode.Archivfoto: ap

Bremen - Von Boris Hellmers(Eig. Ber.) · Depeche Mode und Bremen: Das ist eine funktionierende Sache. 1983 waren die Engländer zum ersten Mal an der Weser, Besucher von damals erinnern sich an einen legendären Abend.

Zuletzt füllten die Engländer 2006 locker das Weser-Stadion – etwa 20 Jahre nach dem großen Höhepunkt des Synthi-Pop. Schon diese Zugkraft sprach für einen gewissen Ewigkeitsanspruch des Stils, den die Meister in den Achtzigern kreierten. Die meisten ihrer Kollegen sind mittlerweile vergessen. Oder nur noch retro.

Nun also wieder Depeche Mode, und nun auch wieder lange Schlangen. Die 12 000 Plätze im AWD-Dome waren ausverkauft, und ein genauerer Blick auf die langen Schlangen war aufschlussreich. Es waren nicht nur die Fans der ersten Stunde, die ihre Jugend musikalisch wieder hochholen wollten, sondern erstaunlich viele junge Menschen, für die Depeche Mode die Musik von heute ist.

Dabei haben sich Dave Gahan, Martin Gore, Andrew Fletcher, das heutige Kernteam, eigentlich nie verändert. Mit dem Auftakttitel „In Chains“, spätestens dann mit dem neuen Hit „Wrong“ war klar: Die Musik ist auch bei neuen Titeln geblieben, was sie immer war. Sie bringt zusammen, was eigentlich nicht zusammen passt: die seltsame frugale Kälte der Achtziger, die die „Modes“ ins Heute herüberretteten und einen wahren Furor musikalischer Energie, die überlegene Unberührbarkeit dieses Weltensembles und die Emotionalität, mit der sie ihren Liedern und Texten begegnen. Auch auf der Bühne ist Depeche Mode eine unglaubliche Showmaschine, die beim Gebären von Liedern schwerster Bedeutung vor einer bedrohlich bombastischen Videoleinwand immer mehr an Übergröße gewinnt.

Auf diesem Niveau bewegte sich Depeche Mode den ganzen Bremer Abend lang. Dave Gahan, Charismatiker unter dunkler Augenschminke, ist der große Gestiker, mit Hyper-Präsenz und permanenter Durchspannung, aber musikalisch immer voll beherrscht und auf der Höhe. Bei aller genauestens austarierten Perfektion, die Depeche Mode mit seinen akribisch nachbearbeiteten Studioalben abliefert, ist die Kult-Kombo doch auch eine der besten Live-Bands überhaupt. Wenn Gahan sich kraftvoll elegisch durch die atembereubende Langversion von „Enjoy the silence“ singt, wenn die Drei sich beim oft gecoverten „Personal Jesus“ an einer vollmundigen Mischversion aus Western und Git-Pop abarbeiten, wenn Martin Gore mit seinen Soli zeigt, dass er in der selben Liga singt wie sein Frontmann: Dann ist all das keine Überraschung. Dann klingt es so, wie man es kennt. Und dann bedeutet das bei dieser Gruppe, dass es mehr ist als perfekt.

„Policy of truth“, „Fly on the windscreen“, neue Titel und Klassiker, im Zugabenblock dann nochmal Höhepunkte wie „Behind the Wheel“: Nach 20 Titeln hatten sich die 12 000 Fans regelrecht wundgeklatscht – nach zweieinhalb Stunden sehr lauter Musik und einer hochprofessionellen Licht- und Videoshow war kein Verschleiß zu erkennen. Das raumgreifende Pathos der Musik und die Fragen, die jede gute Musik bei ihren Hörern aufwirft, nahmen die Besucher mit nach Hause. Sie werden auch das nächste Mal wieder da sein, wenn Depeche Mode nach Bremen kommt.

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